Bakterien konnten Krebszellen angreifen

Fabian Peters

Bakterien zerstörten bei Studie Krebstumore

24.04.2013

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist bis heute nur in seltenen Fällen erfolgreich therapierbar. Allerdings könnte sich dies in Zukunft dank der neuesten Erkenntnisse eines Forscherteams des Albert-Einstein-College in New York deutlich ändern. Den Wissenschaftlern um Claudia Gravekamp und Ekaterina Dadachova ist es gelungen, radioaktive Isotope zur Zerstörung der Krebszellen mittels Bakterien in den Organismus von Mäusen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs einzuschleusen. Ihre Ergebnisse haben sie in dem renommierten Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht.

„In der Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs hat sich im Laufe der letzten 25 Jahre keine signifikante Verbesserung ergeben, was die dringende Notwendigkeit für neue alternative Therapien unterstreicht“, begründeten die US-Forscherinnen ihre aktuellen Untersuchungen. Sie nutzen zur gezielten Bekämpfung des Bauchspeicheldrüsenkrebszellen eine revolutionäre Methode. Mittels Bakterien wurde ein Radioisotop durch den Organismus krebskranker Mäuse direkt zu den Krebszellen geschleust. Der Erfolg war beeindruckend. Ein Großteil der Bauchspeicheldrüsenkrebszellen wurde vernichtet, während die gesunden Zellen unversehrt blieben.

Bakterien gegen Krebszellen
Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass Bakterien der Gattung Listeria nur Tumorzellen befallen, während gesunde Zellen den Bakterien in der Regel widerstehen. Gravekamp und Dadachova wollten den Effekt für die gezielte Zerstörung von Krebszellen nutzen und haben zu diesem Zweck „das Radioisotop 188 Rhenium an die Bakterien gekoppelt.“ So werde eine Bestrahlung in den Krebszellen ausgelöst, die idealerweise deren Zerstörung auslöse, schreiben die US-Forscherinnen. Die Radiologie-Professorin Ekaterina Dadachova erklärte, dass 188 Rhenium ihnen für das neuartige Verfahren gut geeignet erschien, da dessen Wirkung aus der Krebstherapie bekannt sei und die geringe Halbwertszeit von 17 Stunden sicherstelle, dass der Organismus beziehungsweise das gesunde Gewebe nur relativ kurz der Belastung ausgesetzt wird.

Das neu gewonnene, einzigartige radioaktive Bakterium injizierten die US-Forscherinnen im Rahmen ihrer Untersuchungen Mäusen mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eine Woche lang erhielten die Mäuse täglich eine Injektion. Anschließen wurden den Mäusen vier weitere Injektionen bis zum Ende des Versuchszeitraums verabreicht, welches nach 21 Tagen erreicht war, da die Mäuse der Kontrollgruppe zu sterben begannen. Die folgende Untersuchung der Tiere ergab, dass die Injektion des radioaktiven Bakteriums eine Verringerung der Metastasen um 90 Prozent bewirkte. Dabei wurden die gesunden Zellen weitestgehend verschont.

Dieses Ergebnis war möglich, weil die Bakterien durch das Immunsystem in normalen Geweben effizient bekämpft wurden, „aber nicht in der stark immunsupprimierten Mikroumgebung von Metastasen und Primärtumoren“, schreiben die US-Forscherinnen. Sie gehen davon aus, dass bei einer längeren Versuchslaufzeit eine noch deutlichere Reduktion der Metastasen möglich gewesen wäre. Um "eine 100-prozentige Beseitigung der Metastasen zu erreichen, könne den Bakterien im Zweifelsfall auch noch ein weiteres Krebsmedikamenten angehängt werden". Möglicherweise stehen wir am Beginn einer neuen Ära bei der Behandlung von metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs, so das Fazit Gravekamp und Dadachova.

Schlechte Prognose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Bislang ist die Situation bei Bauchspeicheldrüsenkrebs für die Betroffenen oftmals recht aussichtslos, nicht zuletzt, da das zunächst in der Regel symptomlos verlaufende Pankreaskarzinom meist erst relativ spät entdeckt wird. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind die Tumore häufig nicht mehr operativ zu entfernen und es hat bereits eine Metastasierung eingesetzt. Die Erfolgsaussichten einer klassischen Chemotherapie gelten hier ebenfalls als äußerst eingeschränkt. So liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Bauchspeicheldrüsenkrebs allgemein extrem niedrig. (fp)