Bei Akne: Welche Therapien helfen tatsächlich?

Fabian Peters

Akne ist mit der richtigen Behandlung gut zu beseitigen

Nicht nur Jugendliche in der Pubertät, sondern auch Erwachsene leiden mitunter an starken Hautunreinheiten und Pickeln, genannt Akne. Viele Betroffene versuchen eigenständig die Probleme in den Griff zu bekommen, doch durch die Wahl der falschen Mittel werden die Hautbeschwerden oftmals noch verstärkt. Hier stellt sich die Frage, welches die richtige Methode ist, um die Akne dauerhaft zu beseitigen.


„Akne gehört zu den häufigsten Hautkrankheiten. Rund 85 Prozent aller Deutschen haben in ihrem Leben schon mit Mitessern, Pickeln oder Pusteln zu tun gehabt“, berichtet die Apothekerkammer Bremen in einer aktuellen Mitteilung. Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch Frauen und Männer im Alter um die 30 oder 40 Jahre können betroffen sein. Für eine erfolgreiche Behandlung ist insbesondere die richtige Pflege entscheidend, wobei oftmals auch rezeptfrei erhältliche Mittel helfen können. Die Apothekerkammer Bremen hat dargelegt, welche Formen der Akne es gibt und welche Mittel zur Behandlung verfügbar sind.

Akne lässt sich mit der richtigen Behandlung meist gut in den Griff bekommen. (Bild: Ocskay Bence/fotolia.com)

Fettige Haut, Mitesser und entzündliche Knoten

Beginnend mit der Pubertät haben viele Jugendliche mit Hautunreinheiten und Pickeln zu kämpfen, da in dieser Zeit die ersten Hormonumstellungen stattfinden, so die Mitteilung der Apothekerkammer. Auch Erbliche Veranlagung könne das Auftreten von Akne begünstigen. Gekennzeichnet ist die nicht ansteckende Erkrankung der talgdrüsenreichen Hautregionen durch fettige Haut, Mitesser und entzündliche Knoten. Bei manchen Betroffenen zeigen sich die Beschwerden auch noch in späteren Lebensjahren.

Aggressive Reinigung der Gesichtshaut der häufigste Fehler

Laut Angaben der Apothekerkammer Bremen haben rund 60 Prozent aller Betroffenen mit sogenannter „physiologischer Akne“ zu kämpfen. Diese lasse sich oftmals auch ohne ärztliche Behandlung und mithilfe rezeptfreier Mittel schnell beheben. „Eine Beratung in der Apotheke hilft, die richtigen Mittel zu finden. Aggressive Reinigung der Gesichtshaut ist der häufigste Fehler bei Akne“, betont Uta Ense von der Apothekerkammer Bremen in der aktuellen Mitteilung.

Drei Hauptarten der Akne werden unterschieden

  • „Acne comedonica“, die leichte Form, die im Rahmen der Selbstmedikation eigenständig therapiert werden kann.
  • „Acne papulo-pustulosa“, die mittelschwere Form, welche sich durch zahlreiche Pusteln, Knötchen und Papeln mit Entzündungen äußert.
  • „Acne conglobata“, die schwerste Form, mit großflächigen Entzündungen, die Narben hinterlassen können.

Darüber hinaus bestehen einige weitere, seltener auftretende Aknearten sowie beispielsweise durch Arzneimittel oder Make-up verursachte Formen, berichtet die Apothekerkammer.

Die richtige Hautpflege

Grundsätzlich sollten Betroffene befallenen Hautregionen morgens und abends ausschließlich mit pH-neutralen und parfümfreien Seifen oder Waschlotionen reinigen und anschließend die Haut mit Feuchtigkeitscremes auf Wasserbasis pflegen, erläutert die Expertin. In der Apotheke seien rezeptfreie Salben, Cremes, Waschlotionen und weitere Produkte zur eigenständigen Aknebehandlung erhältlich und gleichzeitig werde den Betroffenen hier eine fachkundige, individuelle Beratung angeboten.

