Alkoholabhängigkeit beginnt oft in der Pubertät

Heilpraxisnet

ZI-Studie: Alkoholkonsum in der Pubertät steigert das Risiko einer Alkoholabhängigkeit

13.12.2013

Alkoholkonsum in der Pubertät hat einen Einfluss auf das spätere Trinkverhalten und erhöht das Risiko, eine Alkoholsucht zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI), die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht wurde. Besonders gefährdet sind demnach Jugendliche, die im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren erstmals Alkohol trinken. Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Jugendliche ein riskanteres Trinkverhalten im Erwachsenenalter aufweisen, je früher sie begonnen hatten Alkohol zu konsumieren. Bei ihnen entwickelt sich eher eine Alkoholsucht als bei anderen. Das Abhängigkeitssyndrom, wird umgangssprachlich auch als Sucht bezeichnet. Hier spielt das Belohnungssytem im Gehirn eine wesentliche Rolle bei der Suchtentstehung.

Eine Studie des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI), die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nun veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass nicht nur das Alter des erstmaligen Alkoholkonsums allein ein Indikator für eine spätere Alkoholsucht ist. Vielmehr spielt der aktuelle Reifungsgrad des Gehirns dabei eine entscheidende Rolle. Denn während der Pubertät finden massive Umbau- und Reifungsprozesse im Gehirn statt, die an der Ausbildung von Motivation, der Verarbeitung von Gefühlen und auch bei der Entwicklung von Abhängigkeit beteiligt sind. Neben den Reifungsprozessen während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt ist die Pubertät die zweitwichtigste Phase für die Entwicklung unseres Gehirns, erklärt Miriam Schneider, Co-Autorin der Studie.

Die Phasen der Pubertät bei Mädchen und Jungen sind biologisch bedingt unterschiedlich. Während die Pubertät bei Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren stattfindet, sind Jungen zwischen 12 und 17 Jahren in dieser Lebensphase. Es wird davon ausgegangen, dass Alkohol die ablaufenden Prozesse stört und als Folge jugendliche Alkoholkonsumenten im Erwachsenenalter häufiger und auch mehr trinken.

„In der Pubertät wird häufig das Fundament für späteres Trinkverhalten gelegt“, so Schneider. Die Wissenschaftler hatten in der Studie die Daten von 283 Jugendlichen, die im Alter von drei Monaten und anschließend regelmäßig bis zu ihrem 23. Lebensjahr untersucht wurden, ausgewertet. Im Fokus stand dabei die Entwicklung der Kinder und unter welchen sozialen Bedingungen sie heranwuchsen. Denn in der Vergangenheit wurde auch die Meinung vertreten, dass das soziale Umfeld maßgeblich an der Entstehung einer Alkoholsucht beteiligt ist.

Es konnte festgestellt werden, dass je später Jugendliche angefangen haben Alkohol zu konsumieren, desto geringer war das Risiko für eine spätere Alkoholsucht. Für die BZgA-Direktorin Elisabeth Pott sind diese Ergebnisse eine Beleg dafür, dass Suchtpräventionskampagnen das Einstiegsalter für den Alkoholkonsum möglichst weit hinauszuzögern müssen und sie verweist dabei auf frühere Studien, die einen Rückgang des Alkoholkonsums bei Jugendliche im Alter zwischen zwölf bis 15 Jahren ergeben haben. Zwischen 2004 und 2011 habe sich das Durchschnittsalter, in dem Jugendliche in Deutschland erstmals mit Alkohol in Kontakt kommen, immerhin um fünf Monate nach hinten verschoben. Laut Studie griffen Jugendliche in Deutschland im Durchschnitt mit 14,5 Jahren erstmals zur Flasche.

Immer mehr Jugendliche nach Koma-Saufen in Kliniken
Doch nicht nur Positives ist im Bezug auf den Alkoholkonsum von Jugendlichen zu vermelden. Die Zahl der „Komasäufer“, die mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten, ist nach statistischen Auswertungen der DAK noch immer mit Sorge zu betrachten. Demnach wurden im Jahr 2012 mehr als 25.600 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung registriert. Vergleicht man jedoch die Werte mit den Zahlen aus 2003, ist ein Rückgang um beinahe 90 Prozent zu erkennen und zeigt, wie effektiv die Bemühungen der Regierung zu bewerten sind. Für Lehrkräfte, die bei ihrer Arbeit mit dem Thema „Alkohol und Jugend“ zu tun haben, bringt die BZgA Anfang 2014 umfassendes Lehrmaterial heraus, das sich für die Jahrgangsstufen sieben bis zehn eignet. (fr)

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