Lymphknotenkrebs – Ursachen, Therapie und Symptome

Dr. Utz Anhalt
Der britische Arzt Thomas Hodgkin (1798 – 1866) beschrieb als erster Tumore im lymphatischen System, die nach ihm Morbus Hodgkin heißen. Häufig wird das Beschwerdebild auch als Lymphknotenkrebs bezeichnet.

Das lymphatische System

Lymphknoten, Milz, Mandeln und das Lymphgewebe im Darm bilden das lymphatische System. Der Organismus braucht dieses System, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Das lymphatische System bildet eigene Zellen, die so genannten Lymphozyten.

Beim Morbus Hodgkin handelt es sich um einen bösartigen Tumor des Lymphsystems (malignes Lymphom). (Bild: magele-picture/fotolia.com)

Die Lymphgefäße durchziehen den Körper und transportieren Flüssigkeit in das Blut. Die Lymphknoten fungieren als Filter, um Bakterien, Viren und Tumorzellen von lebenswichtigen Organen fernzuhalten. Meist sind sie bei Morbus Hodgkin als erstes befallen. Später greift der Krebs dann auch auf die Milz über und letztlich aus Organe, die nicht zum Lymphsystem gehören.

Ursachen von Morbus Hodgkin

Hodgkin erkannte zwar die Krankheit, doch erst in jüngster Zeit entdeckte die Wissenschaft, dass die Tumore aus entarteten B-Lymphozyten entsteht. Auch das Epstein-Barr-Viurs, das das Pfeiffersche Drüsenfieber auslöst, scheint eine Rolle zu spielen. Drei von 100.00 Menschen erkranken am „Lymphknotenkrebs“, circa genau so viele Männer wie Frauen.

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Die genauen Ursachen liegen nach wie vor im Dunkeln. 60% der Tumore sitzen im Halsbereich, 30 % im Brustkorb, 20 % in der Achselhöhle, 15 % in der Leistenbeuge und 15 % im Bauchraum. Oft treten Tumore in verschiedenen Körperregionen gleichzeitig auf.

Symptome

Tumore an den Lymphknoten im Brustkorb führen zu extremem Reizhusten. Sitzt der Krebs an Lymphknoten im Bauch, zeigt sich das an unspezifischen Symptomen wie Schmerzen, Druck oder Durchfall. Ein Alleinstellungsmerkmal von Morbus Hodgkin ist der Alkoholschmerz: Die von Tumoren heimgesuchten Lymphknoten schmerzen, wenn die Betroffenen Alkohol trinken.

Häufig treten Begleitbeschwerden wie Fieber, Nachtschweiß und ein allgemeines Schwächegefühl auf. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)

Nicht immer, aber bei ungefähr jedem dritten Patienten treten folgende Symptome auf:

  • Wiederkehrendes Fieber, das längere Zeit anhält und am späten Nachmittag am höchsten ist
  • Starker Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache
  • Allgemeines Schwächegefühl
  • Juckreiz
  • Nachtschweiß

Außer dem Alkoholschmerz tritt keines dieser Symptome ausschließlich bei Morbus Hodgkin auf. Im Gegenteil: Diese unspezifischen Symptome können nicht nur eine Vielzahl von Krebserkrankungen anzeigen, sondern auch andere ernste und harmlose Ursachen haben – von Allergien (Juckreiz) über Depression (Schwächegefühl) bis zu Darmentzündungen (Gewichtsverlust). Sie sollten also unbedingt zum Arzt gehen, um die Symptome abzuklären. Ob es sich um ein Lymphkarzinom handelt, lässt sich nur mit Laboranalyse der Lymphknoten feststellen.

Nehmen Sie diese Symptome nicht auf die leichte Schulter, denn es handelt sich um Krebs, und auch diese Form des Krebses verläuft unbehandelt fast immer tödlich. Umgekehrt gilt aber: Morbus Hodgkin ist eine der Tumorerkrankungen, die am besten heilbar ist – solang sie früh erkannt wird. Haben sich die Tumore nämlich erst an einzelnen Lymphknoten gebildet, ist die Chance groß, dass kein weiterer Krebsherd entsteht, wenn die befallenen Stellen heraus operiert werden.

Morbus Hodgkin früh erkennen

Bei jedem Krebs ist die Chance, ihn zu heilen, umso größer, je früher Ärzte ihn erkennen. Wie andere bösartige Tumore auch, lässt sich Morbus Hodgkin aber in einem frühen Stadium nur schwer feststellen, denn die befallenen Lymphknoten schwellen zwar an, verursachen aber gewöhnlich keine Schmerzen.

Zudem schwellen die Lymphknoten auch bei anderen Krankheiten, vor allem bei Virusinfektionen. Ein Hinweis ist die Dauer der Symptome. Halten diese länger als zwei Wochen an, dann ist das für einen Virus ungewöhnlich. Gehen Sie also zum Arzt und fragen Sie, ob es sich um Tumore an den Lymphen handeln könnte.

