Adipositas: Antidepressiva können Gewichtszunahme auslösen

Alexander Stindt

Wie wirken sich Antidepressiva auf das Gewicht aus?

Heutzutage werden immer mehr Menschen mit Antidepressiva behandelt. Hier stellt sich unter anderem die Frage, wie sich die Einnahme dieser Medikamente auf das Gewicht auswirkt? Forscher fanden jetzt heraus, dass die zunehmende Verbreitung von Antidepressiva zu einer langfristigen Gewichtszunahme der Bevölkerung beitragen könnte.


Die Wissenschaftler des King’s College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass die Einnahme von Antidepressiva oft zu einer Gewichtszunahme führt. Die Experten warnen davor, dass die immer häufiger verschriebenen Medikamente zu einer Adipositas-Epidemie beitragen könnten. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „British Medical Journal“ (BMJ).

Viele Menschen in Deutschland sind übergewichtig. Mediziner haben herausgefunden, dass die Einnahme von Antidepressiva Übergewicht und Fettleibigkeit begünstigt. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Antidepressiva begünstigen Übergewicht

Wenn Menschen Antidepressiva über einen längeren Zeitraum einnehmen, führt dies dazu, dass sie zu 21 Prozent häufiger an Gewicht zunehmen. Dieser Effekt war nach zwei bis drei Jahren kontinuierlicher Nutzung am größten, erläutern die Forscher. Zu dem Zeitpunkt sei das Risiko Übergewicht zu entwickeln für zuvor normalgewichtige Patienten um 29 Prozent erhöht. Diese Ergebnisse müssen im Zusammenhang mit der weltweit zunehmenden Fettleibigkeit gesehen werden. So könnte die immer weiter ansteigende Verbreitung von Antidepressiva zur langfristigen Gewichtszunahme der Bevölkerung beitragen, sagt Studienautor Professor Martin Gulliford vom King’s College London.

Daten von 300.000 Patienten wurden analysiert

Antidepressiva sollten immer der letzte Ausweg sein, um mildere Formen der Depression zu behandeln. Betroffene sollten Interventionen wie eine kognitive Verhaltenstherapie priorisieren, betont der Experte. Für die Studie wurden die Daten von 300.000 Patientenakten aus dem Vereinigten Königreich analysiert. Dabei wurde der BMI beachtet und ob die Patienten im vergangenen Jahr Antidepressiva erhalten hatten. Jede Gewichtszunahme von mehr als fünf Prozent wurde genau protokolliert.

Wahrscheinlichkeit für Gewichtszunahme erhöhte sich

Die Wahrscheinlichkeit mindestens eine Gewichtszunahme von fünf Prozent zu erleben, betrug nach einem Jahr bei nicht Antidepressiva einnehmenden Menschen 8,1 Prozent. Wenn die Patienten allerdings Antidepressiva einnahmen, betrug die Wahrscheinlichkeit 11,2 Prozent. Wenn die Patienten drei Jahre lang Antidepressiva einnahmen, war die Wahrscheinlichkeit fünf Prozent an Gewicht zuzunehmen um 46 Prozent erhöht, verglichen mit Personen, welche keine solchen Medikamente einnahmen. Das Risiko einer der Gewichtszunahme blieb über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren erhöht.

Körpergewichtsmanagement ist für Betroffene sehr wichtig

Das Forscherteam untersuchte zwölf der am häufigsten verschriebenen Medikamente zur Behandlung von Depressionen. Alle untersuchten Antidepressiva führten zu einer Gewichtszunahme, allerdings schnitt Mirtazapin besonders schlecht ab. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Behandlung mit Antidepressiva das Risiko erhöht, dass Patienten über einen Zeitraum von mehreren Jahren an Gewicht zunehmen, sagt Studienautor Dr. Rafael Gafoor vom King’s College London. Aus klinischer Sicht verstärken diese Beobachtungen die Notwendigkeit eines aktiven, maßgeschneiderten und nachhaltigen Körpergewichtsmanagements, das Hand in Hand mit der Verschreibung von Antidepressiva geht, fügt der Mediziner hinzu. (as)