Adipotide: Abnehmpille zerstört Fettzellen

Heilpraxisnet

Adipotide: Neuartige Fett-weg-Pille verspricht bahnbrechende Erfolge

28.11.2011

Wie oft hat die Pharmaindustrie in den vergangenen Jahren behauptet, ein neues Wundermittel gegen Übergewicht entdeckt zu haben? Auch dieses Jahr präsentieren amerikanische Forscher eine neue Fettweg-Pille, die beim Abnehmen ohne strenge Diäten oder Sport helfen soll.

Die sogenannten Adipotide bedingen den Ergebnissen von Dr. Renata Pasqualini und Kollegen der University of Texas in Houston zufolge eine Reduzierung der Fettzellen, die sich in einem deutlichen Verlust an Körpergewicht äußert. Die Pille beeinflusst die Blutzufuhr zu lebendem Gewebe und unterbindet auf diese Weise die Sauerstoffzufuhr und Nahrungsversorgung der Fettzellen, woraufhin diese sich nicht regenerieren oder reproduzieren können und absterben. Erstmals haben die Forscher der University of Texas den Einsatz der neuartigen Fettweg-Pille nun an Rhesusaffen getestet und so bei diesen einen Gewichtsverlust von durchschnittlich elf Prozent erreicht.

Bis zu 15 Kilo abnehmen in vier Wochen?
Seit Jahren wurden die Adipotide bereits erfolgreich an Mäusen getestet, wobei laut Aussage der US-Forscher ein Gewichtsverlust von bis zu 40 Prozent bei den Tieren erreicht werden konnte. Einen ähnlichen Effekt konnten die Forscher nun auch bei ihren Versuchen an Rhesusaffen feststellen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Wadih Arap injizierte Studienleiterin Dr. Renata Pasqualini fettleibigen Rhesusaffen die Adipotide und beobachtete anschließend deren Gewichtsentwicklung. Im Schnitt verloren die Tiere im Zuge der vierwöchigen Behandlung rund elf Prozent an Körpergewicht, was umgerechnet auf einen übergewichtigen erwachsenen Menschen einer Gewichtsreduktion von zehn bis 15 Kilogramm entsprechen würde, berichteten die US-Wissenschaftler. Da Rhesusaffen und Menschen sich in ihren Stoffwechseleigenschaften sehr ähnlich sind, zeigten sich Pasqualini und Arab optimistisch, die Pille in Zukunft auch beim Menschen mit vergleichbaren Erfolgen einsetzen zu können. Damit wären die Adipotide als Pille auch beim Menschen eine neuartige Alternative zum Abnehmen. Da durch Adipotide die Fettzellen insgesamt reduziert werden, ist laut Aussage der US-Forscher auch das Risiko einer anschließenden erneuten Gewichtszunahmen deutlich geringer, als bei bisherigen Präparaten.

Abnehmpille zeigt lediglich geringe Nebenwirkungen
Die Zerstörung der Fettzellen macht bei Adipotide den grundsätzlichen Unterschied im Vergleich zu den bisherigen Wirkstoffen aus. So setzten frühere Abnehmpillen eher auf eine Zügelung des Appetits oder eine verminderte Aufnahme von Fetten zum Beispiel durch deren Absorption im Darm. Während Dr. Renata Pasqualini und Dr. Wadih Arap explizit vor den gefährlichen Nebenwirkungen der Appetitzügler warnen, von denen die Europäische Arzneimittelagentur einige bereits verboten hat und andere aufgrund möglicher Gesundheitsschäden derzeit überprüft, stellen die US-Forscher das deutlich reduzierte Nebenwirkungsrisiko der Adipotide heraus. So wurde beispielsweise der Appetitzügler Sibutramin schon 2010 in der EU verboten, da dieser ein erhöhtes Herzinfarkt– und Schlaganfallrisiko mit sich bringt und aktuelle prüfe die EU mögliche Leberschäden durch den Fettaufnahmeblockers Orlistat. Bei den Adipotide, die direkt an den Fettzellen ansetzen, seien die Nebenwirkungen im Gegensatz zu den bisherigen Abnehmmethoden jedoch deutlich geringer, erklärten Pasqualini und Arap. Im Rahmen der Laborversuche mit Tieren hätten die Adipotide nur sehr geringe Nebenwirkungen gezeigt, was laut Aussage der US-Forscher darauf zurückzuführen ist, dass die Adipotide in ihrer Wirkung gezielt auf bestimmte Blutgefäße ausgerichtet sind.

Klinische Studien zur Wirkung von Adipotide geplant
Nachdem die aktuellen Untersuchungen durchaus erfolgreich verliefen, ist laut Aussage der US-Forscher nun für 2012 eine klinische Studie an Patienten mit Prostatakrebs geplant. Diese leiden aufgrund der Krebsbehandlung mit Hormonen oftmals unter einem deutlichen Anstieg des sogenannten Depotfetts und einer entsprechenden Gewichtszunahme. Seit Jahren sind Arap Pasqualini daher auf der Suche nach einem Medikament, dass die Verfettung der Patienten aufhalten oder gar umkehren kann – bei möglichst geringen Nebenwirkungen. Dies sei bei Adipotide der Fall so die Aussage der US-Forscher zu der Wirkung des neuartigen Präparates. So blieben die Rhesusaffen im Rahmen der aktuellen Untersuchung munter und aufmerksam – bei gleichbleibendem Appetit, erläuterte die Studienleiterin. Auffällig war den Forschern zufolge lediglich die Veränderung der Nierenfunktionswerte, wobei sich diese nach Versuchsende jedoch relativ schnell wieder normalisiert hätten. Bezüglich des Gewichtsverlustes war der Effekt von Adopotide jedoch durchaus langfristiger, so Pasqualini und Arap weiter. Bei einem Großteil der Versuchstiere habe sich der Gewichtsverlust auch nach dem Absetzen der Adipotide über einige Wochen fortgesetzt, betonten die US-Forscher.

Kritik an Abnehmpillen
Obwohl Adipotide in Zukunft möglicherweise bei Personen mit Übergewicht und Adipositas eine relativ einfach Methode zur Behandlung der Gewichtsprobleme darstellen könnten, sind derartige Präparate in der Fachwelt durchaus umstritten. Diese sollten nach Ansicht der Kritiker ausschließlich bei krankheitsbedingtem beziehungsweise durch die Behandlung von Erkrankungen verursachtem Übergewicht zum Einsatz kommen. Ist das Übergewicht Folge eines ungesunden Lebensstils mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung, wäre eine derartige Abnehmpille nicht nur das falsche Signal sondern ihre Wirkung vermutlich lediglich von kurzer Dauer, so die Kritik an den umstrittenen Präparaten. Hinzu kommen die möglichen Nebenwirkungen, die in vielen Fällen den Einsatz der Abnehmpillen bei Abwägung des medizinischen Nutzens ausschließen. (fp)