Rezeptfreie Anti-Akne-Mittel

Die Behandlung der leichten bis mittelschweren Akne erfolgt in der Regel topisch, also äußerlich, wobei in diesen Fällen keratolytische (leicht schälende) und antibakteriell wirkende Produkte zu empfehlen seien, berichtet die Apothekerkammer. Beispielsweise könne auf Mittel mit dem Wirkstoff Benzoylperoxid zurückgegriffen werden, die in der Apotheke rezeptfrei erhältlich und bei allen Formen der Akne einsetzbar sind. Zu beachten ist, dass Benzoylperoxid farbige und dunkle Kleidung, Haare und Bettwäsche ausbleichen kann. Um Flecken zu vermeiden, sollten bei der Behandlung alte T-Shirts und alte Bettwäsche verwendet werden, rät die Expertin.

Weiterhin empfiehlt die Apothekerkammer bei leichter bis mittelschwerer Akne sulfonierte Schieferöle, die aus Ammonium-Bitumino-Sulfonat bestehen und antientzündlich, antibakteriell und sebostatisch (trocknend) wirken sollen. Auch könne Zink als Aknetherapeutikum zum Einnehmen helfen, da es antientzündliche und antiandrogene Effekte zeigt. Neben diesen Tipps der Apothekerkammer können bei den weniger schweren Akne-Formen auch Hausmittel gegen Pickel helfen, die auf natürlicher Basis zur Linderung des Beschwerdebildes beitragen.

Starke Akne erfordert einen Arztbesuch

„Wer unter einer starken Akne leidet, bespricht am besten als Erstes mit dem Hautarzt, welche Therapie geeignet ist“, betont Uta Ense. Zur Behandlung der schweren Verlaufsformen seien in der Regel rezeptpflichtige Medikamente erforderlich. Diese reichen von Antibiotika, Mitteln mit Azelainsäure oder Gestagenen mit antiandrogener Wirkung, bis hin zu oral oder äußerlich anzuwendenden Retinoiden (beispielsweise Isotretinoin, Acitretin oder Adapalen). Da Retinoide in vielen Fällen Nebenwirkungen hervorrufen können, sei vor der Anwendung eine Abklärung mit dem Arzt erforderlich. Schwangere und Stillende dürfen das Mittel beispielsweise nicht verwenden, da es Fehlbildungen des Fötus‘ verursachen kann, so die Mitteilung der Apothekerkammer. Aus diesem Grund müsse während der Anwendung auch eine doppelte Verhütungsmethode genutzt werden.

Auch die Antibabypille kann zur systemischen Akne-Behandlung angewandt werden. (Bild: Wolfilser/fotolia.com)

Arzneien zur systemischen Akne-Behandlung

Die Experten warnen weiterhin, das bei Verwendung topischer Retinoide intensives UV-Licht gemieden werden sollte. Zudem könne es während der Behandlung zu trockenen Augen und Lippen beziehungsweise trockener Haut kommen. Eine Verschreibung der Retinoide komme folglich nur selten und bei hohem Leidensdruck in Betracht. Bei einer systemischen Aknebehandlung mit Tabletten kommen laut Angaben der Apothekerkammer in den meisten Fällen folgende Wirkstoffgruppen zum Zug:

  • Antibabypillen mit antiandrogenen Eigenschaften durch unterschiedliche Inhaltsstoffe (Wirkung tritt, immer in Kombination mit lokalen Mitteln, erst nach etwa sechs Monaten ein),
  • Antibiotika, die in erster Linie die Entzündung bekämpfen und zusätzlich antibakteriell wirken,
  • sowie Retinoide.

Bei Antibabypillen ohne antiandrogene Eigenschaften droht hingegen eine Verstärkung der Akne, so die Warnung der Apothekerkammer. Wichtig sei außerdem zu bedenken , dass am Anfang der Behandlungstherapie die Akne oft schlimmer wird. Doch Durchhalten lohnt sich, denn nach einer Durststrecke folgt in der Regel eine wesentliche Verbesserung, so der Hinweis der Experten.

Ernährung ein wesentlicher Faktor

Da auch die Ernährung in engem Zusammenhang mit dem Beschwerdebild stehen kann, sollte diese bei der Akne-Therapie ebenfalls berücksichtigt werden. Denn Wachstumsfaktoren und Insulin regen die Talgüberproduktion an, was die Beschwerden verstärkt. So können Milch und Molkeprodukte sowie „schnelle“ Kohlenhydrate wie Süßigkeiten, Weißbrot, Cola, Cornflakes oder weißer Reis durch die Anregung der Insulinproduktion auch das Hautbild beeinträchtigen. Die richtige Ernährung hat einen wichtigen Einfluss auf die Hautgesundheit, betont die Apothekerkammer. (fp, pm)