Überbein (Ganglion): Symptome, Ursachen und Behandlung

Nina Reese

Ganglien: Ungefährliche Beulen unter der Haut

Bei einem so genanten Überbein handelt es sich um eine gutartige Geschwulstbildung, von der relativ viele Menschen betroffen sind. Die medizinisch als „Ganglien“ bezeichneten Geschwulste zeigen sich häufig im Bereich von Handgelenk und Handrücken, können aber auch an anderen Stellen des Körpers entstehen. Überbeine verursachen häufig keine Beschwerden, bei einige Betroffenen treten jedoch massive Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auf. Um die Beule unter der Haut zu entfernen, kommen verschiedene Methoden in Betracht. Ein operativer Eingriff ist nur in seltenen Fällen notwendig.

Definition: Was ist ein Überbein?

Bei einem Überbein (medizinisch: Ganglion) handelt es sich um eine gutartige, knötchenförmige Veränderung unter der Haut, die relativ häufig vorkommt. Die kleine Beule kann so hart werden, dass es den Eindruck macht, es handele sich um eine knöcherne Struktur. Dies ist jedoch nicht der Fall, stattdessen bildet sich eine mit zäher Flüssigkeit gefüllte Kammer (Zyste), die mit benachbarten Gelenken, Knorpel- oder Sehnenscheiden verbunden ist.

Bei einem Überbein handelt es sich um eine Zyste, die im Bereich einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide auftritt. (Bild: naiyanab/fotolia.com)

Das Ganglion im Bereich einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide ist normalerweise gut sicht- bzw. ertastbar. Besonders häufig zeigen sich die kleinen Knubbel im Bereich des Handgelenks oder an den Fingern, prinzipiell können Überbeine aber auch an allen anderen Gelenken, wie zum Beispiel am Fuß oder Knie, entstehen. Sie können sowohl einzeln auftreten als auch in größerer Anzahl an verschiedenen Stellen des Körpers zugleich erkennbar werden.

Ganglien zählen zu den gutartigen Weichteiltumoren – wobei der Begriff „Tumor“ nur die Schwellung beschreibt und daher nicht missverstanden werden sollte. Denn ein Überbein ist harmlos und hat nichts mit einer bösartigen Krebserkrankung zu tun. Die Gelenkflüssigkeit (Mycin), mit der die Zyste gefüllt ist, besteht vor allem aus Hyaluronsäure.

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Die Veränderung unter der Haut kann in jedem Alter auftreten, besonders häufig ist sie jedoch bei jüngeren Menschen zwischen 20 und 30 Jahren zu beobachten. Ebenso haben Frauen ein erhöhtes Risiko, denn im Alter zwischen 20 und 40 Jahren wird bei ihnen etwa dreimal häufiger ein Überbein festgestellt als bei Männern. Doch nicht nur Erwachsene sind betroffen – auch bei Kindern können sich die gutartigen Geschwulste entwickeln.

Symptome bei Überbein

Typischerweise zeigt sich ein Ganglion in Form einer eiförmig-ovalen Schwellung oder eines prallen, elastischen Knotens unter der Haut, welcher erbsen- bis kirschgroß werden kann. Die Verhärtungen treten meist am Handgelenk oder den Fingern auf, seltener sind sie am Knie, Fußrücken, der Schulter oder dem Ellenbogen lokalisiert.

Meist verursachen Überbeine keine Beschwerden. In einigen Fällen rufen sie nur bei bestimmten Bewegungen Schmerzen hervor. Ebenso kann ein dauerhafter, dumpfer Schmerz und/oder ein unangenehmes Druckgefühl im betroffenen Bereich bestehen. Teilweise sind die kleinen Knubbel druckempfindlich und es kommt zu Bewegungseinschränkungen. Ist das Ganglion sehr groß, kann es auf die Nerven drücken und dadurch ein Kribbeln in den Gliedern und Taubheitsgefühle hervorrufen.

Ein Ganglion am Handgelenk kann zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. (Bild: t.paisit/fotolia.com)

Ist ein Überbein, zum Beispiel am Handgelenk, weder zu erkennen noch zu fühlen, kann es sich in Form von Gelenkschmerzen zeigen. Diese strahlen häufig aus und können dadurch auch als Arm- und/oder Ellenbogenschmerzen wahrgenommen werden.

Ursachen von Ganglien

Wodurch ein Überbein entsteht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Vermutet wird, dass eine Schwachstelle im Bereich der Gelenkkapsel oder Sehnenscheide im Zusammenspiel mit einer bestehenden Druckerhöhung im Gelenk (z.B. durch vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit) der Grund ist. Eine solche Schwachstelle kann beispielsweise durch eine allgemeine Bindegewebsschwäche entstehen. Ebenso können angeborene Störungen oder Überdehnungen infolge früherer Verletzungen oder Verstauchungen zu Veränderungen im Kapselbandapparat führen. Ein weiterer möglicher Auslöser können chronische Reizzustände (z.B. bei Arthrose) sein, durch welche es zu einer verstärkten Bildung von Gelenkflüssigkeit kommt.

Durch die vermehrte Flüssigkeit stülpen sich die weichen inneren Gelenkhäute nach außen und es entsteht eine Zyste. Der so genannte Ganglionstil bildet die Verbindung zwischen der Zyste und dem Gelenk. Über diesen fließt die Gelenkflüssigkeit weiter und verdickt sich schließlich geleeartig in dem Überbein.

Wie groß dieses letztendlich wird, hängt dementsprechend davon ab, wie viel Gelenkflüssigkeit in den Hohlraum gelangt. Teilweise bleiben Überbeine so klein, dass sie von außen nicht erkennbar sind („okkulte“ Ganglien), in anderen Fällen werden sie mehrere Zentimeter groß.

