Problemzonen und Bauchfett: Immunzellen verlangsamen wichtigen Fettstoffwechsel

Nina Reese
Mit zunehmendem Alter sammelt sich bei vielen Menschen verstärkt Fett im Bauchbereich an – selbst wenn sie ansonsten schlank sind. Das ist nicht ungefährlich, denn gerade das Bauchfett gilt als Risikofaktor für viele Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Gicht und die koronare Herzkrankheit. Forscher der Universität Yale und der Universität Bonn haben nun eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum der Fettabbau im Alter nicht mehr richtig funktioniert. Die aktuell im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie könnte laut den Wissenschaftlern möglicherweise auch neue Therapieoptionen eröffnen.

Dickere Bäuche auch bei schlanken Personen

Ältere Menschen haben meist Menschen mehr Fett in der Bauchgegend, selbst wenn sie ansonsten normalgewichtig sind. Der Grund für das zunehmende „Hüftgold“ ist ein gestörter Fettabbau im Alter, informiert die Universität Bonn. Dadurch kommt es, dass der Körper die an Bauch und Hüfte befindlichen Fettspeicher nur sehr eingeschränkt anzapft, wenn er Energie benötigt. Warum der Fettabbau in höherem Alter schlechter funktioniert, war bislang unbekannt. Wissenschaftler der Universität Yale und der Universität Bonn konnten nun durch eine Studie mit Mäusen wertvolle Erklärungsansätze liefern.

Übergewicht ist eine sehr häufige Ursache für Bluthochdruck. Eine besondere Rolle spielt hier die Taille. Ein großer Bauchumfang ist gefährlicher. (Bild: tibanna79/fotolia.com)

Forscher untersuchen Bauchfett von Mäusen

Um zu verstehen, wodurch die Störung des Fettabbaus entsteht, untersuchten die Forscher das Fettgewebe von Labormäusen – denn auch diese bauen im Alter Fett nur noch unzureichend ab, informiert die Universität Bonn in einer aktuellen Mitteilung. Die Gruppe aus Yale vermutete als Ursache der altersbedingten Veränderungen einen bestimmten Zelltyp im Bauchfett der Nager, genauer eine neue Art sogenannter Makrophagen. Bei diesen großen Fresszellen handelt es sich um weiße Blutkörperchen (Leukozyten), welche unter anderem eine entscheidende Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielen.

Fresszellen sitzen neben Nervenzellen

Die Forscher um Prof. Dr. Vishwa Deep Dixit von der Yale Universität hatten zuvor erkannt, dass diese Art von Fresszellen auch im Fettgewebe sitzen, und zwar immer in der Nähe von Nervenzellen. Sobald die Mäuse hungern, würden die Nervenzellen Botenstoffe produzieren, welche die Fettverbrennung stimulieren, so der Bericht. Die Forscher nahmen daher an, dass die Makrophagen der Grund für die Störung des Fettstoffwechsels sein könnten.

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Bonner Wissenschaftler analysieren Transkriptom-Daten

Für ihre Untersuchung isolierten die Wissenschaftler aus den Makrophagen im Bauchfett der Mäuse sämtliche aktiven Gene (Transkriptom) – sowohl bei den jungen als auch bei den alten Tieren. Alle Nager waren vor diesem Schritt auf Diät gesetzt worden. Die Daten schickten sie anschließend für die weitere Untersuchung an das Life & Medical Sciences Institut (LIMES) der Universität Bonn.

Die Analyse der Bonner Kollegen brachte erste Erkenntnisse: „Wir konnten so herausfinden, welche Gene sich hinsichtlich ihrer Aktivität in den alten und jungen Tieren unterscheiden. Darunter mussten auch die Erbanlagen sein, die für den verlangsamten Fettstoffwechsel im Alter verantwortlich sind“, so Prof. Dr. Joachim Schultze vom LIMES-Institut laut der Mitteilung.

Enzyme zerstören Noradrenalin

Nach Eingrenzung der in Frage kommenden Gene, konnten die US-Forscher schließlich den Mechanismus des gestörten Fettabbaus aufzeigen. Demnach schütten die Nervenzellen im Bauchfett im Hungermodus den Neurotransmitter Noradrenalin aus, welcher den Fettabbau ankurbelt. Bei den älteren Tieren schalteten die Makrophagen jedoch ständig in eine Art Entzündungsmodus um, wodurch die Fresszellen unter anderem verstärkt das Enzym Monoaminoxidase-A (MAOA) produzierten. MAOA zerstört wiederum das Noradrenalin, wodurch die Nager das angesammelte Fett nicht mehr abbauen konnten.

Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Menschen wird geprüft

Dieser Nachweis gelte laut der Mitteilung bislang nur für Mäuse. Doch die Forscher gehen davon aus, dass beim Menschen ein analoger Mechanismus für die Zunahme von Bauchfett im Alter verantwortlich ist. Diese Theorie werde zur Zeit geprüft und könne bei entsprechenden Belegen die Tür für neue Therapieoptionen öffnen. Bekannt ist beispielsweise, dass das Enzym Monoaminoxidase-A durch bestimmte Antidepressiva gehemmt werden kann. „Theoretisch könnte man diese Medikamente einsetzen, um den Stoffwechsel älterer Menschen zu verbessern“, so Studienleiter Vishwa Deep Dixit.

Tipps: So können Sie Bauchfett abbauen

Oft sind schon kleine Veränderungen im Alltag ein guter Anfang, um Bauchfett abzubauen und dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Wichtig ist zum Beispiel ein regelmäßiges Frühstück, um Heißhunger auf Süßes und Fettiges zu vermeiden. Ein gesundes und ausgewogenes Frühstück sollte dabei neben Ballaststoffen und Mineralien auch Vitamine und komplexe Kohlenhydrate z.B. in Form von Vollkornbrot enthalten. Achten Sie generell darauf, über den Tag hinweg regelmäßig und viel kaltes Wasser zu trinken, um den Magen zu füllen und plötzliche Hungerattacken zu umgehen.

Wer Bauchfett abbauen möchte, sollte auf eine kalorienarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse, gesundem Olivenöl, Fisch und proteinreichen Nahrungsmitteln achten. Fertigprodukte, Chips, Fast Food, Softdrinks und Zucker sind hingegen zu meiden.

So viel wie möglich bewegen

Ebenso wichtig wie die richtige Ernährung ist Bewegung, um das Fett am Bauch und Hüften zum Schmelzen zu bringen. Nutzen Sie jede Möglichkeit zur Aktivität, indem Sie z.B. mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Besonders effektiv ist Krafttraining. Vermeiden Sie negativen Stress, denn dieser ist oft Auslöser für Heißhunger auf Süßigkeiten oder fettige Snacks. (nr)