Können tatsächlich nur Sportler einen Tennisarm bekommen?

Der Tennisarm ist eine relativ häufige Erkrankung, die durch Überbeanspruchung des Armes entsteht. Ausgelöst wird das Problem nicht nur durch Sport. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)
Alfred Domke
Ein Arzt erklärt, ob wirklich nur Sportler einen Tennisarm bekommen können
Der Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis) ist eine relativ häufige Erkrankung, bei der durch Überlastung einer bestimmten Sehne kleine Risse und Entzündungen im Gewebe entstehen, die letztendlich zu Gewebeveränderungen führen können. Ein Experte hat wichtige Informationen zum Thema.

Tennisarm durch Überbeanspruchung
Bei einem Tennisarm entstehen durch Überbeanspruchung kleinste Risse in einer bestimmten Sehne. Diese verheilen in der Regel nicht von alleine und lösen schmerzhafte Entzündungen aus. Es kommt unter anderem zu Ellenbogenschmerzen, in manchen Fällen ziehen die Schmerzen auch bis in den Ober- oder Unterarm. Der Kölner „Express“ berichtet online über ein Interview mit Dr. Sven Ostermeier, Orthopäde und Sport-Mediziner der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Der Experte beantwortet darin die wichtigsten Fragen zum Thema Tennisarm.

Der Tennisarm ist eine relativ häufige Erkrankung, die durch Überbeanspruchung des Armes entsteht. Ausgelöst wird das Problem nicht nur durch Sport. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)
Der Tennisarm ist eine relativ häufige Erkrankung, die durch Überbeanspruchung des Armes entsteht. Ausgelöst wird das Problem nicht nur durch Sport. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Nicht nur Sportler bekommen einen Tennisarm
Dr. Ostermeier erläuterte zunächst, dass auch Menschen, die noch nie auf einem Tennisplatz gestanden haben, einen Tennisarm bekommen können. Ursache eines Tennisarms beziehungsweise Tennisellenbogens sind laut dem Arzt übermäßige Belastungen der Muskelansätze am Ellenbogen, etwa durch tägliche Computerarbeiten. Manche sprechen dann auch vom RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury Syndrom), dem sogenannten Mausarm. Die Mehrzahl der Betroffenen sind laut dem Orthopäden aber schon Tennisbegeisterte. „Man geht davon aus, dass jeder zweite Spieler zeitweise betroffen ist. Daher auch die Bezeichnung für diese Erkrankung“, sagte Dr. Ostermeier.

Starke Schmerzen können bis in die Hand ausstrahlen
Die starken Schmerzen im Bereich des Ellenbogens können bis in die Hand ausstrahlen. Außerdem wird die betroffene Hand nicht selten zunehmend kraftlos. Laut dem Experten kann das soweit gehen, „dass ein Händeschütteln oder das Halten einer Flasche nicht mehr möglich sind“. Einem Tennisarm gehen zwar häufig chronische Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur voraus, doch Hauptursache sind extreme, einseitige oder sich wiederholende Bewegungen, etwa durch schweres Heimwerken, wie beispielsweise Wände streichen.

Behandlungsmöglichkeiten eines Tennisarms
Die klassische Therapie bei Tennisellenbogen und Tennisarm setzt auf Ruhigstellung, durch die die entstandenen Mikrorisse wieder verheilen sollen. Heute wird jedoch auf die früher übliche Unterarmgipsschiene verzichtet. „Wird der Arm eingegipst, so bilden sich die Muskeln sehr rasch zurück. Der Wiederaufbau durch ein entsprechendes Training führt dann in der Regel erneut zur Tennisarmsymptomatik“, erklärte Dr. Ostermeier. Er sagte weiter: „Hilfreich sein können zudem Kühlung oder Wärmebehandlungen. Ob dabei eher Kälte oder Wärme als angenehm empfunden wird, muss individuell ausprobiert und entschieden werden.“ Viele Patienten empfinden Quermassagen-Behandlungen der Muskeln als wohltuend. Laut dem Mediziner empfehlen sich zur Schmerzlinderung Kombinationstherapien mit Reizstrom, Ultraschall oder Stoßwellen. Außerdem können antientzündlich wirkende Medikamente und auch Akupunktur förderlich sein.

Neuartige Form der Therapie
Da sich die Sehne durch das Zusammenwachsen und Abheilen der Mikrorisse verkürzt, sollte die Muskulatur möglichst zeitnah durch Physiotherapie langsam und gemäßigt gedehnt und gestärkt werden. Dem Orthopäden zufolge ist dies wichtig, um eine neues Auftreten der Symptome zu vermeiden. Wenn die verschiedenen Therapieansätze keine Besserung bringen, kann eine Operation eine Option sein. Eine neuartige Form der Behandlung des Tennisellenbogens stellt die Therapie mit muskelentspannenden Injektionen (Botox) dar. „Allerdings sollten die vorher genannten Therapieverfahren zunächst versucht werden, um dann eventuell dieses spezielle Verfahren anzuwenden“, so der Mediziner. Andere Experten sehen diese Behandlung eher kritisch. So zeigte eine Untersuchung von Forschern der Uniklinik Kopenhagen, dass Spritzen mit Botox und Co nicht beim Tennisarm helfen.

Übungen auch für Zuhause
Dr. Ostermeier zufolge sollten Tennisspieler ihre Spieltechnik verbessern, um erneute Beschwerden zu vermeiden. „Denn oft entsteht diese Erkrankung durch das Spielen mit falscher Technik – übrigens nicht nur beim Tennisspiel, sondern auch bei anderen Schlägersportarten“, erklärte der Orthopäde. Außerdem sind langsames Aufwärmen und regelmäßige Dehnübungen – nicht nur beim Tennisspielen – ratsam. Um die Unterarmmuskulatur gezielt zu trainieren und zu dehnen, empfiehlt sich laut dem Arzt die Anwendung eines Powerballs oder einer kleinen Plastikflasche, die mit Wasser gefüllt auf die Innenfläche der nicht erkrankten Hand gelegt wird. „Dann mit der vom Tennisarm betroffenen Hand die Flasche greifen, ein paar Zentimeter hoch heben und anschließend wieder auf die Innenfläche der anderen, weiterhin geöffneten Hand ablegen“, erläuterte der Experte. Diese Übungen sollten am besten mehrfach täglich zehn bis 15 Mal wiederholt werden. (ad)

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