Blutweiderich- Heilwirkung, Anwendung und eigener Anbau

Dr. Utz Anhalt

Der Gewöhnliche Blutweiderich – Eine vergessene Heilpflanze

Purpurrot leuchten die Blüten des Blutweiderich aus Uferzonen und lassen vergessen, dass wir in Deutschland sind und nicht in einem tropischen Regenwald. Schnecken verschmähen ihn, gegen Pilzerkrankungen ist er immun, seltene Wildbienen brauchen ihn als Nahrung, er hilft beim Heilen von Wunden und gegen Ekzeme. Nichtsdestotrotz geriet die Pflanze in Vergessenheit.

Die blutige Weide

Weiderich bedeutet „weidenartig“ und bezieht sich auf die Form der Blätter. Der Gattungsname „Blut“ hat zwei Ursprünge. Zum einen benannten die antiken Griechen damit die „blutroten“ Blüten der Pflanze, zum anderen wussten bereits die Menschen im Altertum um die blutstillenden Eigenschaften.

Blutweiderich schmückt den Garten mit purpurroten Blütenähren. (Bild: ksch966/fotolia.com)

Eine alte Nutzpflanze

Das Weiderichgewächs liebt feuchte Lehmböden, er wächst in der Natur auf Feuchtwiesen und in der Uferrandzone, aber auch im flachen Wasser. Staunässe ist kein Problem für ihn, aber er überlebt auch, wenn die Gewässer im Sommer austrocknen.

Heute ziert er Gartenteiche wie Sumpfbeete, unsere Vorfahren nutzten ihn indessen praktisch. Die Pflanze enthält viele Gerbstoffe, und so diente sie zum Gerben von Tierhäuten und dazu, Holz zu imprägnieren. Da sier an Gewässern wächst, benutzten ihn besonders Fischer dazu, ihre Seile haltbar zu machen.
In der Alltagsmedizin setzten die Menschen sie ein bei Menstruationsbeschwerden, Entzündungen in der Scheide, bei Ekzemen, Hautausschlag, vor allem aber dazu, blutende Wunden zu stillen. Blutweiderich wirkt adstringierend und tötet Bakterien ab.

Blutweiderich als Zeigerpflanze

Bluweiderich ist eine der wichtigsten Insektenweiden überhaupt und in der Natur eine wichtige Zeigerpflanze. Wenn im Spätsommer die Gräben am Feldweg pupurrot leuchten, dann ist das ein Hinweis dafür, dass hier ein Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten besteht.

Eine Gartenpflanze

Das Weiderichgewächs lässt sich ausgezeichnet im Garten pflanzen. Im Spätsommer sind die „exotischen“ Blütenstände ein Leuchtturm im Garten. Im „normalen“ Beet mit trockenem Untergrund sollte er im Schatten stehen, besser geeignet sind Sumpfbeete, die Randzonen eines Gartenteichs, Schwimmteiche und Minibiotope im Feuchtkübel.

Biologie

Der Gewöhnliche Blutweiderich wird bis zu 2 Meter hoch und bis zu 1,5 Meter breit. Aus seinem Wurzelgeflecht wachsen mehrere Dutzend mehrkantige Stängel. Die Triebe im Wasser dehnen sich als Gewebe aus und versorgen die Wurzeln mit Sauerstoff.

Die Laubblätter sitzen gegenständig oder wechselständig an den Stängeln und sind lanzettörmig, die kleineren Blätter haben die Form von Herzen.
Die krautige Pflanze blüht von Juni bis September in ährenförmigen Blütenständen, von denen jeder einzelne bis zu über hundert Blüten enthält. Die Pollen sind grün und groß oder gelb und klein.

Die Bestäubung funktioniert, weil die Narben der langen Griffel die längsten, die der kurzen die kürzesten Papillen haben. Ein einzelner Blutweiderich produziert bis zu 3 Millionen Samen, die Schleimhaare enthalten. Diese heften sich an Wasservögel und verbreiten sich so flächendeckend.

Das Weiderichgewächs zählt zu den wichtigsten Insektenweiden und versorgt Bienen, Schwebfliegen und Falter mit Nektar. (Bild: hjschneider/fotolia.com)

Ökologischer Wert

Schwebfliegen, Wildbienen und Falter suchen die Pflanze auf, um seinen Nektar zu verzehren. Die Raupen der Nachtpfauenaugen ernähren sich von ihm.

Vorkommen

Der Gewöhnliche Blutweiderich wächst in Eurasien, in Nordamerika ist er als Neophyt eingeführt. Er besiedelt nasse, wechselfeuchte Sumpfböden. Er ist keine Art des offenes Wassers, sondern typisch für zeitweise überschwemmte Standorte, zum Beispiel Auwälder.

Anwendung von Blutweiderich als Heilpflanze

Die „Blutweide“ enthält Pectine, Harze und ätherische Öle en masse, außerdem Gerbstoffe in Mengen, Vitexin und Salicarin, außerdem Provitamin A, Kalzium und Eisen.

Die Gerbstoffe wirken adstringierend und bakterizid. Sie treiben den Harn und stillen Blutfluss. Traditionell diente die Pflanze gegen Durchfall, innere Blutungen, äußere Wunden sowie übermäßige Blutungen während der Periode.

Die Pflanze hilft bei Darminfektionen und Magenverstimmungen durch seine antibakteriellen Wirkstoffe, außerdem ist er ein gutes Hausmittel gegen Halsschmerzen.
Ein Absud aus Blutweiderich sollte gegen Infektionen der Scheide, Erkrankungen der Haut und siffende Wunden helfen. Hierzu dienen entweder ein aus dem Blüten und Blättern gekochter Tee oder ein heißes Bad mit circa einer Handvoll Blutweiderich auf drei Liter Wasser.

Blutweiderich-Tee

Für einen Tee übergießen wir eine Handvoll getrockneter Blüten mit einem Liter kochendem Wasser und lassen die Mischung 30 Minuten ziehen. Bitte keinen Zucker verwenden, das schwächt die Gerbstoffe. Bei Durchfall trinken wir davon 4-5 Tassen am Tag, bei Zahnfleischbluten gurgeln wir mehrmals täglich.

Gegen Halsschmerzen hilft Gurgeln mit Blutweiderich-Tee. (Bild: RFBSIP/fotolia.com)

Äußere Anwendung bei Hauterkrankungen

Um die Pflanze äußerlich anzuwenden kochen Sie zwei Handvoll getrockneter Blüten bei schwacher Hitze 20 Minuten, dann gießen Sie das Wasser ab und lassen es kühlen. Damit tupfen Sie die entzündeten Stellen auf der Haut ab. Die Flüssigkeit stellen Sie in einem sauberen Gefäß in den Kühlschrank und kochen sie einmal pro Woche neu.

Anbau von Blutweiderich

Wenn Sie das Weiderichgewächs anbauen, verfügen Sie jeden Spätsommer über einen großen Vorrat an Blüten, die sich problemlos trocknen lassen. Entnehmen Sie keine Pflanzen der Natur, Blutweiderich bekommen Sie in Naturgärtnereien. (Dr. Utz Anhalt)