Was tun, wenn das Kind einen Fieberkrampf hat?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diese Punkte sollten Eltern bei Fieberkrämpfen beachten

Kinder leiden relativ häufig unter Fieber und nicht selten erreicht dies bedenkliche Höhen. Ein besonders erschreckendes Erlebnis für Eltern sind dabei sogenannte Fieberkrämpfe, die laut Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) circa zwei bis fünf Prozent der Kinder mindestens einmal betreffen. Typisch sei ein Auftreten im Alter zwischen einem halben Jahr und fünf Jahren. Wie Eltern richtig reagieren, erläutert Dr. Ulrich Fegeler in einer aktuellen Pressemitteilung des BVKJ.


Laut Dr. Fegeler dauert ein Fieberkrampf meist nur Sekunden bis Minuten. Betroffene Kinder verdrehen dabei die Augen, verlieren das Bewusstsein und spannen den ganzen Körper an, beginnen zu zucken oder ihr Körper erschlafft, so der Kinder- und Jugendarzt weiter. Ihre Hautfarbe werde blass und der Bereich um die Lippen könne sich blau färben. „Beobachten Eltern solch einen Anfall zum ersten Mal, kann er sehr bedrohlich wirken“, betont der Experte. Dennoch gelte es Ruhe zu bewahren und umgehend den Notarzt unter der Nummer 112 zu verständigen. Zudem hat der Experte einige weitere Tipps dazu, welche Maßnahmen zu beachten und welche dringend zu unterlassen sind.

Fieberkrämpfe beim Kind wirken äußerst bedrohlich, gehen jedoch meist nicht auf eine ernstehafte Erkrankung zurück. (Bild: ladysuzi/fotolia.de)

Meist drohen bei Fieberkrämpfen keine gesundheitlichen Folgen

Der BVKJ-Experte erläutert, dass es sich in der Regel um sogenannte einfache Fieberkrämpfe handelt, die bei kleinen Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auftreten. Der Fieberkrampf dauere meist nur einige Sekunden bis maximal 15 Minuten und nach ein bis zwei Stunden habe sich ein Kind in der Regel völlig von dem Ereignis erholt. Solche Fieberkrämpfe bleiben laut Dr. Fegeler für die kleinen Patienten ohne gesundheitliche oder sonstige Folgen.

Komplizierte Fieberkrämpfe
Im Kontrast dazu stehen sogenannte komplizierte Fieberkrämpfe, die sehr viel seltener sind und auch schon bei Kindern im Alter unter sechs Monaten oder bei Kindern im Alter über fünf Jahre auftreten können. Die Krämpfe dauern häufig länger als 15 Minuten und Betroffene unterliegen einem erhöhten Risiko weiterer gesundheitlicher Beschwerden.

Ursachen der Fieberkrämpfe

Erst oberhalb einer Körpertemperatur von 38 Grad Celsius drohen laut Angaben des BVKJ Fieberkrämpfe und die Geschwindigkeit des Temperaturanstieges scheine bei deren Auftreten ebenfalls eine Rolle zu spielen. Mitunter seien die Krämpfe allerdings auch beim Fieberabfall zu verzeichnen. Als Ursache der einfachen Fieberkrämpfe seien vor allem virusbedingte Magen-Darm-Infekte oder Infekte der oberen Luftwege zu nennen. Jedoch könne es „auch bei der echten Grippe (Influenza) oder dem sogenannten 3-Tage-Fieber (Humanes Herpesvirus Typ 6)“ zu Fieberkrämpfen kommen.

Nur sehr selten ernste Erkrankungen die Ursache

Sehr selten sind laut Aussage des Experten Fieberkrämpfe bis zu 24 Stunden nach der ersten oder zweiten Sechsfachimpfung zu beobachten sowie nach der ersten Masern-Mumps-Röteln-Impfung (nach etwa 8 bis 14 Tagen). Zudem können Fieberkrämpfe in manchen Familien gehäuft auftreten, was für eine genetische Veranlagung spreche. Nur in äußerst seltenen Fällen stecke eine ernstere Erkrankung wie eine Hirnhautentzündung hinter den Fieberkrämpfen. „Bei zwei von drei Kindern bleibt der Fieberkrampf ein einmaliges Ereignis“, so Dr. Fegeler.

Notfallmedikament und deren Gebrauch

Insbesondere, wenn Fieberkrämpfe in der Familie bekannt sind, kann es ratsam sein, den Eltern ein Notfallmedikament mitzugeben und ihnen dessen Gebrauch zu erklären, betont Dr. Fegeler. Allerdings müsse den Eltern auch erläutert werden, dass eine frühe Fiebersenkung das Wiederholungsrisiko für einen weiteren Fieberkrampf nicht senkt. Diesen Punkt gelte es ausführlich zu besprechen, um ein zwanghaftes Messen der Körpertemperatur und eine „Übertherapie“ mit fiebersenkenden Präparaten zu vermeiden. Ist der Anfall vorüber, gelte es das Kind in die stabile Seitenlage zu bringen, so dass Speichel und gegebenenfalls Erbrochenes nicht die Atemwege blockieren können. „Keinesfalls dürfen sie das Kind schütteln,“ so die eindringliche Warnung von Dr. Fegeler.

Immer ärztliche Kontrollen erforderlich

Angesichts des Risikos schwerer Erkrankungen muss ein Kind nach einem Fieberkrampf immer ärztlich untersucht werden und grundsätzlich sollte ein Kind im Alter bis etwa anderthalb Jahre nach Erstauftreten eines Fieberkrampfes stationär behandelt werden, betont der Experte. Wichtige Faktoren für die ärztliche Bewertung seien, wie lange der Anfall gedauert hat und welche Körperteile, in welcher Reihenfolge betroffen waren. (fp)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.