Tödliche Erkrankungen möglich: Viren und antibiotikaresistente Bakterien in Lebensmitteln

Viren und antibiotikaresistente Bakterien: Gefährliche Krankheitserreger in Lebensmitteln

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzen, dass weltweit jährlich rund zwei Millionen Menschen an Infektion sterben, die durch verunreinigte Nahrungsmittel und unreines Trinkwasser verursacht wurden. Auch in Deutschland lauern in vielen Lebensmitteln Keime. Manche davon können tödliche Erkrankungen verursachen.


Mikrobielle Risiken in Lebensmitteln

Eier-Rückrufaktionen wegen Salmonellen“, „Noroviren in Tiefkühl-Himbeeren nachgewiesen“, „Hepatitis-E-Infektionen durch Schweinefleisch“, „Antibiotikaresistente Keime im Grillfleisch“: Solche und ähnliche Schlagzeilen tauchen seit Jahren beinahe wöchentlich in den Medien auf. Doch wie gefährlich sind solche Keime? Experten beschäftigen sich nun mit den mikrobiellen Risiken in Lebensmitteln.

Die Zahl lebensmittelbedingter Krankheiten, die durch Viren und Bakterien verursacht werden, nimmt stetig zu. Häufig sind die Erreger im Fleisch zu finden. Manche der Keime können lebensgefährlich werden. (Bild: alain wacquier/fotolia.com)

Beunruhigte Bevölkerung

Pathogene Mikroorganismen gehören laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu den häufigsten Ursachen für lebensmittelbedingte Erkrankungen. Jedes Jahr verursachen sie mehr als 100.000 Erkrankungen in Deutschland – manche davon tödlich.

Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich im November 2018 zwei Symposien des BfR mit mikrobiellen Risiken in Lebensmitteln: „Lebensmittel-assoziierte Viren“ am 7. November und „Antibiotikaresistenz in der Lebensmittelkette“ am 8./9. November.

„Mikrobielle Risiken sind im öffentlichen Bewusstsein angekommen“, so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel in einer Presseinformation.

„Unsere aktuelle repräsentative Bevölkerungsumfrage, der BfR-Verbrauchermonitor, zeigt, dass 97 % der Befragten von Salmonellen in Lebensmitteln, bzw. 89 % von Antibiotikaresistenzen gehört haben“, erläutert der Experte.

Die Mehrheit der Befragten gibt demnach an, „dass sie diese Themen beunruhigen. Dabei ist jeder in der Lage, durch entsprechende Küchenhygiene das persönliche gesundheitliche Risiko zu minimieren.“

Mehr lebensmittelbedingte Krankheiten

Dem BfR zufolge nimmt die Zahl lebensmittelbedingter Krankheiten, die durch Viren verursacht werden, stetig zu. So wird beispielsweise immer häufiger Hepatitis E über Lebensmittel von infizierten Schweinen und Wildtieren übertragen.

Die Fälle lebensmittelbedingter Infektionen mit Noro- und Hepatitis A-Viren steigen ebenfalls. Um der wachsenden Bedeutung dieser Viren gerecht zu werden, wurde ein Europäisches Referenzlabor für durch Lebensmittel übertragbare Viren geschaffen.

Wenngleich sich die Nachweismethoden für Viren in Lebensmitteln in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, besteht immer noch umfangreicher Forschungsbedarf dazu, wie diese Erreger übertragen werden und welche Maßnahmen ihre Verbreitung verhindern können.

Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ist rückläufig

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung war in den letzten Jahren hierzulande stark rückläufig. Seit 2011 werden in Deutschland die Mengen antimikrobieller Tierarzneimittel erfasst, die an Tierärzte abgegeben werden.

Seither gehen diese Mengen kontinuierlich von 1.706 Tonnen im Jahr 2011 um 57 Prozent auf etwa 733 Tonnen im Jahr 2017 zurück, bei gleichzeitig weiter steigender Produktionsmenge von Fleisch.

Auch die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika nimmt bei Nutztieren in Deutschland ab, wie das Forschungsprojekt VetCAb (Veterinary Consumption of Antibiotics) des BfR zeigt.

Im gleichen Zeitraum gingen die Antibiotikaresistenzen bei einigen Bakterien in der Lebensmittelkette zurück.

Mastgeflügel als Quelle für resistente Keime

Eine Studie für den Zeitraum von 2009 bis 2016 zeigt, dass bei natürlich vorkommenden E. coli in Masthühnern und Puten der Anteil resistenter Keime gegen die Mehrzahl der in der Studie getesteten Antibiotika signifikant gesunken ist.

Vor allem Wirkstoffklassen, die in großen Mengen beziehungsweise häufig bei Nutztieren eingesetzt werden, zeigen sowohl bei den Verbrauchsmengen als auch bei den Resistenzraten von E. coli einen rückläufigen Trend.

Die Studie zeigt allerdings auch, dass in beiden Mastgeflügelketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen, so dass sie als Quelle für resistente Keime und deren Resistenzgene beim Menschen weiter von erheblicher Bedeutung sein können.

Keine Entwarnung besteht für die Antibiotikagruppe der Fluorchinolone. Gegen diese sind die Resistenzen bei einigen Bakterienarten in den letzten Jahren gestiegen.

Für sie gab es auch keine deutlich rückläufige Tendenz in der Therapiehäufigkeit. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen daher, diesen Trend zukünftig genau zu beobachten.

Resistenzen gegen Reserve-Wirkstoffe

Eine besondere Herausforderung für das Gesundheitswesen sind Resistenzen gegen sogenannte Reserve-Wirkstoffe. Diese werden in der Humanmedizin eingesetzt, wenn die Wirksamkeit anderer Antibiotika bereits ausgeschlossen wurde.

Ein bedeutender Vertreter aus der Reihe der Reserve-Wirkstoffe ist das Polypeptid-Antibiotikum Colistin. Aufgrund der Zunahme von Resistenzen gegen andere Substanzen wurde dieser Wirkstoff von der WHO in seiner Bedeutung hochgestuft.

Die Substanz gehörte jedoch bisher zu den am häufigsten eingesetzten Substanzen in der Tierhaltung. Auf Grund ihrer Bedeutung sind weltweite, koordinierte Maßnahmen nötig, um die Ausbreitung von Colistin-Resistenzen einzuschränken.

Dafür ist in der Zukunft eine restriktive Anwendung solcher Reserve-Wirkstoffe zwingend erforderlich. (ad)