Bakterienforschung: Antibiotika schädigen die Darmflora und lösen schwere Infektionen aus

Antibiotika schaden der Darmflora und erhöhen so die Anfälligkeit für Infektionen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)
Fabian Peters
Antibiotika schaden der Darmflora und erleichtern die Vermehrung negativer Bakterien
Die menschliche Darmflora ist sehr wichtig für unseren Verdauungsprozess. Darmbakterien können beispielsweise Energie produzieren und Fettsäuren absorbieren. Medikamente sollten die Darmflora unterstützen und keinesfalls die wichtigen Darmbakterien stören oder bekämpfen. Neue Erkenntnisse zeigen jetzt, dass Antibiotika eine negative Auswirkung auf diese nützlichen Bakterien haben können.

Eigentlich werden Antibiotika genutzt, um verschiedene bakterielle Infektionskrankheiten zu behandeln. In einer aktuellen Studie wiesen Wissenschaftlern von der „North Carolina State University“ allerdings nach, dass diese Medizin die Leber von der Herstellung primärer Gallensäure abhält und freundliche Darmbakterien schädigt. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Forscher in dem Fachjournal „mSphere“.

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Antibiotika schaden der Darmflora und erhöhen so die Anfälligkeit für Infektionen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Antibiotika bekämpfen positive Darmbakterien und schädigen die Darmflora
Unser Darm übernimmt sehr wichtige Aufgaben im menschlichen Körper. Die enthaltenen Mikroorganismen haben verschiedene positive Auswirkungen, wie beispielsweise die Versorgung mit einigen Vitaminen oder die Unterstützung der Verdauung, erklärten die amerikanischen Forscher. Ihre aktuelle Studie zeigte jetzt, das Antibiotika die positiven Darmbakterien bekämpfen und somit unsere Darmflora schädigen können. Bei Tieren und Menschen ist die Darmflora eine sehr komplexe Gemeinschaft von Mikroorganismen. Es wird geschätzt, dass der menschliche Darm nicht weniger als 100 Billionen solcher Mikroorganismen enthält. Seit einiger Zeit sei bekannt, dass die Verwendung von Antibiotika sich auf die Darmflora auswirke, fügten die Mediziner hinzu. Aus diesem Grund empfehlen Ärzte ihren Patienten häufig, Probiotika nach Beendigung einer Behandlung mit Antibiotika einzunehmen. Probiotika können helfen, unsere Darmflora nach einem aggressiven Einsatz von Antibiotika wieder aufzubauen. Denn umso mehr unserer Darmflora geschädigt ist, desto anfälliger wird sie für Infektionen.

Vermehrung des Bakteriums Clostridium difficile
In einem Test an Labormäusen entdeckte das Forscherteam, dass nur eine einzige Behandlung mit Antibiotika ausreichen kann, um unsere Darmflora anfällig für Clostridium difficile Bakterien zu machen. Normalerweise sei Clostridium difficile ein harmloses Darmbakterium, erklärten die Mediziner. Werden aber konkurrierende Bakterienarten der normalen Darmflora durch Antibiotika zurückgedrängt, kann sich das Bakterium vermehren und Toxine produzieren. Diese können dann unter Umständen zu schweren Durchfallerkrankung (Antibiotikaassoziierte Kolitis) und lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Die Clostridium difficile Bakterien gedeihen, weil Antibiotika unsere freundlichen Darmbakterien abtöten. Zudem können die Bakterien extrem widerstandsfähige Sporen bilden und sich schnell weiter ausbreiten.

Antibiotika hindern Leber an der Produktion von wichtigen primären Gallensäuren
Antibiotika wehren freundliche Darmbakterien ab und diese werden durch die schädlichen Clostridium difficile Bakterien ersetzt. Zusätzlich könne das Medikament verhindern, dass die Leber primäre Gallensäure produziere, erläutern die Mediziner in ihrer Studie. Unser Körper scheine die primären Gallensäuren in unserer Leber aus Cholesterin herzustellen. Nach dem Verlassen der Leber wandern diese Gallensäuren in den Dickdarm. Dort werden sie in andere Komponenten aufgespalten, wie beispielsweise sekundäre Gallensäuren. Diese sekundären Gallensäuren sind wiederum sehr wichtig, weil sie sicherstellen, dass Clostridium difficile nicht in unserem Darm gären kann. Über die verminderte Produktion der primären Gallensäuren haben Antibiotika demnach einen weiteren negativen Effekt. In den Testmäusen seien 26 verschiedene Gallensäuren identifiziert worden, berichtet das Expertenteam. Wenn die Darmflora in der Lage war, genügend sekundäre Gallensäure zu produzieren, hatten die Clostridium difficile Bakterien keine negativen Auswirkungen auf den Körper. Auch konnten die Forscher feststellen, dass die Sporen von Clostridium difficile unabhängig von der Gabe eines Antibiotikums weiterhin gedeihen. (as)

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