Warum Insulin vor Darmkrebs schützt

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Studie: Insulinresistenz erhöht das Darmkrebs-Risiko

Deutsche Stoffwechselforschende entschlüsselten kürzlich den Zusammenhang zwischen Insulinresistenz und Darmkrebs und erklärten damit auch, warum Übergewicht Krebs auslösen kann. Während ihrer Studienarbeit entdeckte das Team eine bislang unbekannte Wirkungsweise von Insulin. Offenbar sind die Insulinsignalwege in der Darmschleimhaut für die Aufrechterhaltung der Darmbarriere verantwortlich. Insulin bildet so eine natürliche Schutzfunktion gegen Darmkrebs.


Forschende des Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung identifizierten eine neue Funktion von Insulin auf den Darm. Das Team konnte beweisen, dass der Insulinsignalweg im Darmepithel, also der äußersten Zellschicht im Darm, die Aufrechterhaltung der Darmbarriere gewährleistet. Diese Darmbarriere schützt den Darm maßgeblich vor dem Eindringen von entzündungsfördernden Bakterien, die Darmkrebs begünstigen. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Nature metabolism“ vorgestellt.

Forschende entdeckten kürzlich eine bislang unbekannte Funktion von Insulin, die maßgeblich zur Schutz des Darmes beiträgt. (Bild: Romario Ien/fotolia.com)

Unser Darm schützt sich wie ein Klettverschluss vor Eindringlingen

Wie das Forschungsteam berichtet, ist Insulin wichtig, um die natürliche Schutzfunktion des Darms vor Krankheitserregern aufrecht zu erhalten. Denn das Insulin aktiviert bestimmte Gene in der Darmschleimhaut, die für die Bildung sogenannter Desmosomen verantwortlich sind. Diese Zellstrukturen verknüpfen die Zellen der äußersten Darmschicht wie ein Klettverschluss und sorgen so dafür, dass keine Krankheitserreger eindringen können.

Warum die Darmschleimhaut so wichtig ist

„Über die Darmschleimhaut werden nicht nur Nährstoffe aufgenommen, sondern auch Krankheitserreger und Keime gelangen über das Essen in den Darm“, schreiben die Forschenden. Daher wirke die äußerste Zellschicht der Darmschleimhaut wie eine Barriere, um das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern. Die Zellen des Darmepithels seien mithilfe der Desmosomen so eng miteinander verbunden, dass keine Keime durchdringen können.

Insulinresistenz macht den Darm undicht

Wird diese Darmbarriere zerstört, haben Krankheitserreger freie Bahn und können starke Entzündungen auslösen, die die Entstehung von Darmkrebs begünstigen. „Bei übergewichtigen Mäusen, können wir den sogenannten ‚undichten Darm‘ beobachten“, erklärt Anna Lena Ostermann aus dem Forschungsteam in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Mäuse mit zerstörter Darmbarriere entwickelten häufiger Darmkrebs als ihre dünneren Artgenossen, so die Doktorandin.

Darum kann Übergewicht zu Darmkrebs führen

„Übergewicht fördert die Entstehung von Insulinresistenz und die Häufigkeit an Darmkrebs zu erkranken“, warnt das Max-Planck-Forschungsteam. Der Grund: Eine Folge von Übergewicht sei die Insulinresistenz. Liegt eine Resistenz vor, können die Insulinrezeptoren nicht mehr auf Insulin reagieren. Auch das Darmepithel besitze diese Insulinrezeptoren. Wenn diese Darmrezeptoren nicht mehr auf das Insulin reagieren, werden infolge keine schützenden Desmosomen mehr gebildet und die Darmschleimhaut wird durchlässig für Keime.

Insulin hat eine umfangreichere Funktion als bislang gedacht

„Das Hormon Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet, wenn in Folge von Nahrungsaufnahme der Blutzucker steigt, um den Zellen zu signalisieren diesen aufzunehmen“, erläutern die Max-Planck-Forschenden die bereits bekannte Funktion des Insulins. Doch warum wirkt Insulin auch auf die Darmschleimhaut, obwohl diese für die Nahrungsaufnahme nicht großartig relevant ist?

„Ohne den Insulinsignalweg kann der Körper nicht leben, weil die Zellen keinen Zucker aufnehmen können, der für die Energiegewinnung notwendig ist“, erklärt Forschungsleiter Thomas Wunderlich. Ebenso überlebenswichtig sei die Aufrechterhaltung der Darmbarriere. Wunderlich vermutet, dass deshalb diese beiden lebenswichtigen Prozesse an den gleichen Insulin-Signalweg geknüpft sind. (vb)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.