Mausarm – Ursachen, Symptome und Therapie

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Mausarm – Was hilft?

Die tägliche Nutzung von Computern, Handys und anderen elektronischen Kleingeräten kann zur extremen einseitigen Belastung der Arme und Hände führen. Es kommt häufig zu Fehlbelastungen der Gelenke, Muskeln und Sehnen – die Folge ist ein Mausarm. Meist beginnen dessen Symptome kaum spürbar und werden zunehmend stärker, bis es schließlich zum sogenannten RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury Syndrom) kommt. Das RSI-Syndrom bedeutet: „Verletzung durch wiederholte Belastung“. Hierbei handelt es sich um Mikro-Verletzungen im Muskelgewebe, den Sehnen oder Nerven.


Ursachen

Von einem Mausarm können Menschen jedes Alters betroffen sein. Menschen, die unter Stoffwechselerkrankungen wie Schilddrüsenunter- bezeziehungsweisse Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes leiden, sind häufiger von dem RSI-Syndrom betroffen als gesunde Personen. In unserer technisierten Zeit sind wir viel mit wiederkehrenden monotonen Arbeitsabläufen konfrontiert, die das Beschwerdebild hervorrufen können. Angestellte, die am Computer arbeiten, wie Grafiker, Textverarbeiter, Büroarbeiter, Programmierer, Bauzeichner, aber auch Künstler wie Gitarristen und Pianist gehören hier zu den Risikogruppen.

Tippen, klicken, greifen, Tasten drücken sind nur einige Beispiele für monotone Bewegungen. Diese führen zu Überbelastungen und können im RSI-Syndrom enden. Hinzu kommt oft noch eine falsche Körperhaltung. Ein nicht ergonomisch ausgestatteter Arbeitsplatz gehört zu den Hauptursachen für den Mausarm.

Einseitige Belastungen durch Mausklicken führen zum sogenannten Mausarm. Patienten erleben Schmerzen an der Hand, im Arm und in der Schulter. (Bild: Robert Kneschke -fotolia)
Einseitige Belastungen durch Mausklicken führen zum sogenannten Mausarm. Patienten erleben Schmerzen an der Hand, im Arm und in der Schulter. (Bild: Robert Kneschke/fotolia)

Die immer geringere Wahrnehmung des eigenen Körpers und der natürlichen Warnsysteme führt dazu, dass Schmerzen unterdrückt oder bewusst ignoriert werden. Infolgedessen kann es schnell zu einem chronischen Mausarm kommen. Unser körpereigenes Warnsystem kann hier als natürliche Schutzfunktion vor chronischen Erkrankungen oder dauerhaften Schädigungen dienen.

Entstehungsprozess

Durch die einseitige Belastung kommt es zu feinen Einrissen im Gewebe des Sehnenansatzes. Dies kann teilweise zu heftigen Schmerzen im Bereich des Ellenbogens und des Unterarmes führen. Der Körper reagiert auf diese Einrisse und probiert, sie zu beheben. Dies geht mit Gewebeveränderungen und -einlagerungen einher, die wiederum Schmerzen verursachen können. Diesen Vorgang nennen Mediziner Tendinopathie, eine Erkrankung der Sehnen. Wird die Tendinopathie ignoriert und verbleibt unbehandelt, kann sich die Verletzung ausbreiten, entzünden und schließlich chronisch werden und stellt so eine permanente Belastung dar.

Weitere Einflussfaktoren
Auch Betroffene Personen, bei denen die Gewebeeinrisse bereits verheilt sind, können unter Umständen weiterhin an Schmerzen leiden, wenn bei der Verarbeitung der Schmerzimpulse eine Weiterleitung des Impulses an das Rückenmark und das Gehirn stattfindet. Auch kann es im Gehirn zu einer sinngemäßen Kopplung zwischen Schmerz und Mausklicken kommen, so dass der Vorgang des Klickens allein schon Schmerzen auslösen kann, obwohl keine Schädigung mehr vorliegt.

Ein Mausarm sollte möglichst schnell behandelt und nicht verschleppt werden, da diese Erkrankung chronisch und so zu einer dauerhaften Belastung werden kann. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Stress und psychische Belastung
Stress am Arbeitsplatz, beispielsweise durch Zeitdruck und hohes Arbeitspensum, kann das Risiko, einen Mausarm zu entwickeln, erhöhen. Auch andere psychische Belastungen wie mangelnde Anerkennung, Geringschätzung der geleisteten Arbeit oder Mobbing können zu dieser Krankheitsentwicklung beitragen.