Die meisten Zysten zeigen sich auf der Rückseite (Streckseite) des Handgelenks, andere häufig betroffene Stellen sind die Beugeseite des Handgelenks (im Verlauf der Pulsader) sowie die Beugeseite der Fingergrundglieder. Möglich ist auch, dass sich die Gelenkhäute nach innen stülpen und eine Zyste zwischen den Handwurzelknochen entsteht („intraossäres Ganglion“).

Behandlungsoptionen

Ein Überbein verursacht oft gar keine Beschwerden und stellt daher meist lediglich einen kleinen „Schönheitsfehler“ dar, der keine medizinische Behandlung erfordert. Häufig ist Abwarten und nichts tun hier die beste Therapie, denn viele Überbeine bilden sich innerhalb weniger Monate von selbst zurück.

Bei anderen Betroffenen kommt es jedoch zum Beispiel durch einen „Knubbel“ an der Hand zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. In diesem Fall sollte zeitnah ein Arzt aufgesucht werden, um die Frage „Was kann bei einem Überbein am Handgelenk helfen?“ zu klären.

Wenn durch das Überbein Beschwerden auftreten, kann das Tragen einer Handgelenkbandage hilfreich sein. (Bild: sunnychicka/fotolia.com)

Bei Beschwerden wird normalerweise zunächst versucht, durch Vermeidung von belastenden Tätigkeiten bzw. Überlastung und das Tragen einer Handgelenkbandage eine Verbesserung zu bewirken. Bei Bedarf können parallel entzündungshemmende Schmerzmittel wie z.B. Diclofenac und Ibuprofen zum Einsatz kommen. In vielen Fällen verschwindet das Ganglion durch diese Maßnahmen von alleine wieder oder wird zumindest kleiner.

Teilweise führt das manuelle Zerdrücken des Überbeins zum Erfolg. Dabei kann das Ganglion entweder mit leichtem Druck massiert werden, um die Flüssigkeit wieder zurück ins Gelenk zu drücken, oder durch starken Druck auf eine Stelle zum Platzen gebracht werden. Achtung: Das Zerdrücken des Ganglions sollte auf jeden Fall von einem Arzt durchgeführt werden. Von einer Selbstbehandlung ist unbedingt abzusehen, um keine Verletzungen oder Entzündungen zu riskieren! Dies gilt auch für überholte Techniken wie das „Aufschlagen“ mit einem schweren Gegenstand oder Buch.

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung bietet die sogenannte Punktion. Bei diesem Verfahren sticht der Arzt das Ganglion mit einer Hohlnadel an, damit die enthaltende Flüssigkeit ablaufen bzw. abgesaugt werden kann. In etwa einem Drittel der Fälle kommt es allerdings zu einem Rückfall, teilweise lässt sich jedoch durch das Einspritzen von Kortisonpräparaten eine dauerhafte Heilung erreichen. Bringt auch das keine Besserung, wird im Regelfall eine Operation durchgeführt.

Operation bei Überbein

Bereitet das Ganglion keine Beschwerden, ist ein operativer Eingriff normalerweise nicht nötig, da es sich um eine gutartige Geschwulst handelt. Wird es jedoch sehr groß oder stört die/den Betroffene/n aus kosmetischen Gründen, kann eine operative Entfernung in Erwägung gezogen werden. Aus medizinischer Sicht ist eine OP angezeigt, wenn die Beschwerden anhalten und/oder sehr ausgeprägt sind bzw. wenn eine Punktion keinen Erfolg gebracht hat.

Der Eingriff erfolgt in den meisten Fällen ambulant unter örtlicher Betäubung oder Regionalanästhesie des Arms (Teilnarkose). Über einen kleinen Schnitt wird das Ganglion mit dem Stil entfernt und die Gelenkkapsel an der Basis dieser Verbindung etwas gefenstert, um eine Verstärkung in diesem Bereich zu bewirken.

Handgelenksganglien an der Streckseite können alternativ im Rahmen einer arthroskopischen Operation (Gelenkspiegelung) entfernt werden. Bei dieser wird der Stiel des Ganglions und ein Teil der Gelenkwand entfernt, wodurch die Flüssigkeit abfließen und das Überbein verschwinden kann.

Um die Gelenke zu stärken, sollten regelmäßig Dehn- und Lockerungsübungen durchgeführt werden. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Überbein vorbeugen durch Entspannung und Entlastung

Häufig treten Ganglien trotz zunächst erfolgreicher Behandlung nach einiger Zeit erneut auf – vor allem, wenn das Gelenk, zum Beispiel aufgrund der beruflichen Tätigkeit, nicht geschont werden kann. Dementsprechend ist es zur Vorbeugung von Überbeinen wichtig, eine Überlastung bzw. Fehlbelastung der Gelenke so weit wie möglich zu vermeiden.

Gerade bei täglich immer wiederkehrenden, einseitigen Bewegungsabläufen ist es wichtig, auf Entlastung und Ausgleich zu achten. Dies betrifft vor allem Menschen, die ständig und über Stunden am PC tippen und klicken, Handwerker und Sportler. Oft hilft es schon, bewusst darauf zu achten, dass die gewohnten Handgriffe regelmäßig verändert werden. Regelmäßige Entspannungs- und Lockerungsübungen für die Muskulatur und die Gelenke wirken wohltuend und sorgen für Beweglichkeit, ebenso ist es wichtig, immer wieder mal aufzustehen und sich ausgiebig zu strecken und zu dehnen. (nr)