Arzneimittel-Dosierung bei Kindern problematisch

Fabian Peters

Dosierung von Arzneimitteln für Kindern nicht einfach halbieren

01.08.2011

Nicht alle freiverkäufliche Arzneimittel sind für Kinder geeignet und bei der Dosierung ist generell Vorsicht geboten, warnt die Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Die Menge einfach zu halbieren oder entsprechend dem Körpergewicht der Kinder runter zu rechen, sei keine geeignete Vorgehensweise, erklärte die Expertin.

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Außerdem sollten Eltern bei den freiverkäuflichen Arzneimitteln besonders auf den Beipackzettel achten, erläuterte die Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, Erika Fink. Wenn keine Dosis für Kinder auf dem Beipackzettel vermerkt ist, sei das Medikament für Kinder ungeeignet, warnte die Expertin. Laut Aussage von Erika Fink brauchen Kinder auch bei den freiverkäuflichen Wirkstoffen anders ermittelte Arzneimitteldosen, weil beispielsweise ihre Haut wesentlich dünner ist als bei Erwachsenen und Cremes oder Salben daher leichter in größeren Mengen durchdringen können. Zudem sei die Blut-Hirn-Schranke bei Kindern noch nicht voll ausgebildet, was zur Folge habe, dass im Blutkreislauf enthaltene Wirkstoffe, möglicherweise mit dem Blut ins Gehirn gelangen und dort unerwünschte Nebenwirkungen verursachen können.

Freiverkäufliche Arzneimittel nicht generell ungefährlich
Die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Cornelia Goesmann, hatte bereits Ende des letzten Jahres – angesichts einer umfassenden Studie des „Instituts für Demoskopie Allensbach“ zu der Einnahme freiverkäuflicher Arzneimittel – vor den Risiken der Selbstmedikation mit rezeptfreien Medikamenten gewarnt. „Rezeptfrei“ sei keineswegs mit „harmlos“ gleichzusetzen, betonte die Expertin. „Selbst so gängige und gern verwendete Mittel wie Paracetamol können bei einer Überdosierung schwere Leberschäden verursachen“, betonte Dr. Goesmann. Etwa jeder fünfte Anwender leide bei dem Schmerzmittel unter ernsthaften Nebenwirkungen, so die damalige Stellungnahme des Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker, Dr. Martin Schulz, zu den Ergebnissen der Studie des „Instituts für Demoskopie Allensbach“. Dr. Schulz unterstrich, dass der regelmäßige hohe Konsum von Schmerzmitteln selbst Kopfschmerzen auslösen kann und Patienten daher Schmerzmittel maximal an zehn Tagen des Monats und auf keinen Fall länger als drei Tage hintereinander einnehmen sollten. „Rezeptfreie Medikamente sind zwar problemlos zu bekommen, unproblematisch sind sie aber nicht“, so die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer im Oktober vergangenen Jahres. Auch als „rein pflanzlich“ deklarierte Wirkstoffe seien dabei keinesfalls grundsätzlich harmlos. Zum Beispiel können „Johanniskrautprodukte (…) die chemische Wirkung anderer Arzneien stark verändern und sollten auf keinen Fall ohne Absprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden,“ betonte die Expertin. (fp)

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Bild: Dr. Stephan Barth / pixelio.de