Winter-Babys haben ein gesteigertes Risiko für psychische Störungen

Baby weint in den Händen seiner Mutter

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Warum psychische Störungen bei im Winter geborenen Menschen häufiger auftreten

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass der Geburtszeitpunkt die spätere Gesundheit beeinflusst. Neue Forschungen könnten nun erklären, warum Babys, die im Winter geboren werden, ein höheres Risiko haben, psychische Störungen zu entwickeln.


Geburtsmonat hat Einfluss auf die Gesundheit

Dass der Geburtsmonat Einfluss auf unser späteres Leben hat, ist lange bekannt. So zeigte sich in Untersuchungen, dass im Sommer geborene Kinder später in die Pubertät kommen und gesünder sind als andere. Im Winter geborene Menschen hingegen haben ein höheres Risiko, psychische Störungen zu entwickeln. Neue Forschungen könnten nun erklären, warum das so ist.

Baby weint in den Händen seiner Mutter
Die Erkenntnisse einer neuen Studie könnten erklären, warum Babys, die im Winter geboren werden, ein höheres Risiko haben, psychische Störungen zu entwickeln. (Bild: lisalucia/fotolia.com)

Höherer Cortisolspiegel

Laut einer neuen Studie von Forschern der Universität Cardiff sind die Level des Stresshormons Cortisol bei Frauen, die im Herbst und Winter gebären, höher als bei Frauen, die im Frühling oder Sommer gebären.

Die neuen Erkenntnisse könnten erklären, warum psychische Störungen bei Menschen, die im Winter geboren werden, häufiger auftreten.

„Obwohl der mütterliche Cortisolspiegel während der Schwangerschaft auf natürliche Weise ansteigt, zeigen unsere Daten, dass Herbst- und Winterbabys kurz vor ihrer Geburt besonders hohen Levels ausgesetzt sind“, erklärte Professor Ros John von der School of Biosciences der Cardiff University in einer Mitteilung.

Den Angaben zufolge hatten Frauen, die im Herbst / Winter ein Baby bekamen, kurz vor der Entbindung im Durchschnitt 20 Prozent mehr Speichel-Cortisol als Frauen, die im Frühjahr / Sommer ein Kind zur Welt brachten.

„Da ein höherer Cortisolspiegel bei schwangeren Frauen zuvor mit einem höheren Risiko für Kinder verbunden war, psychische Störungen zu entwickeln, könnten die neuen Erkenntnisse erklären, warum diese Störungen bei Menschen, die in den Wintermonaten geboren wurden, häufiger auftreten“, so John.

„Sie erklären jedoch nicht, warum Frauen, die im Winter oder Herbst geboren werden, über einen höheren Cortisolspiegel verfügen.“

Wie sich Jahreszeiten auf die Stimmung auswirken

Dass sich saisonale Veränderungen auf die Stimmung und das Verhalten in der Allgemeinbevölkerung auswirken, ist lange bekannt.

Weit weniger bekannt ist jedoch, wie sich die Jahreszeiten auf die Stimmung während der Schwangerschaft auswirken können.

Die Wissenschaftler der Universität Cardiff untersuchten anhand von Daten aus der Langzeitstudie „Grown in Wales“ den Zusammenhang zwischen Jahreszeiten und Speichel-Cortisol-Konzentrationen, Depressions- und Angstsymptomen, Geburts- und Plazentagewicht bei schwangeren Frauen in Südwales.

Während das Team einen Zusammenhang zwischen der Jahreszeit und den Konzentrationen des Speichelcortisols zu einem bestimmten Zeitpunkt feststellte, fand es keinen Zusammenhang zwischen der Jahreszeit und den von Müttern berichteten Symptomen der psychischen Gesundheit, dem Geburtsgewicht oder dem Plazentagewicht.

Die Studie umfasste 316 Frauen. Die Daten wurden zum Zeitpunkt der präoperativen Untersuchung vor einem geplanten Kaiserschnitt und unmittelbar nach der Geburt durch einen ausführlichen Fragebogen und Notizen gesammelt, die von einer Hebamme aufgezeichnet wurden.

Cortisol wurde aus Speichelproben der Mutter gewonnen.

Die Studie wurde im Fachmagazin „Psychoneuroendocrinology“ veröffentlicht.

Durch Folsäure geringeres Risiko auf schwere psychische Erkrankungen

Die Häufigkeit schwerer psychischer Erkrankungen wie Schizophrenie im jungen Erwachsenenalter wird durch die Folsäureexposition verringert werden können. Bei einem Vergleich von Jugendlichen Gehirnen, die kurz vor und kurz nach der Einführung der Folsäure-Anreicherung geboren sind, wurden Veränderungen in der Gehirnentwicklung festgestellt, die mit der Folsäure in Verbindung gebracht werden. Diese Veränderungen könnten wiederum das Risiko für psychische Symptome reduzieren.(ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Cardiff University: New research could explain why babies born during winter are at higher risk of developing mental health disorders, (Abruf: 05.08.2019), Cardiff University
  • Psychoneuroendocrinology: Seasonal variation in salivary cortisol but not symptoms of depression and trait anxiety in pregnant women undergoing an elective caesarean section, (Abruf: 05.08.2019), Psychoneuroendocrinology