Arthroskopie des Kniegelenks ohne Besserung

Nina Reese

Chirurgischer Eingriff bei Kniegelenk-Arthrose nicht wirksamer als Physiotherapie

13.05.2014

Bei einer Kniegelenk-Arthrose kann durch einen chirurgischen Eingriff offenbar kein größerer Erfolg erzielt werden als durch eine nichtmedikamentöse Behandlung wie beispielsweise eine gezielte Physiotherapie. Zu diesem Ergebnis sind Forscher des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gekommen.

17 Prozent aller Männer und 27 Prozent aller Frauen von Gonarthrose betroffen
Wenn die Knie steif werden und jeder Schritt zum Teil massive Schmerzen verursacht, liegt gerade bei älteren Menschen häufig eine sogenannte „Kniegelenk-Arthrose“ (Gonarthrose) vor. Dabei handelt es sich um einen vorzeitigen Verschleiß der knorpeligen Gelenkflächen des Kniegelenkes, der zu den am häufigsten auftretenden Abnutzungserscheinungen in den Gelenken zählt. Hierzulande betrifft die Gonarthrose rund 17 Prozent aller Männer und 27 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens, bei welcher durch Ablagerungen oder erhöhte Belastungen (Tätigkeit im Knien, Übergewicht, Fehlstellungen, Gelenkentzündungen usw.) die Knorpelschicht nach und nach zurück geht und im weiteren Verlauf sogar der Gelenkknochen angegriffen werden kann. Liegt eine Kniegelenks-Arthrose vor, äußert sich dies oft zunächst durch starke Schmerzen zu Beginn der Bewegung (Anlaufschmerz), die erst langsam nachlassen, dann aber nach anhaltender Belastung wieder auftreten. Neben dem kommt es zu Schmerzen nach langem Sitzen sowie knirschenden und knackenden Geräuschen beim Bewegen des Knies, im weiteren Verlauf kommt es dann auch zu Schmerzen im Ruhezustand.

Bei Arthroskopie wird das Gelenk gesäubert und gespült sowie der Knorpel geglättet
Um die Beweglichkeit des Gelenks zu erhalten und Schmerzfreiheit zu erreichen, wird bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose oft ein arthroskopischer Eingriff (Arthroskopie) vorgenommen, bei welchem das Gelenk gesäubert und gespült sowie bei Bedarf krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet werden (Debridement). Der Vorteil dieses minimal-invasiven Verfahrens wird zumeist darin gesehen, dass vergleichsweise wenig Gewebe verletzt wird und nur wenige winzige Narben zurückbleiben. Doch offenbar hat auch diese OP-Technik ihre Grenzen – denn wie Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nun herausgefunden haben, lindert diese die Symptome nicht besser als nichtmedikamentöse Behandlungen wie beispielsweise Physiotherapie. Dementsprechend könne auf diesen Eingriff im Grunde von Vornherein verzichtet und gleich auf sanftere Therapieverfahren gesetzt werden.

Kein Hinweis oder Beleg für einen Nutzen der therapeutischen Arthroskopie
Wie sinnvoll ist eine therapeutische Arthroskopie tatsächlich? Diese Frage stellten sich die Forscher des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und werteten in diesem Zusammenhang elf Studien aus, bei denen diese mit mehreren anderen Maßnahmen wie Nichtbehandlung, Scheinbehandlung, medikamentöser (beispielsweise Kortisoninjektionen) und nicht-medikamentöser Behandlung verglichen wurden. Die Forscher untersuchten dabei zum einen, wie sich die verschiedenen Maßnahmen auf die Lebensqualität und Aktivität der Patienten auswirkten, aber auch inwieweit die Schmerzen gelindert werden konnten oder Nebenwirkungen auftraten. Dabei zeigte sich ein klares Ergebnis: In den meisten Fällen hatte die Arthroskopie keinen positiveren Effekt als eine Scheinoperation – stattdessen war der Placebo-Effekt bei den Scheinarthroskopien aber auffallend stark, so die Wissenschaftler. Zudem zeigte sich, dass durch andere Therapieformen wie beispielsweise gezielte Krankengymnastik die Symptome ebenso gut gelindert werden konnten wie durch eine OP. „Der Nutzen der therapeutischen Arthroskopie mit Lavage und gegebenenfalls Debridement zur Behandlung einer Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose) ist nicht belegt. Für keinen patientenrelevanten Endpunkt zeigte sich gegenüber nicht aktiven Vergleichsinterventionen, beispielsweise Scheinoperationen, ein Anhaltspunkt, Hinweis oder Beleg für einen Nutzen der therapeutischen Arthroskopie“, so das Gesamtergebnis des IQWiG. (nr)

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