Warum Menschen auf Fußsohlen und Handflächen keine Haare haben

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Warum wachsen an Armen und Beinen Haare – aber nicht auf Handflächen und Fußsohlen

Warum haben Menschen Haare an Armen und Beinen, aber nicht an den Handflächen und den Fußsohlen? Forscher aus den USA sind bei der Beantwortung dieser Frage einen wesentlichen Schritt weiter gekommen. Die neuen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Behandlung von Haarausfall zu verbessern.


Männer sind häufiger betroffen als Frauen

Dass Haare ausfallen, ist ganz normal. Experten zufolge verliert der Mensch jeden Tag bis zu 100 Haare. Wachsen diese nicht wieder nach, spricht man von permanentem Haarausfall. Zu den häufigsten Formen zählt dabei Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata). Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Für Betroffene ist es meist schwierig oder unmöglich, den Haarausfall zu stoppen. Wissenschaftler sind daher ständig auf der Suche nach neuen Therapien, die bei Haarausfall helfen sollen. Forscher aus den USA haben dazu nun neue Erkenntnisse gewonnen.

Menschen haben zwar Haare an den Beinen und Armen, aber nicht an den Fußsohlen und Handflächen. US-amerikanische Forscher haben nun neue Erkenntnisse dazu gewonnen, warum das so ist. (Bild: ARochau/fotolia.com)

Grundlegende Frage der menschlichen Evolution

Warum haben Menschen Haare an Armen und Beinen, jedoch nicht an den Handflächen und den Fußsohlen?

Forscher der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania in Philadelphia haben laut eigenen Angaben nun neue Hinweise auf die Beantwortung dieser grundlegenden Frage der menschlichen Evolution gefunden.

Ihre im Fachmagazin „Cell Reports“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen das Vorhandensein eines natürlich vorkommenden Hemmstoffs, der bei der Entwicklung haarloser Haut eine Rolle.

Dieser blockiert einen Signalweg, der als Wnt-Weg bekannt ist und das Haarwachstum steuert.

Tests an Mäusen

„Wir wissen, dass Wnt-Signale für die Entwicklung von Haarfollikeln entscheidend sind. Das Blockieren verursacht haarlose Haut und das Einschalten bewirkt mehr Haarbildung“, erklärte Studienautorin Sarah El Millar in einer Mitteilung.

„In dieser Studie haben wir gezeigt, dass die Haut in haarlosen Regionen auf natürliche Weise einen Inhibitor produziert, der Wnt daran hindert, seine Arbeit zu erledigen.“

Bei diesem Inhibitor (Hemmstoff) handelt es sich um ein Protein mit der Bezeichnung Dickkopf 2 (DKK2). Dieses kommt in bestimmten embryonalen und adulten Geweben vor, wo es verschiedene Rollen spielt.

Die Forscher testeten plantare Haut von Mäusen – ungefähr das Äquivalent der Unterseite des menschlichen Handgelenks – und fanden heraus, dass DKK2 in hoher Konzentration vorkommt.

Als das Protein genetisch entfernt wurde, begannen die Haare in dieser normalerweise haarlosen Hautregion zu wachsen.

„Das ist von Bedeutung, weil Wnt in haarlosen Regionen immer noch vorhanden ist. Es wird nur blockiert“, so die Studienautorin.

Manche Säugetiere entwickeln auf ihrer Plantarhaut Haare

Einige Säugetiere wie Kaninchen und Eisbären haben auf ihrer Plantarhaut Haare. Die Forschergruppe von Millar fand heraus, dass DKK2 bei diesen Tieren im Gegensatz zu Mäusen kaum aktiv ist. Dies erklärt, warum sich dort Haare entwickeln können.

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Produktion von DKK2 in bestimmten Hautregionen während der Evolution verändert wurde, um unterschiedliche Muster haarloser oder haariger Haut je nach den Bedürfnissen des Tieres zu bilden.

Möglicher Therapieansatz gegen Haarausfall

Haarfollikel entwickeln sich im fötalen Leben, aber ihre Produktion hört nach der Geburt auf. Infolgedessen wachsen Haarfollikel nach schweren Verbrennungen oder tiefen Wunden in der Haut nicht nach.

Nach Angaben der American Academy of Dermatology haben mehr als 80 Millionen Menschen in Amerika eine androgenetische Alopezie, die auch als Glatze bezeichnet wird.

Durch genomweite Assoziationsstudien wurde DKK2 als mögliches Kandidatengen identifiziert, das mit dieser Erkrankung in Verbindung steht, was auf ein potenzielles therapeutisches Ziel schließen lässt.

„Wir hoffen, dass unsere Untersuchungen neue Wege aufzeigen werden, um die Wundheilung und das Haarwachstum zu verbessern, und wir beabsichtigen, diese Ziele weiter voranzutreiben“, sagte Millar. (ad)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.