Bauchschmerzen und Durchfälle: Sollten wir zu Kirschen doch kein Wasser trinken?

Sebastian
Alltagsmythos unter der Lupe
Wer Kirschen isst und dazu Wasser trinkt, braucht sich über Bauchschmerzen nicht zu wundern. Diese »Warnung« kennen wir noch aus Kindheitstagen. Ob das wirklich stimmt, ist nach wie vor umstritten.

Bauchschmerzen durch Kirschwasser? (Bild: Kitty/fotolia.com)

Auf der Schale von Kirschen sind, wie bei anderen Obstarten auch, häufig Hefepilze zu finden. Im Magen haben die unerwünschten Keime kaum eine Überlebenschance, da sie von der Magensäure abgetötet werden. Werden jedoch große Mengen von mehr als einem halben Kilogramm in kürzester Zeit gegessen, kann der Magen überfordert sein. Dann vergären die Hefepilze den Zucker aus den süßen Kirschen zu Alkohol. Dabei entsteht Kohlendioxid, das unangenehme Blähungen verursacht.

Wer gleichzeitig viel trinkt, kann dazu die Magensäure verdünnen und den Effekt verstärken.
Eine weitere Theorie für den Mythos Kirschen/Wasser ist, dass das Wasser die Kirschen schneller in den Darm befördert und die Hefen so nicht durch die Magensäure abgetötet werden können. Damit könnten sich Fermentationsprozesse im Dickdarm abspielen, die die Beschwerden verschlimmern.






Allerdings wird unser Körper beim Essen und Trinken ständig mit Mikroorganismen konfrontiert, ohne dass es uns Probleme bereitet. »Viel wahrscheinlicher ist, dass die Warnung auf die schlechte Trinkwasserqualität in früheren Zeiten zurückzuführen ist«, sagt Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Keime im Wasser könnten unabhängig vom Obstverzehr Blähungen und Durchfall verursachen. »Heute ist das Trinkwasser aber von sehr guter Qualität«, so Seitz.
Am besten werden die Früchte vor dem Verzehr gründlich gewaschen, um mögliche Keime auf der Schale zu entfernen. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, isst nicht zu große Mengen auf einmal. Gegen ein Glas Wasser zum Obst ist sicher nichts einzuwenden.

Kirschen haben im Sommer Hochsaison. In diesem Jahr wird eine besonders hohe Ernte erwartet. Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamts liegen die Mengen an Süßkirschen (44.300 Tonnen) und Sauerkirschen (16.800 Tonnen) deutlich höher als im Vorjahr.

Beim Einkauf hilft ein genauer Blick. Kirschen müssen reif, prall und unbeschädigt sein. Idealerweise glänzt die Schale, und der glatte Stiel sitzt fest an der Frucht. Im Kühlschrank bleibt das Obst länger frisch. Wichtige Inhaltsstoffe sind neben Zucker und Fruchtsäuren Kalium, Eisen, B-Vitamine, Folsäure und Anthocyane.
Heike Kreutz, bzfe