Ärzte entfernen einen 17-Kilo-Tumor

Alfred Domke

Patientin mit 17-Kilo-Tumor: Ärzte entfernen Tumor in der Größe eines Medizinballs

23.06.2013

Einer 50-jährigen Patientin wurde in der Frauenklinik am Krankenhaus Lübbecke-Rahden ein 17 Kilogramm schwerer Tumor entfernt. Der gigantische Eierstocktumor war gutartig.

Keine Schmerzen und keine Beschwerden
Auch wenn es kaum zu glauben ist, aber die Patientin Kerstin Gründling aus Rahden, bei der der Mega-Tumor entfernt wurde, erzählte: „Ich habe keine Schmerzen und keine Beschwerden gehabt.“ Die 50-Jährige, die in einer Bäckerei arbeitet, habe zwar seit vergangenem Herbst eine deutliche Gewichtszunahme bemerkt, sich jedoch nicht viel dabei gedacht, bis dann auch Völlegefühl und letztlich Erbrechen aufgetreten seien. Ähnlich verhielt es sich im August letzten Jahres, als einer Frau an der Uniklinik Köln ein mehr als 14 Kilogramm schwerer Eierstocktumor entfernt wurde. Auch sie beobachtete zwar seit rund sechs Monaten eine leichte und seit anderthalb Monaten eine deutliche Gewichtszunahme sowie eine Zunahme des Bauchumfanges, fühlte sich ansonsten jedoch wohlauf.

Auch die Rahdenerin hatte erst spät bemerkt: „Irgendwas stimmt mit mir nicht.“ Sie hatte sich lediglich für zwei Tage bei der Arbeit abgemeldet, um sich im Rahdener Krankenhaus untersuchen zu lassen. „Dass man mich gleich im Krankenhaus behalten würde, habe ich nicht geahnt.“ Dr. Nils Ewald, Chefarzt der Inneren Medizin, erklärte: „Eigentlich sollten nur eine Ultraschalluntersuchung und eine Magenspiegelung gemacht werden.“ Bei unklaren Beschwerden im Verdauungsbereich sei dies eine Standardprozedur. „Doch schon beim Ultraschall wurde deutlich: Da ist etwas, und es ist groß“, so Ewald. Klarheit schaffte dann eine Untersuchung mit dem Computertomographen: ein einseitiger Tumor der Eierstöcke, der schnell operiert werden musste.

Tumor hatte Magen und Därme plattgedrückt
Das CT-Bild wurde per Datenleitung nach Minden überspielt und die Fachleute waren sich einig. Die Patientin wurde umgehend nach Lübbecke in die Gynäkologische Abteilung verlegt und deren Chef Dr. Albert Neff machte ihr deutlich, dass eine Operation notwendig werden würde. Heute sagt die gebürtige Greifswalderin: „Ich konnte es erst gar nicht glauben. Doch Dr. Neff blieb ernst, und da merkte ich, dass es kritisch ist. Und bei mir rollten die ersten Tränen.“ Bereits fünf Tage nach der ersten Untersuchung wurde operiert.

Dr. Neff erläutert: „Der Tumor hatte Magen und Därme plattgedrückt. Es war kein Wunder, dass die Patientin nur noch wenig essen konnte.“ Außerdem fügte der erfahrene Frauenarzt über die zweistündige Operation an: „Es war auch ein großer Schnitt erforderlich, um den Tumor im Ganzen herauszuholen. Das ging erfreulicherweise leicht.“ Danach wurde das Gewebe des Tumors untersucht. „Erst nach eine OP können wir sagen, ob der Befund gut- oder bösartig ist. Röntgenbilder zeigen uns das nicht an. Diesmal war alles in Ordnung: Kein Krebs“, so der Operateur. Darüber hinaus erläuterte er: „Der Tumor hatte ein Ausmaß von 30 mal 40 Zentimetern, so wie ein Gymnastikball.“ Allerdings wog er nicht wie ein Ball drei Kilo, sondern 17 Kilogramm.

Patientin rät zu Vorsorgeuntersuchungen
Wie ein so riesiger Tumor unbemerkt entstehen kann, erklärte Dr. Neff: „Das Gewebe wächst relativ langsam. So merken viele Betroffene erst sehr spät, dass sie eine ernsthafte Erkrankung haben.“ Ungewöhnlich sei es aber schon, dass ein Eierstocktumor derartige Ausmaße annimmt. Die Patientin, die sich auf dem Weg der Besserung befindet, sagte: „Ich habe gar nichts gemerkt und habe keinen Verdacht auf eine Unterleibs-Erkrankung gehabt, weil meine Gebärmutter bereits vor Jahren entfernt worden war.“ Die 50-Jährige empfiehlt allen Frauen, sich regelmäßig beim Gynäkologen untersuchen zu lassen. „Deswegen habe ich auch zugestimmt, dass meine Geschichte öffentlich gemacht wird.“ Eigentlich ist es allgemein bekannt, dass Krebsvorsorge sinnvoll und oft sogar lebensrettend sein kann. Allerdings gebe es dabei Nachbesserungsbedarf, nicht so sehr wegen den vorliegenden Angeboten, sondern vielmehr wegen der mangelnden Nachfrage, wie anlässlich der Vorstellung des Krebsbericht Bayern erklärt wurde. So nutzen in Bayern nur etwa die Hälfte aller in Betracht kommenden Frauen die Krebsvorsorge und nur circa ein Viertel der Männer machen davon Gebrauch. Auf den aktuellen Fall in Nordrhein-Westfalen bezogen, sagte Dr. Albert Neff: „Richtig ist, dass bei jeder Routineuntersuchung der Tumor frühzeitiger aufgefallen wäre.“ Viele Frauen würden aber aus Scham nicht zum Frauenarzt gehen. (ad)

Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de