Symptome

Beim Mausarm gibt es kein einheitliches Beschwerdebild. Die Beschwerden können in verschiedenen Bereichen wie Handgelenk, Daumen, Zeigefinger, Hand, Ellenbogen, Schulter oder im ganzen Arm vorkommen. Oft berichten die Patienten von einem ziehenden oder pochenden Schmerz. Typische Symptome sind:

  • Muskelkrämpfe,
  • Koordinationsstörungen in Arm und Hand,
  • Schwellungen,
  • Muskelschwäche und Kraftlosigkeit,
  • die Schmerzen verstärken sich durch Belastung des Arms,
  • Fingerschmerzen,
  • Taubheitsgefühle,
  • Schmerzen in der ganzen Hand oder im Ellenbogen,
  • unangenehmes Kribbeln und Piksen,
  • die Beschwerden klingen ab, wenn die auslösende Tätigkeit pausiert wird, setzen aber schnell wieder ein, wenn die einseitigen Belastungen wieder zunehmen,
  • Einschlafen der Hände.
Die Symptome eines Mausarms sind von Mensch zu Mensch verschieden. Häufig treten Schmerzen in der Hand und im Ellenbogen auf. (Bild: absolutimages/fotolia.com)

Diagnose

Bei einem Mausarm wird die Diagnose anhand der Anamnese (Krankheitsgeschichte) und durch eine körperliche Untersuchung gestellt. Das Anamnese-Gespräch gibt dem Mediziner wichtige Anhaltspunkte, um die Beschwerden richtig einzuordnen. Bei der körperlichen Untersuchung werden die betroffenen Körperregionen abgetastet. Hierbei wird überprüft, ob Schmerzen durch Druck ausgelöst oder verstärkt werden. Außerdem untersucht der Arzt die umliegenden Gelenke und Muskeln auf ihre Funktionsfähigkeit und Kraft.

In einem fortgeschrittenen Stadium wird oft eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) durchgeführt. Auf diese Weise kann das RSI-Syndrom vom Karpaltunnelsyndrom unterschieden werden.

Behandlung

Bei der Behandlung des Mausarms kommen unterschiedliche Therapien in Frage. Die Veränderungen der Bewegungsabläufe und die Schmerztherapie nehmen hierbei eine entscheidende Rolle ein. Die Schmerztherapie soll die Patienten nahezu schmerzfrei machen, um zu gewährleisten, dass sie nicht durch eine Schonhaltung andere umliegende Regionen überlasten. Auch die Förderung der Durchblutung kann zur Verbesserung der Symptome beitragen.

Schnell handeln
Treten die ersten Symptome eines Mausarms auf, sollte schnell gehandelt werden, damit es nicht zu einer chronischen Entwickelung kommt. Zu den ersten Maßnahmen zählen:

  • Häufiges Ändern der Körperhaltung,
  • dem betroffenen Arm Ruhepausen gönnen,
  • die Hand nicht permanente auf der Maus liegen lassen.

Mausarm tapen

Das medizinische Taping ist eine relativ neue Behandlungsmethode, die in vielen Bereichen zum Einsatz kommt. Beim medizinischen Taping wurden verschiedene Elemente und Techniken aus Japan, Korea, Deutschland und den Niederlanden zusammengeführt. Dabei werden elastische Streifen an den betroffenen Regionen angebracht. Diese Tapes haben durch ihre physikalischen Eigenschaften und die gezielte Art der Anbringung eine stimulierende, entlastende und durchblutungsfördernde Wirkung auf Muskelpartien und Gelenke sowie auf das Lymph- und Nervensystem. Erfahrungen zeigen, dass die Tapes mehrere Tage getragen werden können, ohne dabei Hautirritationen auszulösen. Die Bewegungsfreiheit wird nicht einschränkt.

Umschläge
Wechselumschläge (kalt/warm) sorgen für Schmerzlinderung und ein Abschwellen der gereizten Gelenke, Sehnen und Muskeln. Durch die Druckentlastung und Durchblutungsförderung wird der Heilungsprozess beschleunigt.

Bewegungstherapie
Die betroffenen Körperteile werden in warmen Bewegungsbädern bewegt, dadurch entspannt sich die Muskulatur und der Schmerz wird natürlich gelindert.

Epicondylitis-Bandagen oder -Spangen
Häufig werden bei der Behandlung eines Mausarms sogenannte Epicondylitis-Bandagen oder –Spangen eingesetzt. Diese werden gewöhnlich vom Arzt verschrieben. Die verschiedenen Bandagen und Spangen haben unterschiedliche Materialien und Bauweisen und können so auf die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Zur Benutzung werden diese einfach über den Arm gezogen.

