Ärzte erzielen großen Durchbruch bei der Behandlung von Parkinson

Alexander Stindt

Besseres Verständnis des Enzyms PINK1 könnte Parkinson-Therapie revolutionieren

Medizinern ist jetzt ein großer Durchbruch bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit gelungen. Die Experten haben die Struktur eines Schlüsselenzyms identifiziert, welches das Gehirn vor Parkinson schützen kann. Durch eine besseres Verständnis dieses Schlüsselenzyms wird es in Zukunft hoffentlich möglich sein, effektive Medikamente gegen Parkinson zu entwickeln.

Den Wissenschaftlern der University of Dundee ist es jetzt gelungen, die Struktur des Schlüsselenzyms mit der Bezeichnung PINK1 zu identifizieren. Dieses Enzym scheint in der Lage zu sein, das Gehirn vor Parkinson zu schützen. Die Forscher veröffentlichten die Ergebnissen ihrer Studie in der Fachzeitschrift „eLIFE“.

Mediziner haben die Struktur des Enzyms PINK1 identifiziert. Ein besseres Verständnis dieses Enzyms könnte in Zukunft zu einem effektiven Schutz vor Parkinson führen. (Bild: rob3000/fotolia.com)

Forschung könnte zur Entwicklung von neuen Medikamenten beitragen

Nach einem Jahrzehnt der Forschung gelang es den Wissenschaftlern jetzt, die Struktur und die Funktionsweise von PINK1 zu verstehen. Dies gibt den Experten die Möglichkeit zu untersuchen, wie PINK1 eine protektive Rolle gegen Parkinson übernehmen kann, erklärt Dr. der Autor Miratul Muqit. Das neue Wissen könne in Zukunft zur Entwicklung von neuen Medikamenten genutzt werden.

Mutationen im PINK1-Gen wurden bei Patienten mit Parkinson festgestellt

Parkinson ist eine sogenannte progressive degenerative Erkrankung des Gehirns, welche auch in der heutigen Zeit noch unheilbar ist. Es ist bereits seit einiger Zeit bekannt, dass Mutationen im PINK1-Gen bei Patienten mit frühen Formen von Parkinson identifiziert worden. Es besteht daher ein großes Interesse daran, PINK1 als eine Ansatz der Parkinson-Therapie zu verwenden. Allerdings war die mangelnde Kenntnis über die Struktur des Enzyms hierbei bislang ein Problem, erläutert Professor van Aalten. Die neue Forschung hat nun den Rahmen für zukünftige Studien geschaffen, in denen neue Moleküle zur Aktivierung von PINK1 identifiziert werden können.

PINK1-Mutationen führt zur Degeneration von Zellen

PINK1 kodiert eine spezielle Klasse von Enzymen, welche allgemein als Kinase bekannt ist, sagen die Mediziner. Diese Klasse von Enzymen spiele eine entscheidende Rolle beim Schutz der Gehirnzellen vor Stress. Bei Patienten mit einer PINK1-Mutationen geht diese schützende Wirkung allerdings verloren. Dadurch entsteht eine Degeneration der Zellen, die für die Bewegungssteuerung erforderlich sind und die typischen Parkinson-Symptome sind die Folge.

PINK1 erfasst Schäden an Mitochondrien und leitet dann Schutzmaßnahmen ein

Frühere Forschungsarbeiten hatten bereits gezeigt, dass die Hauptrolle des PINK1-Enzyms darin besteht, Schäden an den Energiezentren von speziellen Zellen (Mitochondrien) zu erfassen. Dann kann eine Schutzwirkung eingeleitet werden, welche besonders zwei Schlüsselproteine (Ubiquitin und Parkin) umfasst. So soll der auftretende Schaden reduziert werden. Es war allerdings unbekannt, wie dieser Vorgang genau abläuft. PINK1 besitzt einzigartige Kontrollelemente, welche in anderen Enzymen dieser Klasse nicht gefunden werden konnten, berichten die Experten. Diese Kontrollelemente erklären wie Ubiquitin und Parkin einen Schutz vor Parkinson bieten können.

Die aktuelle Untersuchung liefert detaillierte Einblicke dazu, wie Mutationen bei hunderten von Parkinson-Patienten weltweit die Funktion des Enzyms unterbrechen, so Professor van Aalten in einer Pressemitteilung der University of Dundee.

Zusammenarbeit bei der Forschung führt zu erstaunlichen Ergebnissen

Die aktuelle Studie ist ein gutes Beispiel für kollaborative Forschung. Nur durch die Zusammenarbeit von mehren Experten mit unterschiedlicher Expertise konnte das Verständnis über PINK1 verbessert werden. Jetzt gilt es viele neue interessante Fragen zum Enzym PINK1 zu beantworten, welche bei zukünftigen Studien genauer untersucht werden müssen, erklären die Wissenschaftler. Ihre Forschung konzentriere sich darauf, die grundlegenden Aspekte der Ursachen von Parkinson zu identifizieren. So hoffen wir in Zukunft neue Ansätze zur Behandlung der Krankheit zu entwickeln, fügt der Autor Dr. Muqit hinzu.

Grundlagenforschung ist sehr wichtig, um verschiedene Krankheiten besser zu verstehen

Das PINK1-Protein steht weltweit im Fokus der Forschung. Daher sind die neusten Erkenntnisse der University of Dundee ein bahnbrechender Schritt für die Wissenschaft. Die Struktur von PINK1 enthält viele Hinweise darauf, was genau bei einer Parkinson-Erkrankung vor sich geht. Die grundlegende Struktur dieses Proteins zu bestimmen, war entscheidend für das Verständnis seiner Zellfunktion und ebnet den Weg für die Entwicklung von Medikamenten gegen Parkinson. Entsprechende Grundlagenforschung ist sehr wichtig für das Verständnis und die Behandlung vieler Krankheiten, wobei nur durch eine Zusammenarbeit von verschiedenen Experten derartige Durchbrüche erreicht werden können. (as)