Bakterien-Sprays statt des täglichen Duschens?

Dr. Utz Anhalt

Statt Duschen ein Bakterienspray?

Das „Motherdirt“-Spray soll an die Stelle der Dusche treten. Das Bakterienspray kommt dieses Jahr auf den Markt, und die Lebendkulturen der Bakterien ahmen das Schlammbad der Tiere nach. Doch Experten zeigen sich kritisch. Soll ein solches Spray tatsächlich tägliches Waschen reduzieren oder gar überflüssig machen?

Schweißgeruch trotz Spray?

Probanden berichteten jedoch, dass sie nach Schweiß gerochen hätten. Der Wissenschaftler Cord Sunderkötter aus Halle bestätigt dies, da die Bakterien Ammoniak in Schweiß verwandelten.

Wildschweine suhlen sich im Schlamm, um Krankheitserreger los zu werden. Der Chemiker David Whitlock erfand jetzt ein Spray, das Bodenbakterien enthält als Alternative zum Duschen. (Bild: creativenature.nl/fotolia.com)

Mittel gegen Hautkrankheiten?

Die Hersteller preisen ihr Mittel auch gegen Schuppenflechte, Akne oder Neurodermitis an, was aber nicht erklärt, warum die Menschen in der frühen Neuzeit diese Krankheiten ebenfalls hatten, obwohl sie weder duschten noch Seife benutzten.

Seit 12 Jahren nicht mehr geduscht

David Whitlock, der Erfinder des Sprays ging selbst mit Beispiel voran. Er duschte, laut eigenen Angaben, seit 12 Jahren nicht mehr. Bekannte des Chemikers sagen aus, dass seine Haut großartig aussähe und hervorragend rieche. Whitlock setzt auf Bakterien, die im Boden leben. Diese könnten schädliche Stoffe in der Haut neutralisieren, und so Entzündungen verhindern.

Wie kam der Chemiker auf die Idee?

Die Idee sei ihm gekommen, so Whitlock, als er Pferden zugesehen habe, die sich im Dreck gewälzt hätten. Er hätte Belege dazu gefunden, dass sie dies täten, um ihr Fell zu pflegen. Tatsächlich suhlen sich viele Tiere im Morast, Nashörner ebenso wie Schweine. Das tun sie aber nicht, um besonders dreckig zu sein, sondern um Parasiten zu entfernen und die Haut zu pflegen.

Ziel sind 1 Milliarde Nutzer

In den USA ist das Spray jetzt für circa 44 Euro im Handel. Es soll klar und geruchslos sein, sagt Whitlocks Start-up AOBiome. Sein Ziel ist es, dass eine Milliarde Menschen das Spray nutzen.

Täglich duschen?

Eine tägliche Dusche gehört zur Moderne, und auch da nur zu den fortgeschrittenen Kapitalstaaten. Bis in die 1960er Jahre badeten die Menschen auf dem Land circa ein Mal pro Woche in einer Wanne mit heißem Wasser.

Wasser sparen

Wüstenbewohner gingen von jeher sparsam mit Wasser um. So wuschen sich die Paiute-Indianer im Südwesten der USA trocken: Sie reinigten sich in Schwitzhütten und rieben dann den Schweiß mit Sand oder Zweigen vom Körper. Die Berber in Marokko nutzen eine Vielzahl an duftenden Erden, Steinen und Pflanzen als Deo oder Gesichtsmaske.

Schwitzen

Schwitzen verdrängt dabei den Körpergeruch ähnlich wie Wasser. Der „Schweißgeruch“, den wir als unangenehm empfinden, ensteht durch die in altem Schweiß befindlichen Abbaustoffe des Körpers. Frischer Schweiß wie in der Sauna wischt diese weg.

Indigene Völker

Indigene Kulturen wie Tuareg oder Navajo stinken nicht, obwohl sie kaum duschen. Sie benutzen hingegen Pulver, reiben sich mit trockenen Tüchern ab oder putzen die Zähne mit Heilpflanzen.

Schädigendes Duschen?

Cord Sunderkötter sieht nicht nur Whitlocks Spray kritisch, sondern ebenso tägliches Duschen. Dieses schädige den Säurefilm der Haut. (Dr. Utz Anhalt)