Verpasst Deutschland den Anschluss ans digitale Gesundheitssystem?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Umfrage: Vertrauen am deutschen Gesundheitssystem sinkt

Eine große Umfrage zeigte kürzlich einen neuen Trend im Gesundheitswesen. Offenbar verlieren immer mehr Deutsche das Vertrauen in unser Gesundheitssystem. Dagegen steigt das Vertrauen in die Pharmaindustrie an. Experten sehen den Grund für den Vertrauensverlust in den fehlenden Neuerungen, die in anderen Ländern bereits Standard sind.


Das deutsche Gesundheitssystem liegt im internationalen Vergleich in puncto technologische Entwicklung weit zurück. Zu dieser Einschätzung kommt die führende Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Bereits zum fünften mal veröffentlicht die Gesellschaft das „Healthcare-Barometer 2019“, dass die Meinung der Deutschen zu unserem Gesundheitssystem repräsentieren soll.

Ärzte überlastet, Patienten unzufrieden. Umfrage zeigt ein sinkendes Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem. Experten sehen in der Digitalisierung eine Entlastung der Situation. (Bild: Lars Zahner/fotolia.com)

Wir kommen beim Thema E-Health kaum voran

„In anderen Ländern ist die elektronische Patientenakte, die zeitlich flexible Wertemessung per App oder die ortsunabhängige Behandlung per Video-Chat längst Wirklichkeit“, berichtet Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC in einer Pressemitteilung zu den Umfrageergebnissen. In Deutschland komme die digitale Technologie jedoch erst langsam bei den Patientinnen und Patienten an.

Nur jeder Dritte ist mit seinem Arztbesuch zufrieden

Dies spiegelt sich auch in der Umfrage wider. Nur noch 55 Prozent der Bürger zählen das deutsche Gesundheitssystem zu den drei besten der Welt. Vor zwei Jahren glaubten dies noch 64 Prozent. Auch die Besuche bei niedergelassenen Ärzten hinterlassen zunehmend Unzufriedenheit. Laut der Umfrage bemängeln vierzig Prozent der Einwohner, dass sich der Arzt zu wenig Zeit nimmt. Nur 33 Prozent sind mit den Arztbesuchen zufrieden.

Wunsch nach mehr Flexibilität

„Die Erwartungen an Zuwendung und Service sind deutlich gestiegen“, resümiert Burkhart. Dem stehe allerdings eine Zeitknappheit entgegen, die sich immer mehr zum zentralen Problem in unserem Gesundheitssystem entwickelt habe. Dies wirke sich zunehmend negativ auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient aus. Umso wichtiger sei es nun, dass Ärzte wieder mehr Wert auf den Faktor Mensch legen und gleichzeitig eine Entlastung bei Routineabläufen schaffen. Hierzu könne die digitale Technologie einen großen Beitrag leisten.

Flucht zur Pharmaindustrie?

Im Gegensatz zu dem sinkenden Ärzte-Vertrauen steht das gesteigerte Vertrauen in die Pharmaindustrie. Zwar betrachten 69 Prozent der Befragten die Pharmaindustrie eher als auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Unternehmen, dennoch schaffte es die Branche seit 2014 kontinuierlich ihr Image zu verbessern. Laut Michael Burkhart sind unter anderem die enormen Fortschritte in der Krebstherapie ein Grund für das gestiegene Vertrauen. Auch der Online-Handel mit Medikamenten boomt. Zwei Drittel der Befragten beziehen ihre Medikamente über das Internet. Hier seien die digitale Technologien längst angekommen, so Burkhart.

Zufriedenheit bei den gesetzlichen Krankenkassen

Die große Mehrheit der Befragten (86 Prozent) ist mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zufrieden. Dieser Wert stieg sogar um zwei Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Befragung an. „Vermutlich spiegelt sich in diesem Ergebnis die gute wirtschaftliche Lage der gesetzlichen Krankenkassen, die es ihnen erlaubt, auch Zusatzleistungen zu bewilligen“, so der PwC-Experte. Unterm Strich sei Deutschland immer noch ein Land mit medizinischer Versorgung auf sehr hohem Niveau, betont Burkhart. Die Umfrageergebnisse zeigen aber, dass es an der Zeit ist, dass neue Technologien flächendeckend greifen, damit sowohl Ärzte als auch Patienten entlastet werden. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.