Schwermetalle und gefährliche Chemikalien vergiften unsere Meere

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Schadstoffe im Meereswasser gefährden Mensch und Tier

Die zunehmende Umweltverschmutzung macht auch vor unseren Meeren keinen Halt. Einem aktuellen Bericht zufolge vergiften Schwermetalle und eine Mischung gefährlicher Chemikalien die Meere Europas, wobei mehr als drei Viertel der untersuchten Gebiete bereits kontaminiert sind. Im Meer vorkommende Giftstoffe gefährden nicht nur die Gesundheit der dort lebenden Tiere, sondern auch die Gesundheit von uns Menschen.


Bei einer Untersuchung der European Environment Agency (EEA) konnte festgestellt werden, dass große Teile unserer Meere mit giftigen Schwermetallen und gefährlichen Chemikalien belastet sind. Die EEA veröffentlichte jetzt einen Bericht zu diesem Thema.

Unsere Meere werden immer stärker verunreinigt, dies wird in Zukunft zu einer gesundheitlichen Belastung von Mensch und Tier führen. (Bild: kwasny221/fotolia.com)

Ostsee ist am stärksten verunreinigt

Das am stärksten betroffene Meer war der Untersuchung zufolge die Ostsee, in der 96 Prozent der bewerteten Gebiete nach Angaben der European Environment Agency problematische Gehalte an Schadstoffen aufwiesen. Ähnliche Probleme wurden auch in 91 Prozent des Schwarzen Meeres und 87 Prozent des Mittelmeers festgestellt. Zusätzlich wurden auch im Nordostatlantik in 75 Prozent der untersuchten Gebiete unsichere Konzentrationen von Chemikalien oder Metallen gefunden. In den meisten Gebieten verbesserte sich in der letzten Jahren die Situation etwas, da viele der giftigen Substanzen, die in die Meere gespült wurden, wie beispielsweise das Pestizid DDT und Schwermetalle wie Cadmium und Quecksilber, mittlerweile verboten oder aber strengen Beschränkungen unterworfen sind. So ist die Verbesserung des Bruterfolgs des Seeadlers in der Ostsee-Region laut Aussage der Forschenden auf den Rückgang von DDT zurückzuführen.

Die Auswirkungen von vielen Chemikalien auf die Umwelt sind nicht bekannt

Ein weiteres anhaltendes Problem sind allerdings sogenannte flammhemmende Chemikalien, welche in den Meeren festgestellt werden. Außerdem dringt gerade aus Afrika immer noch DDT ins Meer. Deswegen fordern Umweltschützer stärkere Kontrolle des globalen Chemikalieneinsatzes und eine bessere Überwachung der Meere. Die Menschen müssen wachsam gegenüber potenziellen neuen und bestehenden Kontaminationen sein. Menschen produzieren täglich neue Chemikalien und bei vielen sind die Auswirkungen auf die Umwelt nicht bekannt, erläutern die Forschenden. Immer neue Arzneimittel werden entwickelt und gelangen schließlich ins Abwasser. Dies sei ein ernsthaftes aufkommendes Problem, bisher bleibe allerdings noch unklar, wie sich dies genau auswirken wird.

Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Männern?

In Deutschland produzieren junge Männer beispielsweise nur noch ein Drittel des Spermas, welches Männer dort vor 30 Jahren produzierten. „Es bleibt schwierig, einen Kausalzusammenhang zwischen bestimmten Kontaminanten und der Verringerung der Fruchtbarkeit nachzuweisen. Ergebnisse aus Tierversuchen und Programmen zur Überwachung der menschlichen Gesundheit deuten jedoch darauf hin, dass das Vorhandensein von endokrinen Störungen in der Umwelt, wie PCB, teilweise für diese Verringerung der Fruchtbarkeit verantwortlich sein kann“, erläutert der Hauptautor des Berichts Johnny Reker von der European Environment Agency in einer Pressemitteilung. Trotz der Schließung vieler Anlagen und Technologien zur Reduzierung der Quecksilberemissionen verschmutzt Quecksilber aus Kohlekraftwerken weiterhin die Meere Europas. Solche Verunreinigungen verschwinden nicht einfach spurlos, wenn sie ins Meer gelangen, fügt der Experte hinzu.

Dioxin in der Ostsee sammelt sich dort in Fischen an

Außerdem wurde auch Dioxin in den Gewässern der Ostsee festgestellt, wo es sich besonders in fettem Fisch wie Lachs und Hering ansammelt. Schwangeren wird geraten, solche Nahrung am besten überhaupt nicht zu sich zu nehmen oder zumindest den Verzehr stark zu reduzieren, weil Dioxin beispielsweise das Wachstum einschränken, Krebs verursachen und das Immunsystem beeinträchtigen kann. Auch in Kunststoffen verwendete Phthalate, welche als endokrine Disruptoren wirken können, wurden bereits im Baltikum und im Atlantik gefunden. Unsere Meere werden täglich durch eine große Anzahl an Chemikalien und Schwermetallen verunreinigt, die Menschen sollten dringend Gegenmaßnahmen ergreifen, bevor es zu spät ist. (as)