Narzisstische Persönlichkeitsstörungen können weitreichenden Einfluss auf die Zufriedenheit in Beziehungen haben, wobei die Zusammenhänge laut einer neuen Studie offenbar komplexer sind, als bisher angenommen.
Forschende der Michigan State University haben den Einfluss von narzisstischer Bewunderung und narzisstischer Rivalität, zwei wesentlichen Merkmalen narzisstischer Persönlichkeitsstörung, auf die Zufriedenheit in Beziehungen untersucht. Die Ergebnisse sind in dem „Journal of Personality“ veröffentlicht.
Narzissmus kann Beziehungen belasten
Während narzisstische Persönlichkeitsstörungen am Anfang einer Beziehung durchaus mit einer verstärkten Bindung bzw. Anziehung in Zusammenhang gebracht werden, sind sie langfristig für die Partnerinnen und Partner oftmals sehr belastend, erläutern die Forschenden.
Daher versuchten die Fachleute nun anhand der Daten von 5.869 Paarbeziehungen die langfristigen Auswirkungen der narzisstischen Bewunderung und der narzisstischen Rivalität auf die Beziehungszufriedenheit zu ermitteln.
Narzisstische Bewunderung & Rivalität
„Narzissten haben zwei verschiedene Wege, ihr übersteigertes positives Selbstbild aufrechtzuerhalten. Sie können sich aufblähen, indem sie versuchen, andere zu beeindrucken (narzisstische Bewunderung), oder sie können andere herabsetzen, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren (narzisstische Rivalität)“, erläutert die Studienautorin Prof. Gwendolyn Seidman.
Anhand verschiedener Fragebögen ermittelte das Team diese narzisstischen Merkmal der Teilnehmenden und ihre Beziehungszufriedenheit über einen Zeitraum von sechs Jahren. Eine Teilstichprobe von 533 Paarbeziehungen befand sich dabei zu Studienbeginn im ersten Jahr der Beziehung.
Langfristige Auswirkungen auf Beziehungszufriedenheit
Die Datenauswertung ergab, dass narzisstische Rivalitätsmerkmale eindeutig mit einer geringeren Beziehungszufriedenheit beider Personen in der Partnerschaft verbunden waren, allerdings nicht bei den Teilnehmenden, die erst ein Jahr ihre Beziehung führten, berichtet das Team.
Zudem habe die narzisstische Bewunderung keinen signifikanten Zusammenhang mit der Beziehungszufriedenheit gezeigt, was im Gegensatz zu früheren Forschungsergebnisse stehe. Auch seien die Auswirkungen auf die Beziehung bei stärkerer Ausprägungen der Narzissmus-Merkmale nicht weiter gestiegen.
Differntiierte Betrachtung erforderlich
„Oft wird angenommen, dass Narzissten anfangs charmant sind, ihre Beziehungen aber mit der Zeit schädigen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Realität komplexer sein könnte“, fast Prof. Seidman zusammen.
Vielleicht gebe es einen Wendepunkt in der Beziehung, an dem sich die Dinge ändern und die Zufriedenheit rapide sinkt, oder möglicherweise dauere die „Flitterwochenphase“ bei narzisstischen Personen länger.
Auch bestehe die Möglichkeit, dass sich die Folgen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung nicht direkt in der allgemeinen Beziehungszufriedenheit widerspiegeln und dass beispielsweise das Selbstwertgefühl der Partnerinnen und Partner erst allmählich untergraben werde.
Insgesamt verdeutliche die Studie, dass die langfristigen Auswirkungen von Narzissmus auf die Beziehungen differenzierter sind, als bisher angenommen, und dass kein direkter linearer Zusammenhang zwischen stärkeren Ausprägungen der narzisstische Merkmale und einer geringeren Beziehungszufriedenheit besteht. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Michigan State University: Study finds narcissism and relationship satisfaction is more complex than expected (veröffentlicht 03.04.2026), msu.edu
- Gwendolyn Seidman, William J. Chopik: From Spark to Strain? Changes in Relationship Satisfaction as a Function of Narcissistic Admiration and Rivalry; Journal of Personality (veröffentlicht 26.03.2026), onlinelibrary.wiley.com
Wichtiger Hinweis:
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