Infrarottherapie
Durch den Einsatz von Infrarotlicht erzielt man einen ähnlichen Effekt, wie bei der Behandlung durch Bewegungsbäder. Die Muskulatur entspannt, der Schmerz wird durch die Entspannung gelindert.

Massagen
Massagen lockern das Gewebe, die Muskulatur kann sich entkrampfen und der Druckschmerz verschwindet. Diese werden am Besten von einem erfahrenen Physiotherapeuten ausgeführt. Erfahrungsberichte zeigen, dass auch Thai-Massagen bei einigen Patienten Linderung verschaffen können.

In der Physiotherapie werden verschiedene Dehn- und Streckübungen vollzogen, um die Beschwerden zu lindern. (Bild: WavebreakmediaMicro - fotolia)
In der Physiotherapie werden verschiedene Dehn- und Streckübungen vollzogen, um die Beschwerden zu lindern. (Bild: WavebreakmediaMicro – fotolia)

Psychotherapie
Insbesondere für Personen mit einem chronischen Mausarm kann eine Psychotherapie in Frage kommen. Hier können Betroffene lernen, die Signale des Körpers besser wahrzunehmen. Auch Methoden der Stressvermeidung und ein Stressabbau können im Rahmen einer Psychotherapie erlernt werden.

Homöopathie

Die Homöopathie bietet eine alternative Behandlungsmethode für den Mausarm. Grundsätzlich sollte dabei ein erfahrener Therapeut über die eingesetzten Mittel entscheiden. Oft kommt bei der Behandlung des Mausarms die Weinraute Ruta zum Einsatz. Ruta hilft bei Verletzungen der Knochenhaut und der Sehnen sowie bei Prellungen, Quetschungen und Verrenkungen.

Entspannungstherapien

Entspannungstherapien dienen dem gezielten Abbau von Stress durch Atemtechniken, Dehnübungen und andere Entspannungsmethoden. Richtiges Atmen ist befreiend und fördert unter anderem auch den Prozess sich selbst besser wahrzunehmen. In der Naturheilkunde hat sich zum Beispiel holotropes Atmen bewährt.

Der ergonomische Arbeitsplatz

Als erstes sollten die Stuhlhöhe, der Abstand von Bildschirm zu den Augen und alle ergonomisch relevanten Gegebenheiten am Arbeitsplatz angepasst werden:

  • Die Stuhlhöhe sollte zwischen 40 und 50 Zentimeter betragen,
  • die Tischhöhe zwischen 60 und 75 Zentimeter,
  • auf dem Stuhl sollte man eine aufrechte Sitzposition einnehmen,
  • Knie und Hüfte sollten um circa 90 Grad gebeugt sein,
  • der Abstand zwischen Kopf und Monitor sollte etwa 50 Zentimeter betragen.

Neben einem geeigneten Sitzplatz sollten auch ergonomische Arbeitsgeräte verwendet werden. Dazu zählen ergonomisch geformte Mäuse oder Touchpads. Auch die Tastatur sollte ergonomisch sein und eine angenehme Arbeitshöhe haben, die eine gesunde und entlastende Haltung der Arme, Schultern und des Kopfes ermöglicht.

Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz ist eine wichtige Prävention gegen einen Mausarm. (Bild: Eigenbearbeitung /Original: Volodymyr/fotolia.com)

Alternative Eingabegeräte
Alternative Eingabegeräte wie die Roller Mouse können einem Mausarm vorbeugen. Die Roller Mouse wird über eine Walze bedient, die auf einer Stange lagert. Die Bedienung ist leichtgängig und sowohl mit einer als auch mit beiden Händen möglich. Die Bewegung des Mauszeigers erfolgt, indem der Stab in die gewünschte Richtung verschoben wird. Im Gegensatz zur klassischen Maus kann die Roller Maus lediglich mit den Fingern und nicht mit den gesamten Arm bedient werden.

Eine weitere Alternative bietet der Rollstab. Dieser nimmt die Bewegung durch einen optischen Sensor wahr. Wenn der Benutzer das seitliche Ende des Stabes berührt, wird der Sensor aktiviert und der Mauszeiger bewegt sich in die gewünschte Richtung. Die Bedienung gilt als intuitiv und kann in kurzer Zeit erlernt werden.

