Ständiges Nägelkauen kann Krebs-Tumore auslösen

Alfred Domke

Seltene Krebsform: Finger-Amputation nach Nägelkauen

Sich das Fingernägelkauen abzugewöhnen ist nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen anzuraten. Dies zeigt besonders ein Fall aus Australien. Dort hat das Fingernägelkauen bei einer jungen Frau eine seltene Form von Krebs ausgelöst. Ihr musste deshalb ein Finger amputiert werden.


Fingernägelkauen kann gefährlich werden

Fingernägelkauen ist weit verbreitet. Schätzungen zufolge knabbern bis zu 40 Prozent der Kinder und rund zehn Prozent der Erwachsenen immer wieder an den Nägeln. Häufig ist Stress der Grund dafür, dass die Finger automatisch zum Mund wandern und daran geknabbert wird. Manchmal sind es aber auch banale Ursachen wie Langweile. Die Ergebnisse des Nägelkauens sehen nicht nur unschön aus, sondern können auch schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Das musste auch eine junge Frau aus Großbritannien, die in Australien lebt, erfahren. Bei ihr löste das Nägelkauen eine seltene Form von Krebs aus.

Fingernägelkauen kann fatale Folgen haben. Das musste auch eine Frau in Australien erfahren, bei der sich dadurch ein seltenes Krebsleiden einstellte. (Bild: toa555/fotolia.com)

Seltenes Krebsleiden

Laut Medienberichten musste Courtney Whithorn der Daumen amputiert werden, nachdem sie an einem seltenen Krebsleiden erkrankt war.

Die Ursache für die Hautkrebserkrankung sei vermutlich ihre Angewohnheit gewesen, an den Nägeln zu kauen, schreibt die britische Zeitung „The Sun“.

Angefangen hat alles damit, dass die heute fast 20-Jährige in der Schule gemobbt wurde.

Patientin wurde in der Schule gemobbt

Laut der „Sun“ führte das Mobben in der Schule dazu, dass das Nägelkauen von Courtney Whithorn immer schlimmer wurde und sie sich 2014 ihren Daumennagel komplett abbiss.

Die junge Frau merkte zwar schnell, dass ein Teil ihres Daumens schwarz wurde, sie hielt dies jedoch rund vier Jahre vor ihrer Familie und ihren Freunden geheim.

„Meine Hand war ständig eine Faust, weil ich nicht wollte, dass sie jemand sah – nicht einmal meine Eltern“, so die Psychologiestudentin gegenüber der Zeitung.

„Ich kann gar nicht erklären, wie gehemmt ich war. Ich hatte immer falsche Nägel, um es zu verstecken, weil es so schwarz war.“ Schließlich suchte sie ärztlichen Rat.

Malignes Melanom diagnostiziert

„Ich ging zu meinem Hausarzt, weil meine Haut schwarz wurde, aber ich ging aus kosmetischen Gründen hin und er überwies mich an einen plastischen Chirurgen“, erklärte Courtney Whithorn, die ursprünglich aus Großbritannien stammt, vor neun Jahren aber nach Gold Coast, Australien, zog.

„Ich war bei zwei plastischen Chirurgen, die überlegten mein Nagelbett zu entfernen, um den schwarzen Teil zu entfernen und dann ein Hauttransplantat darüber platzieren, so dass es zumindest die gleiche Hautfarbe wäre – ich war damit glücklich“, so die junge Frau.

„Aber vor meiner ersten Operation, um das Nagelbett zu entfernen, konnten die Ärzte feststellen, dass etwas nicht stimmte, und entschieden sich für eine Biopsie.“

Sechs Wochen später wurde die Patientin zu einem Spezialisten in Sydney geschickt, da die Ärzte nicht eindeutig sagen konnten, ob die Biopsie auf Krebs hinweist oder nicht.

Dort konnte dann festgestellt werden, dass sich bei der der jungen Frau eine seltene Form von Hautkrebs, ein sogenanntes akrolentiginöses Melanom, entwickelt hatte.

„Sie haben mehr Tests gemacht und als diese Ergebnisse zurückkamen, wurde mir gesagt, dass es sich um ein malignes Melanom handelt, das es sehr selten gab, vor allem für jemanden in meinem Alter und in dieser Größe“, so die 20-Jährige.

Finger musste amputiert werden

Zwar wurden nach der nächsten Operation, bei der das Nagelbett des Daumens entfernt wurde, keine Krebszellen mehr gefunden, doch nur wenige Tage später erfuhr sie, dass die Spezialisten in Sydney für ihre Form des Melanoms eine Amputation empfahlen.

Bei einem weiteren Eingriff, bei dem weitere bösartige Zellen entfernt wurden, bestätigte ein Chirurg die Notwendigkeit einer Amputation.

„Ich ließ auch zwei Lymphknoten herausnehmen, um zu testen, ob sich der Krebs ausgebreitet hatte oder nicht“, so Courtney Whithorn. Doch dem war offenbar nicht so.

Vor wenigen Tagen wurde ihr der Daumen amputiert. Nun wartet die Studentin auf die Ergebnisse neuer Gewebeproben. Selbst wenn sie als „krebsfrei“ eingestuft werden sollte, muss sie für weitere fünf Jahre beobachtet werden, um auszuschließen, dass die Krankheit zurückkommt.

„Es gibt nicht genug Forschung, um zu sagen, wie hoch die Überlebensrate ist oder wie wahrscheinlich es ist, dass sie zurückkommt, weil – wir wissen einfach nicht viel darüber“, so die Patientin.

Patientin warnt vor Folgen durch Mobbing

Courtney Whithorn wendet sich nun an die Öffentlichkeit, um andere Menschen vor ähnlichen Erlebnissen zu bewahren.

„Ich möchte meine Geschichte mit Menschen teilen, die gemobbt werden, und mit Menschen, die Mobbing betreiben“, so Courtney Whithorn, deren Nägelkauen nach eigenen Angaben immer schlimmer wurde, als sie in der Schule gemobbt wurde.

„Ich hoffe, es würde sie dazu bringen, aufzuhören, was sie tun, oder jemandem den Mut geben, sich zu Wort zu melden und Hilfe zu holen oder seinen Eltern zu erzählen, was in der Schule passiert ist“, sagte die junge Frau.

„Ich wünschte nur, ich wäre damals so selbstbewusst und so offen gewesen, wie ich es jetzt bin.“ (ad)