Bellender Husten: Bei Pseudokrupp-Anfällen hilft Kindern die frische Luft

Alfred Domke

Kinder bei Pseudokrupp an die kühle Luft bringen

Meist passiert es mitten in der Nacht: Plötzlich wacht das Kind mit einem stark bellenden Husten und Atemnot auf. Beim Einatmen entsteht ein pfeifendes Geräusch, dass sich anhört, als ob das Kleine ersticke. Hinter den Beschwerden steckt vermutlich ein Pseudokrupp-Anfall. Experten erklären, was Eltern dann beachten müssen.

Wenn das Kind mit bellendem Husten aufwacht

Bellender Husten, starke Atemnot und ein pfeifendes Geräusch bei der Einatmung: Pseudokrupp gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei kleinen Kindern und tritt bevorzugt im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren auf. In einer Mitteilung des Universitätsklinikums Freiburg wird erklärt: „Pseudokrupp ist eine Entzündung der Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfs und der Stimmbänder. Hervorgerufen wird die Erkrankung meist durch Viren.“ Dann sind die Schleimhäute im Bereich des Kehlkopfs und der Stimmbänder so stark angeschwollen, dass die Atemwege fast verschlossen sind. Bei jedem Atemzug entsteht ein pfeifendes und fauchendes Geräusch.

Kindern, die nachts einen Pseudokrupp-Anfall erleiden, kann es helfen, wenn sie beruhigt und an die frische Luft gebracht werden. Bei Luftnot muss aber sofort der Notarzt gerufen werden. (Bild: S.Kobold/fotolia.com)

Jungen erkranken häufiger als Mädchen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge erkranken Jungen zweimal häufiger an Pseudokrupp als Mädchen. Nach Angaben des Freiburger Klinikums husten die Kinder besonders stark am Abend. Wird das bellende Hustengeräusch immer stärker, kann ein Anfall auftreten.

Trotz der bedrohlichen und Angst erregenden Hustengeräusche verläuft der Krupp-Anfall laut der Stiftung Kindergesundheit normalerweise gutartig. Am nächsten Morgen kann alles vorbei sein.

Allerdings können sich manche Kinder in einen lebensbedrohlichen Zustand hineinsteigern.

Ruhe bewahren und Kind auf den Arm nehmen

Professor Dr. Andrea Heinzmann, Oberärztin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg erklärt, wie Kleinkindern schnell geholfen werden kann.

Laut der Expertin ist es wichtig, „dass das Kind beruhigt wird und vom Husten abgelenkt wird. Somit kommt das Kind auch wieder zur Ruhe“. Es sei vorteilhaft, den Oberkörper des Kindes hochzulagern.

Das Atmen wird durch frische, kühlfeuchte Nachtluft erleichtert. „Dazu sollte das Kind aufrecht hingesetzt oder auf den Arm genommen werden. Wenn sich der Husten gebessert hat, kann durch das Trinken kühler Getränke zusätzlich eine Abschwellung und damit Linderung der Beschwerden erreicht werden“, so Professor Heinzmann.

Auch wenn der Husten bei Pseudokrupp schlimm klingt, ist es wichtig, stets Ruhe zu bewahren und am Abend zur Linderung des Hustens mit dem Kind nach draußen auf den Balkon oder auf die Terrasse zu gehen, denn kalte Luft lässt die Atemwege wieder abschwellen.

Bei schwerer Atemnot sofort einen Arzt rufen

Bei akuter Luftnot sollte jedoch sofort der Notarzt gerufen werden.

Das sehen auch die Experten des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte so. Professor Hans-Jürgen Nentwich vom BVKJ warnte in einer älteren Meldung:

„Bei jeder schweren Atemnot sollte sofort ein Arzt gerufen werden. Wenn sich Lippen und/oder Nägel des Kindes blau verfärben, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, bei dem Eltern sofort den Notarzt rufen sollten.“

Auch wer unsicher ist oder selbst in Panik gerät, sollte am besten den Notruf unter der Telefonnummer 112 kontaktieren. „Dafür muss sich niemand schämen“, sagte Janko von Ribbeck laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa.

Wenn der Anfall bis zum Eintreffen des Rettungswagens wieder vorbei ist, muss er eben wieder abfahren. „Besser man ruft einmal zu oft an als einmal zu selten“, so der Heilpraktiker, der ein Buch über Erste Hilfe bei Kindern geschrieben hat und selbst jahrelang mit dem Rettungswagen als Rettungssanitäter unterwegs war. (ad)