Hält eine Lymphknotenschwellung länger als zwei Wochen an, sollte zur Abklärung der Symptomatik auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Patienten berichten

Die Organisation von Morbus Hodgkin Erkrankten stellt mehrere Berichte von Betroffenen vor. Ein 20-jähriger Patient schildert seine Frühsymptome: „Während eines Urlaubs in Spanien, im Jahre 1987, bekam ich eine starke Magen- und Darminfektion, bei der ich einiges an Gewicht verlor. Zusätzlich zu dieser Infektion traten, als ich wieder zu Hause war, Nachtschweiß und Schmerzen im Brustbereich auf. Der Gewichtsverlust betrug mittlerweile 15 kg.“

Im Rückblick deutete schon vieles auf einen Lymphkrebs hin, doch noch blieb die Krankheit im Dunklen. Die Symptome verschlimmerten sich: „Anfang 1988, nachdem noch keine Verbesserung meines Gesundheitszustandes eingetreten war, suchte ich einen Arzt auf, der anhand von Röntgenbildern mehrere Knoten zwischen den Lungenflügeln feststellte. Fieberanfälle (39°) und Appetitlosigkeit gesellten sich zu meinem ohnehin schon schlechten Befinden noch dazu.“

Der Patient vermutete jetzt, dass es sich um Krebs handelt. Dann bekam er Gewissheit: „Ein Krankenhausaufenthalt, der vier Wochen dauerte, sollte eine endgültige Diagnose bringen, die dann lautete: Morbus Hodgkin IVb. Es war keine Überraschung für mich, denn innerlich rechnete ich mit Lungenkrebs. Der Tod meiner Freundin, die an Leukämie gestorben war, war für mich ein Ansporn, die Krankheit zu besiegen.“

Der Betroffene litt bereits im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, deshalb unterzog er sich einer verschärften Chemotherapie mit anschließender Bestrahlung, die insgesamt ein Jahr dauerte. Die Krankheit schien erst einmal besiegt. Doch im November 1990 fühlte der Patient starke Schmerzen in Beinen und Hüfte, und zwei Monate später kam erneut die Diagnose: Morbus Hodgkin. Trotz fünf Monaten Chemotherapie hatte er bald wieder bösartige Knoten im Hals.

Bei der Chemotherapie werden spezielle Substanzen (Zytostatika) eingesetzt, welche die Vermehrung von Krebszellen hemmen. (Bild: auremar/fotolia.com)

Jetzt unternahmen die Ärzte eine Knochenmarkstransplantation und entnahmen ihm 1,5 Liter Knochenmark. Eine Chemotherapie tötete alle bösartigen Zellen im Körper, sie zerstörte auch das Knochenmark. Dieses ersetzten die Ärzte kurz darauf mit den entnommenen Zellen. Über den weiteren Verlauf berichtet der Patient nicht.

Eine 32-jährige Frau klagte über Schmerzen im Brustkorb. Ein Röntgenbild zeigte einen Tumor an, und die Analyse ergab Morbus Hodgkin. Trotz Krebs, Chemo- und Strahlentherapie entschied sie sich dafür, Kinder zu bekommen. 2,5 Jahre nach Beginn der Therapie bekam sie einen gesunden Sohn und 20 Monate später eine Tochter. Dann folgten zwei Mädchen – Zwillinge. Zum Zeitpunkt des Berichts war die Patientin allein erziehende Mutter, arbeitete Vollzeit und hatte keinerlei Tumore im Körper.

Vorbeugung?

Gegen Lymphknotenkrebs gibt es keine konkreten Möglichkeiten vorzubeugen wie beim Lungenkrebs, wo die erste Regel lautet: Stellen Sie das Rauchen ein.
Generell können Sie auf die Symptome achten und sich regelmäßig beim Arzt untersuchen lassen.

Sind ihre Lymphknoten vergrößert und erkennt der Arzt keine Infektion, folgen Röntgenbilder von Lunge, Brustraum, Nasennebenhöhlen und Untersuchungen des Rachenraums, der Milz und Mandeln. Gehen Sie in jedem Fall frühzeitig zum Arzt: Denn wird Lymphknotenkrebs früh erkannt, liegt die vollständige Heilungsquote bei 70% bis 90 %.

Diagnose

Suchen Sie bei Symptomen einen Arzt auf, ihren Hausarzt oder besser einen Onkologen. Der beurteilt zum Beispiel ihren Gewichtsverlust. Wenn Sie in sechs Monaten mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichts einbüßten, ist das ein Hinweis, ebenso wenn Lymphknoten an Hals, Achseln oder Leiste geschwollen sind. Schmerzen die geschwollenen Stellen außerdem nach Alkoholkonsum, ist ein Lymphknotenkrebs wahrscheinlich.

Schmerzen die angeschwollenen Lymphknoten nach dem Konsum von Alkohol, könnte dies ein Hinweis auf Lymphknotenkrebs sein. (Bild: Rawpixel.com/fotolia.com)

Eine Blutuntersuchung gibt erste Gewissheit. Krebszellen verdrängen nämlich die gesunden Zellen und verändern das Blutbild. Bildgebende Verfahren zeigen, wie weit der Krebs fortgeschritten ist. Endgültige Klarheit gibt eine Analyse der befallen Lymphknoten. In jedem Fall entfernt der Arzt die angeschwollenen Lymphknoten. Nur so lässt sich die sichere Diagnose stellen.

Therapie

Ist das Stadium des Krebses erkannt, setzt die Chemotherapie ein. Auch eine Strahlentherapie kommt in Frage. (Dr. Utz Anhalt)