Studie: Dieses Akne-Arzneimittel kann vor Schizophrenie schützen

Neuer Behandlungsansatz gegen Schizophrenie entdeckt

Amerikanische Forschende fanden kürzlich Beweise dafür, dass bestimmte Prozesse in der Gehirnentwicklung, die vorwiegend während der Pubertät ablaufen, bei Personen mit Schizophrenie übermäßig stattgefunden haben. Daraus entstehen strukturelle Anomalien im Gehirn, die unter Verdacht stehen, Schizophrenie auszulösen. Das Forschungsteam entdeckte ebenfalls, dass das Antibiotikum Minocyclin, welches häufig zur Behandlung bei Akne eingesetzt wird, vor den strukturellen Hirnveränderungen schützen kann.


Forschende des „Center for Genomic Medicine“ am „Massachusetts General Hospital“ fanden kürzlich neue Hinweise auf die bislang nicht ausreichend verstandenen Ursachen der Schizophrenie. Der Studie zufolge wird in der Phase des Erwachsenwerdens (Adoleszenz) das Gehirn umstrukturiert. Beim sogenannten synaptischen Pruning werden je nach erlebter Erfahrung bestimmte Nervenverbindungen verstärkt und andere gekappt. Laut dem Forschungsteam fand dieser Prozess bei Patienten mit Schizophrenie im Übermaß statt. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Nature Neuroscience“ veröffentlicht.

Neuste Forschungsergebnisse legen Nahe, dass ein gängiges Akne-Mittel das Gehirn vor einer Schizophrenie schützen kann. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

Was während der Adoleszenz im Gehirn passiert

Während der Pubertät finden im Gehirn massive Umbauprozesse statt. Während in der Kindheitsphase alle möglichen Nervenverbindungen aufgebaut werden, wird während der Adoleszenz nach dem Prinzip „Use it or lose it“ aussortiert. Dabei werden wenig genutzte Gehirnverbindungen gekappt und häufig verwendete stattdessen gestärkt. Auf diese Weise kann das Gehirn je nach Beanspruchung effizienter arbeiten. Dieser Prozess wird als synaptisches Pruning, also das Beschneiden der Synapsen, bezeichnet. Eine zentrale Rolle nehmen dabei angeborene Immunzellen, die sogenannten Mikroglia, ein, die den Prozess der Umstrukturierung steuern.

Was im Gehirn von Schizophrenen passiert

Die Forschenden um Studienleiter Roy Perlis stellten fest, dass diese Beschneidungen der Synapsen in den Gehirnen von Patienten mit Schizophrenie schneller und umfangreicher stattfinden. Dies legt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um die Ursache oder zumindest einen Teil der Ursache für die Entwicklung der Krankheit handelt. Da sich in der präklinischen Forschung bereits gezeigt hat, dass das Antibiotikum Minocyclin wirksam bei neurodegenerative Erkrankungen ist, haben die Forschenden in Modellversuchen untersucht, wie sich Minocyclin auf Nervenzellen in Gehirnen von Schizophrenie-Patienten auswirkt. Durch höhere Dosen konnte die übermäßige synaptische Beschneidung fast vollständig normalisiert werden.

Wirkungsweise bislang unbekannt

Minocyclin ist ein Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline und wird zur Vermehrungshemmung von verschiedenen Bakterien eingesetzt. Insbesondere zeigt es bei entzündlicher Akne gute Wirkung. Warum dieses Antibiotikum auch bei bestimmten neurodegenerativen Erkrankungen hilft und warum es sich auf die synaptische Beschneidung auswirkt ist bislang unklar.

Klinische Studie steht noch aus

„So ermutig wir von diesen ersten Ergebnissen sind, sie stellen erst den ersten Schritt dar“, berichtet Studienleiter Perlis, der auch Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School ist, in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Es gebe jedoch Grund zur Hoffnung, dass sich aus diesem Ansatz die erste Therapie zur Verhinderung der Schizophrenie entwickelt. (vb)