Rollkur für Magen und Darm

Susanne Waschke
Die Rollkur ist ein uraltes Hausmittel, das aktuell wieder sehr modern geworden ist. Die Vorsilbe „Roll“ kommt daher, dass sich die Ausführenden während der Anwendung nach vorgegebener Zeit hin und her rollen beziehungsweise sich auf die andere Seite drehen. Die Nachsilbe „Kur“ bedeutet, dass dieses Hausmittel über einen gewissen Zeitraum hinweg regelmäßig zur Anwendung kommen soll. Die Rollkur wird mit Kamillentee, Leinsamen oder Süßholzwurzel durchgeführt.

  • Insbesondere gegen Magenschleimhautentzündungen, aber auch gegen andere Magen-Darm-Beschwerden hat sich die Rollkur als Hausmittel bewährt.
  • Die Rollkur wird stets nach einem bestimmten Ablauf durchgeführt und kann bis zu vier Wochen Anwendung finden.
  • Meist werden Kamillentee, Leinsamen oder Süßholzwurzel für die Kur eingesetzt.

Die echte Kamille

Früher wurde Kamillentee praktisch als normales Getränk beispielsweise zum Abendessen getrunken, ohne sich der Wirkung dieser Pflanze richtig bewusst zu sein. Auch in Krankenhäusern wird der Tee heute den Patienten angeboten, ohne weiter darauf zu achten, was die Kamille eigentlich kann. Sie wirkt entkrampfend und entblähend. Auf Schleimhäuten entfaltet sie ihre antientzündliche, antimikrobielle und reizmildernde Wirkung.

Die Rollkur ist inbesondere bei Magen-Darm-Beschwerden ein vielfach bewährtes Hausmittel. Sie beginnt stets in der Rückenlage. (Bild: fizkes/fotolia.com)

Innerlich wird die Kamille gerne bei Gastritiden (Magenschleimhautentzündungen) und Enteritiden (Darmentzündungen) angewandt. Bei der Einnahme ist allerdings zu beachten, dass diese nicht länger als sechs Wochen durchgehend erfolgen darf. Die eigentlich positive Wirkung könnte sich ins Gegenteil wandeln.

Leinsamen

Leinsamen sind als Anwendung bei Verstopfung bekannt. Hierbei regt ihr Quellvermögen die Darmperistaltik an. Der Leinsamenschleim hilft aber auch bei akuten Magenschleimhaut– und Darmentzündungen. Dieser legt sich wie ein Schutzschild auf die Schleimhäute, bindet Bakterientoxine und entfaltet dort seine antientzündliche Wirkung.

Die Süßholzwurzel

Jede/r kennt Lakritze – gewonnen wird diese aus dem Saft der getrockneter Süßholzwurzeln. Die Süßholzwurzel wirkt antientzündlich, entkrampfend und schützt die Schleimhäute. Hilfreich ist deren Anwendung bei Magenschleimhautentzündungen und auch bei Geschwürbildung im Magen und Dünndarm. Da diese Pflanze eine mineralokortikoidartige Wirkung besitzt, darf sie, vor allem über einen längeren Zeitraum hinweg, nicht von Personen angewandt werden, die unter Kaliummangel, Bluthochdruck oder an Ödemen leiden. Des Weiteren sollten Schwangere, Patienten mit Lebererkrankungen oder schwerer Nierenfunktionsstörungen Süßholzwurzel nicht einnehmen.

Wann eine Rollkur angezeigt ist

Wiederkehrende Magenschmerzen, ein brennendes Gefühl im Magen, Übelkeit, allgemeines Unwohlsein und eventuell auch Erbrechen – dahinter könnte sich eine Magenschleimhautentzündung verbergen. Bei genannten Symptomen, gerade wenn diese schon länger bestehen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Bei einer Gastritis werden verschiedene Arten unterschieden – dies kann jedoch nur durch eine genaue, ausführliche Untersuchung festgestellt werden.

Auch wenn der Arzt meist Medikamente verordnet – als Hausmittel ist die Rollkur ein gutes, hilfreiches Beiwerk, um dem Magen zu helfen. Vor allem dann, wenn Bettruhe angezeigt ist, kann diese Kur bestens zum Einsatz kommen.

Häufig entstehen Magenprobleme durch Ernährungsfehler. Zu hastiges Essen, stark gewürzte Speisen, Kaffee, Nikotin, Alkohol – aber auch Stress und Hektik können auf den Magen schlagen. Hier wirkt die Rollkur beruhigend auf den Magen und tut einfach gut.

Jede Position sollte für zehn Minuten gehalten werden und zuletzt wird bei der Rollkur versucht, auch in Bauchlage zehn Minuten zu verweilen. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Ablauf der Kur

Die Rollkur wird am besten jeden morgen, bis zu vier Wochen lang, durchgeführt und zwar stets nach dem gleichen Ablaufprinzip, welches unabhängig davon ist, ob Sie die Kur mit Kamillentee, Leinsamen oder Süßholzwurzeltee durchführen.