Raumklima und Beleuchtung
Zugluft und kalte Hände sollten beim Arbeiten am Computer ausgeschlossen werden. Ein angenehmes Raumklima und ausreichend Frischluft durch regelmäßiges Lüften sollte sichergestellt sein. Die Beleuchtung sollte im Besten Fall das Tageslicht sein. Ersatzweise kann man Tageslichtleuchten verwenden.

Headset
Wer viel telefoniert und dabei noch Tastatur oder Maus bedient, sollte ein Headset verwenden. Dieses sorgt für eine entlastende Kopf und Sitzhaltung, ohne die Arbeitsabläufe einzuschränken.

Mausarm Übungen

Durch die tägliche Arbeit verkürzen sich unsere Muskeln und entwickeln so einen höheren Spannungszustand, der die Beweglichkeit einschränken kann. Durch Dehnen kann die Muskelspannung herabgesetzt und der ursprüngliche Bewegungsradius erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden. Die folgenden Übungen sind hier lediglich Vorschläge und sollten mit einem Therapeuten abgesprochen werden.

Regelmäßige Dehnübungen auch am Arbeitsplatz sind eine gute Möglichkeit, sich vor der Entwicklung eines Mausarms zu schützen. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Handgelenke und Unterarm dehnen
Führen Sie diese Übungen bitte nur durch, wenn Sie schmerzfrei sind. Wenn während den Übungen Schmerzen auftreten, sollten Sie die Übungen abbrechen.

  1. Stellen Sie sich locker und aufrecht hin – mit ausreichend Platz nach vorne,
  2. nun strecken Sie den betroffenen Arm nach vorne aus,
  3. bei gestrecktem Ellenbogen das Handgelenk vorsichtig nach innen beugen (flektieren) – umfassen Sie dazu mit der anderen Hand die Finger und ziehen Sie diese mit sanftem Druck vorsichtig zum Körper, bis Sie ein leichtes Ziehen im Unterarm verspüren,
  4. circa 20 Sekunden halten und drei bis fünf mal wiederholen.

Finger, Handrücken und Handgelenke dehnen
Folgende Übung können Sie zur Vorbeugung durchführen und wenn Sie bereits ein leichtes Ziehen oder ein Taubheitsgefühl spüren. Hierbei können Sie entspannt sitzen bleiben.

  1. Strecken Sie die Finger des betroffenen Arms möglichst weit nach vorne aus,
  2. nun die Hand zu einer Faust ballen, dabei die Finger fest zusammendrücken,
  3. die Faust langsam und soweit es Ihnen möglich ist, nach unten zum Unterarm beugen,
  4. aus dieser Position heraus, die Faust langsam wieder nach oben beugen,
  5. nach circa 30 Sekunden die Finger strecken und entspannen,
  6. die Übung drei bis fünf mal wiederholen.

Kopf und Nacken dehnen
Diese Übung besteht aus verschiedenen Kopfstellungen, die Sie jeweils circa zehn Sekunden halten sollten.

  1. Stellen sie sich locker hin, die Arme hängen locker am Körper,
  2. richten Sie den Kopf nach vorne aus und lassen ihn leicht nach unten hängen,
  3. drehen Sie den Kopf mit Blick auf die Achselhöhle nach links, 10 Sekunden halten,
  4. nun drehen Sie den Kopf nach rechts wieder mit Blick auf die Achselhöhle, 10 Sekunden halten,
  5. zurück in Position 1 und nun mit aufrechter Haltung den Kopf zur Seite nach links in Richtung Schulter neigen, 10 Sekunden halten,
  6. wieder zurück in Position 1 und nun den Kopf zur Seite nach rechts in Richtung Schulter neigen, 10 Sekunden halten,
  7. zurück auf Position 1 und den Kopf nun in den Nacken legen und leicht nach rechts neigen,
  8. anschließend den Kopf aus Position 1 wieder in den Nacken legen und leicht nach links neigen.

Um die Dehn-Wirkung zu verstärken, können Sie den jeweils gegenüberliegen Arm gleichzeitig leicht nach unten ziehen. Diese Übungen drei mal wiederholen.

Dehnen der Maushand
Dies ist eine geeignete Sitzplatzübung für die Hand, mit der die Maus bedient wird:

  1. Nehmen Sie eine bequeme Sitzhaltung ein,
  2. machen Sie eine Faust und drücken sie leicht zu,
  3. öffnen Sie dann die Hand, indem Sie die angezogenen Finger langsam nach außen bewegen,
  4. diese Übung drei bis fünf mal wiederholen.

(ca,vb; aktualisiert am 28.02.2018)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)