Appetitlosigkeit verschlechtert den Verlauf bei vorliegender Herzschwäche

Alfred Domke

Gesundheitsrisiko: Appetitlosigkeit verschlechtert Krankheitsverlauf bei Herzschwäche

Gesundheitsexperten zufolge leiden etwa zwei bis drei Millionen Bundesbürger an einer Herzinsuffizienz. Viele von ihnen sind ältere Menschen, denen oft der Appetit fehlt. Forscher haben nun herausgefunden, dass Appetitlosigkeit bei Patienten mit Herzschwäche ein zusätzliches Gesundheitsrisiko darstellt.

Wenn das Herz den Körper nicht mehr ausreichend versorgen kann

In Deutschland leiden etwa zwei bis drei Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Viele der Patienten sind ältere Menschen, die häufig auch an Begleiterkrankungen leiden, unter anderem an Appetitlosigkeit. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben nun herausgefunden, dass sich bei Herzschwäche-Patienten, denen der Appetit fehlt, der Krankheitsverlauf verschlechtert.

Viele Patienten mit Herzschwäche sind ältere Menschen, die oft nur wenig Appetit haben. Forscher haben nun festgestellt, dass sich bei Herzschwäche-Patienten mit Appetitlosigkeit der Krankheitsverlauf verschlechtert. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Großteil der Herzschwäche-Patienten sind ältere Menschen

Über 80 Prozent der Patienten mit Herzschwäche sind ältere Menschen, die zum größten Teil auch an Begleiterkrankungen leiden. Diese zusätzlichen Gesundheitsprobleme beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und das Überleben von Herzschwäche-Patienten.

Typische Begleiterkrankungen sind etwa Muskelschwund sowie ungewollter Gewichtsverlust durch den Abbau von Muskulatur. Auch Appetitlosigkeit wird bei Herzschwäche-Patienten häufig beobachtet.

Dennoch war bislang wenig darüber bekannt, wie sich die verminderte Esslust auf den Krankheitsverlauf bei Herzschwäche-Patienten auswirkt.

Privatdozent Dr. Dr. Stephan von Haehling von der Universitätsmedizin Göttingen und seine Kollegen haben deshalb im Rahmen der EU-finanzierten SICA-HF-Studie (Studies Investigating Co-morbidities Aggravating Heart Failure) untersucht, ob sich Appetitlosigkeit auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die Überlebensrate von Herzschwäche-Patienten auswirkt.

Darüber hinaus haben sie nach Faktoren gefahndet, die zum Verlust des Appetits beitragen können. Im Fachmagazin „ESC Heart Failure“ berichteten die Forscher über ihre Ergebnisse.

Ungünstiges Zusammenspiel

Insgesamt 166 klinisch stabile, nicht stationäre Herzschwäche-Patienten erhielten die Frage, ob sie ihren Appetit verloren haben, und ein Drittel gab an, unter Appetitlosigkeit zu leiden.

Die körperliche Leistungsfähigkeit der Studienteilnehmer wurde unter anderem mit Gleichgewichtsübungen, einem 6-Minuten-Gehtest sowie Tests zur Ausdauer und Kraft ermittelt.

Dabei zeigte sich, dass die Leistung schlechter war, wenn sich der Appetit der Studienteilnehmer verringert hatte. Die Fitness war sogar noch stärker eingeschränkt, wenn zusätzlich zur Appetitlosigkeit (Anorexia) ein ungewollter, starker Gewichtsverlust (Kachexie) vorlag.

Mehr Todesfälle bei geringem Appetit

Die Göttinger DZHK-Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass das Sterberisiko im Lauf von zwei Jahren erhöht ist, wenn Herzschwäche-Patienten weniger Appetit haben. Kachexie hatte auch hier einen zusätzlichen negativen Effekt.

„Das Zusammenspiel von Kachexie und Appetitlosigkeit ist komplex und auch bei anderen chronischen Erkrankungen ein Problem“, erläutert von Haehling.

„So ist das ,Anorexie-Kachexie-Syndrom’ etwa bei Krebspatienten als negative Krankheitsfolge bekannt und seine Behandlung stellt eine große Herausforderung dar.“

Mögliche Auslöser

Auf der Suche nach Faktoren, die Appetitlosigkeit bei Herzschwäche begünstigen, fanden die Wissenschaftler drei unabhängige Vorhersagemerkmale: die Aktivierung von Entzündungshormonen, die Einnahme von Schleifen-Diuretika und Kachexie.

„Bei Herzschwäche-Patienten liegen an sich schon erhöhte Entzündungswerte vor, wenn diese Werte noch überschritten werden, wird es wahrscheinlicher, dass der Appetit schwindet“, erklärt von Haehling.

Die harntreibenden Schleifen-Diuretika werden Herzschwäche-Patienten verordnet, um die Wassereinlagerungen im Gewebe abzubauen.

Vermutlich können sie über den Verlust von Spurenelementen wie Zink dazu führen, dass der Geschmackssinn und damit auch der Appetit nachlassen.

Die Wissenschaftler meinen: Behandelnde Ärzte müssen die Ernährungsgewohnheiten und den Ernährungszustand ihrer Patienten bei der Behandlung der Herzschwäche im Blick haben.

„Diese Faktoren sollten ein grundlegender Bestandteil bei der medizinischen Gesamtbeurteilung von Herzschwäche-Patienten sein“, empfiehlt von Haehling. (ad)