Ausgaben für Arzneimittel explodieren

Fabian Peters

Krankenkassen: 485 Euro Arzneimittelausgaben pro Kopf

04.05.2011

Bei den gesetzlichen Krankenversicherungen explodieren die Kosten. Unter Berufung auf die Statistiken des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen teilte die Techniker Krankenkasse (TK) mit, dass die Mitglieder der gesetzlich Versicherungen im Jahr 2010 durchschnittlich für 485 Euro pro Kopf Medikamente verschrieben bekamen.

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Der Gesamtbetrag der erforderlichen Verschreibungen für die gesetzlich Versicherten sei auf 34 Milliarden Euro gestiegen, berichtet die Techniker Krankenkasse. Die gesetzlichen Krankenversicherungen klagen bereits seit längerem über den erheblichen Kostenaufwand, der durch die medikamentöse Versorgung der Patienten entsteht. Insgesamt wurden im Jahr 2010 rund 693 Millionen Arzneimittel-Packungen verschrieben, was einer Quote von zehn Verschreibungen pro Kassenpatient entspricht

Kosten für Arzneimittelverschreibungen massiv gestiegen
Den Angaben der TK zufolge sind die Kosten im Bereich der Arzneimittelverschreibungen im Jahr 2010 um knapp zwei Milliarden Euro beziehungsweise rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Insgesamt wurden von den niedergelassenen Ärzten Arzneimittel im Wert von rund 34 Milliarden Euro verordnet, was bei etwa 70 Millionen gesetzlich Versicherten einer Summe von 485 Euro pro Kopf entspricht. Dabei stellte die Techniker Krankenkasse jedoch erhebliche regionale Unterschiede bei der Vergabe von Rezepten fest. In Bayern wurde demnach am sparsamsten gehandelt und es entstanden lediglich Kosten von 443 Euro pro Kassenpatient, was einem Wert von knapp neun Prozent unter dem Bundesdurchschnitt entspricht. In Mecklenburg-Vorpommern wurden hingegen am meisten Rezepte verschrieben und es fielen Kosten von 599 Euro pro Kassenpatient an, womit das Bundesland 24 Prozent über dem deutschlandweiten Durchschnitt liegt. Allerdings bleibt bei diesen Angaben unerwähnt, dass die Verschreibungen in Mecklenburg-Vorpommern wahrscheinlich aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes der Patienten so hoch ausfallen und nicht weil die Ärzte besonders großzügig verordnen. Auch weisen die Niedrigen Pro-Kopf-Ausgaben in Bayern eher auf die bessere Gesundheit der Versicherten hin, als auf den Sparwillen der bayrischen Ärzte.

Versicherte zahlen 1,9 Milliarden für benötigte Arzneimittel
Die massive Kostensteigerung bei den Arzneimittelausgaben betrifft jedoch nicht nur die Versicherungen, sondern auch ihre Mitglieder. So mussten die Patienten den Angaben der Techniker Krankenkasse zufolge im Jahr 2010 Zuzahlungen in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro für die benötigten Arzneimittel aufbringen, was einer Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dass sich auch die schwarz-gelbe Bundesregierung daher mit der Verabschiedung des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) bemühte, die Kostensteigerung im Bereich der Arzneimittelausgaben deutlich zu reduzieren, war eine logische Schlussfolgerung. Doch wie so oft bei Gesetzen, bestimmen am Ende die Details den Erfolg und so bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierung mit ihren – nicht nur von Kritikern aus Reihen der Opposition – als eher zögerlich bewerteten Schritten im laufenden Jahr einer Reduzierung bei den Arzneimittelausgaben pro Kopf bewirken kann. (fp)