Bei jedem Dritten ist das Cholesterin zu hoch

Astrid Goldmayer

Tag des Cholesterins: Aktionstag gegen erhöhte Blutfettwerte und Folgeerkrankungen

21.06.2013

Jeder Dritte leidet in Deutschland unter erhöhten Cholesterinwerten. Das teilt die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen anlässlich des heutigen „Tag des Cholesterins“ mit. Der Aktionstag soll auf die gravierenden gesundheitlichen Folgen von erhöhten Blutfettwerten aufmerksam machen. Zudem erläutern Experten, was zu einer Cholesterin-bewussten Lebensweise gehört.

Erhöhtes Cholesterin im Blut kann zu Atherosklerose führen
„Im Wissen liegt die Chance, möglichen Erkrankungen frühzeitig entgegenzusteuern", berichtet die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (DGFF – Lipid-Liga e. V.). Anlässlich des „Tag des Cholesterins“ informieren Experten rund um das Thema „erhöhte Blutfettwerte“. In Deutschland leidet etwa jeder Dritte an zu hohen Cholesterinwerten. Die Folgen dieser meist ernährungsbedingten Fettstoffwechselstörung können gravierend sein. Angaben des Statistischem Bundesamt ist fast jeder zweite Todesfall auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Im Jahr 2011 starben 145.500 Männer und 196.000 Frauen (zusammen 40,2 Prozent der Todesfälle) aufgrund von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Die häufigste Folge eines erhöhten Cholesterinspiegels ist Atherosklerose, umgangssprachlich als Gefäßverkalkung bezeichnet. Bei dieser Erkrankung treten Ablagerungen an den Innenseiten der Gefäße auf, so dass sich nach und nach der Arteriendurchmesser verringert, bis der betroffene Bereich schließlich vollständig verstopft ist. Wahrscheinlich lösen kleinste Verletzungen an der Gefäßinnenwand eine Abwehrreaktion des Immunsystems aus, bei der bestimmte biochemische Prozesse angestoßen und Blutfette, Blutzellen, Bindegewebe und Kalk als sogenannte Plaques abgesetzt werden. Dadurch können Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina Pectoris, Durchblutungsstörungen und Niereninsuffizienz auftreten.

Zu den Hauptrisikofaktoren für Atherosklerose gehören erhöhte Cholesterinwerte und eine zu hohe Triglyceridkonzentration im Blut. Darüber hinaus begünstigen Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht mit hohem Bauchfettanteil und Bewegungsmangel die Entstehung der auch als „Wohlstandserkrankung“ bezeichneten Atherosklerose.

Gutes und schlechtes Cholesterin
Als eine ihrer Hauptaufgaben sieht die DGFF – Lipid-Liga die Aufklärungsarbeit an. „Etwa 60 Prozent der Erwachsenen kennen ihre (LDL-) Cholesterinwerte nicht, circa 30 Prozent weisen erhöhte Werte auf – das haben Messungen bei bisherigen Aktionstagen ergeben“, teilen die Experten mit. Sie wollen Menschen dazu ermutigen, ihre Cholesterinwerte regelmäßig überprüfen zu lassen und der Fettstoffwechselstörung mit ausgewogener Ernährung und viel Bewegung entgegenzuwirken. Häufig bringe ein gesünderer Lebensstil bereits eine Reduktion erhöhter Blutfettwerte, schreibt die DGFF – Lipid-Liga in ihrem Ratgeber „Bessere Cholesterinwerte auch ohne Medikamente“.

Wenn die Konzentration von Cholesterin im Blut erhöht ist, merkt der Betroffene über einen langen Zeitraum nichts davon. Die Beschwerden treten normalerweise erst auf, wenn bereits eine ersthafte Erkrankung vorliegt. Zur Vorbeugung ernsthafter gesundheitlicher Beschwerden rät die DGFF – Lipid-Liga dazu, die Blutfettwerte bereits ab dem zehnten Lebensjahr bestimmen zu lassen. Ab dem 35. Lebensjahr sei eine solche Untersuchung im Rahmen der Vorsorge alle zwei Jahre kostenlos. Wie die Experten berichten, sei es aber wichtig, nicht nur das Gesamtcholesterin zu bestimmen, sondern genaue Analysen zum LDL- und HDL-Cholesterin sowie zu den Triglyceriden durchzuführen. Ein Schnelltest auf eigene Kosten kann auch in der Apotheke gemacht werden.

Wie die Experten erläutern, transportiere das LDL-Cholesterin Cholesterin aus der Leber und dem Darm in die Körperzellen. Komme es dabei zu einem zu starken Anstieg der Konzentration des LDL-Cholesterins im Blut, könnten mit anderen Risikofaktoren Gefäßablagerungen entstehen, die als Hauptursache für Herzinfarkt und Schlaganfall gelten. „Daher spricht man auch vom ’schlechten‘ LDL-Cholesterin („LieDerLich“). Der LDL-Cholesterinwert im Blut sollte möglichst niedrig sein.“ Gegenteilig verhält es sich mit dem „guten“ Cholesterin, dem HDL-Cholesterin. „Das ‚gute‘ HDL- Cholesterin („HabDichLieb“) hingegen nimmt überschüssiges Cholesterin aus den Körperzellen und dem Blut auf und bringt es zur Leber zurück. HDL kann auch bereits an den Gefäßwänden gebundenes Cholesterin wieder herauslösen“, berichtet die DGFF – Lipid-Liga. Somit wirkt sich ein hoher HDL-Cholesterinwert günstig aus.

Bei Ernährung Fett reduzieren und nur „gute“ Fette essen
Zwar werde die Bedeutung von Nahrungscholesterin in Bezug auf erhöhtes Cholesterin überschätzt, dennoch sei es ratsam, sich nicht mehr als 60 Gramm Fett pro Tag zuzuführen, so die Experten. Beim Nahrungscholesterin solle weniger als 300 Milligramm pro Tag verzehrt werden.

Wichtiger als die Menge sei jedoch die Qualität der Fette, die einen wesentlichen Einfluss auf das LDL-Cholesterin habe. Die DGFF – Lipid-Liga rät zu zwei Fisch-Mahlzeiten in der Woche. Vor allem Lachs, Scholle und Hering enthielten viele Omega 3-Fettsäuren. Diese würden das „gute“ HDL-Cholesterin erhöhen. Auch natives Oliven- oder Rapsöl habe einen positiven Effekt. Sogenannte gesättigte Fette wie beispielsweise in Fastfood sollten nicht mehr als zehn Prozent beziehungsweise bei erhöhten LDL-Cholesterinwerten nicht mehr als sieben Prozent ausmachen. Auch Fertiggerichte, Back- und Süßwaren und Instantsuppen sollten nur in sehr geringen Mengen verzehrt werden, da bis zu 30 Prozent ihres angegebenen Fettanteils aus sogenannten trans-Fetten (gehärtete Fette) bestehen und zur Erhöhung des schlechten und zur Senkung des guten Cholesterins beitragen.

Neben einer gesunden Ernährungsweise wirkt sich Bewegung positiv auf den Cholesterinspiegel aus. Ein Normalbürger solle durch körperliche Aktivität 300 Kalorien pro Bewegungseinheit umzusetzen. „Wer dies fünf Mal pro Woche schafft, verbrennt 1.500 Kalorien zusätzlich“, berichten die Experten. Sowohl die LDL-Cholesterinwerte als auch die Triglyceridkonzentration würden dadurch gesenkt und das HDL-Cholesterin erhöht. (ag)

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Bild: Gerd Altmann, Pixelio