Berlin: Deutlich mehr Syphilis-Diagnosen in Deutschland

Seit einigen Jahren breitet sich Syphilis in Deutschland immer weiter aus. Nirgendwo wird die Geschlechtskrankheit so oft diagnostiziert wie in Berlin. Betroffen sind vor allem homosexuelle Männer. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)
Alfred Domke
Vor allem ein Großstadt-Phänomen: Immer mehr Syphilis-Diagnosen in Deutschland
Syphilis war in Deutschland lange Zeit kaum noch verbreitet. Doch seit einigen Jahren breitet sich die Geschlechtskrankheit hierzulande immer weiter aus. Neue Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen nun, dass Syphilis-Diagnosen vor allem in Großstädten gestellt werden. Spitzenreiter ist hier Berlin.

Nirgendwo haben sich mehr Menschen infiziert als in Berlin
Syphilis galt hierzulande lange Zeit als nahezu verschwunden. Doch seit einigen Jahren breitet sich die Geschlechtskrankheit in Deutschland rasant aus. Neue Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass Syphilis-Diagnosen vor allem in Großstädten gestellt werden.

Nirgendwo in Deutschland haben sich mehr Menschen mit der gefährlichen Krankheit angesteckt als in Berlin. Gesundheitsexperten verweisen immer wieder auf die Wichtigkeit von Früherkennungstests. Syphilis wird in vielen Fällen erst spät diagnostiziert, da sie zu Beginn keine Beschwerden verursacht.

Seit einigen Jahren breitet sich Syphilis in Deutschland immer weiter aus. Nirgendwo wird die Geschlechtskrankheit so oft diagnostiziert wie in Berlin. Betroffen sind vor allem homosexuelle Männer. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)
Seit einigen Jahren breitet sich Syphilis in Deutschland immer weiter aus. Nirgendwo wird die Geschlechtskrankheit so oft diagnostiziert wie in Berlin. Betroffen sind vor allem homosexuelle Männer. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)

Zahl der Syphilis-Diagnosen steigt
Erst vor kurzem warnte die Bundesregierung vor einer steigenden Anzahl an Geschlechtskrankheiten. Laut einem Regierungsbericht über die Strategie zur Eindämmung sexuell übertragbarer Infektionen sei für die Zunahme der Fälle unter anderem die verstärkte Nutzung von Datingportalen verantwortlich. Neue Zahlen zeigen nun, dass vor allem die Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland weiter steigt.

Infektionen haben neuen Höchststand erreicht
Syphilis-Infektionen haben 2015 in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin registrierte bundesweit 6.834 diagnostizierte Fälle. Wie es im aktuellen Infektionsepidemiologischen Jahrbuch des Instituts heißt, seien dies 19 Prozent mehr als im Vorjahr (5.722 Fälle). Den Angaben zufolge ist es auch der höchste Wert seit 2001, als die Krankheit meldepflichtig wurde. 2015 kamen auf 100.000 Einwohner rund 8,5 Syphilis-Fälle.

Besonders betroffen sind homosexuelle Männer
„Ein Anstieg wurde aus den meisten Bundesländern berichtet, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Insbesondere städtische Ballungszentren wiesen hohe Inzidenzen auf, auch hier zum Teil mit deutlichen Anstiegen gegenüber dem Vorjahr, wie etwa in Frankfurt/Main, Stuttgart, Hannover oder in den Berliner Innenstadtbezirken“, schreiben die Experten in ihrem Jahrbuch. Die höchsten Fallzahlen auf 100.000 Einwohner wurden demnach in Berlin (39) und Hamburg (21) registriert, die wenigsten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen (3,7) .

Besonders betroffen von der Geschlechtskrankheit sind homosexuelle Männer. Wie es heißt, lag der Anteil der Fälle, die vermutlich auf sexuelle Kontakte zwischen Männern zurückgehen, 2015 bei 85 Prozent.

Bewusstsein für Syphilis stärken
Syphilis lässt sich gut mit Medikamenten behandeln. Doch nur bei rund einem Drittel der Patienten wird die Infektion im Frühstadium entdeckt. Zu den ersten Symptomen zählen Geschwüre im Genitalbereich oder im Mund. Da diese keine Schmerzen verursachen, bleiben sie oft unbemerkt. Im Spätstadium beschränkt sich Syphilis allerdings nicht mehr auf die Haut, sondern kann laut Medizinern unter anderem auch die Blutgefäße schädigen.

Wichtig sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Syphilis-Infektionen. „Das Bewusstsein für Syphilis sollte daher sowohl beim ärztlichen Personal als auch bei den betroffenen Gruppen gestärkt werden“, schreiben die Experten des RKI. (ad)

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