  • Legen sich ganz entspannt und gemütlich auf den Rücken – Decke nicht vergessen – und bleiben Sie dort für zehn Minuten liegen.
  • Danach „rollen“ Sie auf die rechte Seite – wieder zehn Minuten liegen bleiben.
  • Anschließend auf die linke Seite rollen und wieder zehn Minuten die Position halten.
  • Zum Schluss versuchen Sie noch zehn Minuten auf dem Bauch zu liegen.
  • Dem ganzen folgt eine halbe Stunde Ruhepause.

Sie werden jetzt denken „so viel Zeit habe ich morgens nicht“. Diese Zeitangaben beruhen jedoch auf dem Anspruch, dass die komplette Schleimhaut des Magens benetzt werden soll, damit die Kur auch wirklich hilft. Wichtig ist zudem, sich während der ganzen Zeit warm zu halten. In der Ruhepause legen Sie sich am besten einen feuchtwarmen Wickel auf den Bauch und darüber noch eine Wärmflasche.

Wenn Sie morgens keine Zeit für diese Anwendung haben, dann führen Sie das Ganze doch am Abend durch. Wichtig ist hierbei lediglich, dass die letzte Mahlzeit schon ein paar Stunden zurückliegt.

Rollkur mit Kamillentee

Für den Kamillentee werden zwei Esslöffel getrocknete Kamillenblüten mit einem Liter kochendem Wasser überbrüht. Nach zehn Minuten ist der Tee fertig und wird zum Warmhalten in eine Thermoskanne gefüllt. Um die Wirkung des Kamillentees noch zu unterstützen, können einige Tropfen Kamillentinktur (bis zu 20 Tropfen) mit in die Kanne gegeben werden. Dies muss jedoch nicht sein. Probieren Sie aus, was Ihnen am besten liegt. Trinken Sie morgens nüchtern zwei Tassen des Tees und dann kann die Kur beginnen. Den Rest des Tees trinken Sie mittags, nachmittags und abends vor dem Schlafen.

Rollkur mit Leinsamen

Die Schleimstoffe im Leinsamen können den gereizten Magen beruhigen. Der Leinsamen muss allerdings ein wenig für die Kur vorbereitet werden. Geben Sie hierfür drei Esslöffel ganze Leinsamen in ein großes Glas, füllen dies mit warmem Wasser auf und lassen Sie es an einem warmen Ort stehen. Der Leinsamen setzt sich mit der Zeit am Boden ab und das Wasser wird trüb und schleimig. Das Ganze dauert circa vier bis sechs Stunden. Anschließend das Wasser abgießen und die Rollkur kann beginnen. Am Morgen wird die Flüssigkeit schlückchenweise auf nüchternen Magen getrunken und wie oben bei „Ablauf der Kur“ beschrieben, die Rollkur durchgeführt. Der Schleim des Leinsamen kann auch mit Kamillentee vermischt werden.

Neben Kamillentee und Leinsamen bietet sich auch die Süßholzwurzel zur Durchführung einer Rollkur an. (Bild: oxie99/fotolia.com)

Rollkur mit Süßholzwurzel

Wer weder Kamille noch Leinsamen mag, kann die Rollkur mit Süßholzwurzel durchführen, vorausgesetzt, dass die oben genannten Kontraindikationen nicht vorliegen. Für den Süßholztee wird ein gehäufter Teelöffel Süßholzwurzel mit 150 ml kochendem Wasser übergossen. Nach einer Ziehzeit von circa acht bis zehn Minuten ist der Tee fertig. Trinken Sie die Tasse in kleinen Schlucken und los geht’s mit der Rollkur. (siehe „Ablauf der Kur“). Zusätzlich werden ein bis zwei Tassen Tee am Tag, nach den Mahlzeiten, empfohlen. Der Süßholztee sollte auf keinen Fall länger als vier Wochen lang getrunken werden.

Allgemeine Tipps

Wenn Sie sich für die Rollkur entschieden haben, sollten Sie während dieser Zeit auch auf andere Dinge achten wie

  • gesunde, schonende Kost,
  • sich ausreichend Zeit fürs Essen nehmen und lange genug kauen,
  • Alkohol meiden,
  • auf scharfe Gewürze verzichten,
  • Kaffee meiden oder zumindest nicht auf nüchternen Magen trinken,
  • nach den Mahlzeiten nicht gleich hinlegen, sondern den Oberkörper circa zwanzig Minuten hoch lagern.

Da Magenprobleme häufig mit Stress und Hektik gepaart sind, helfen außerdem Entspannungsverfahren, wie Yoga, Mediation, Autogenes Training, Atemübungen und Progressive Muskelrelaxation. (sw)