BfR-Warnung: TV-Kochshows sollen die Gesundheit gefährden

Alfred Domke

In Fernsehkochshows wird nicht ausreichend auf Hygiene geachtet

Fernsehkochshows erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Leider dienen die Sendungen nicht unbedingt der Gesundheit. So stellten US-amerikanische Wissenschaftler in einer Studie fest, dass solche Shows Zuschauer dick machen. Es gibt noch eine weitere negative Seite: In TV-Kochshows wird zu wenig auf Hygiene geachtet. Die mangelnde Küchenhygiene könnte auf die Zuschauer abfärben.

Krankheitserreger auf Lebensmitteln

Experten weisen immer wieder darauf hin, dass man mehr auf Küchenhygiene achten sollte, um gesundheitlichen Gefahren vorzubeugen. Schließlich lauern in der Küche gefährliche Bakterien wie Campylobacter und Co. Potentielle Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten sind unter anderem auf Lebensmitteln wie Eiern, Fleisch oder Salat zu finden. Und auch Küchenschwämme sind wahre Keimschleudern. Leider werden die gesundheitlichen Risiken durch mangelnde Küchenhygiene oft unterschätzt. Und zwar auch von TV-Köchen, wie eine aktuelle Untersuchung gezeigt hat.

Fernsehkochsendungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf Hygiene wird dabei aber leider nicht so viel Wert gelegt. Einer aktuellen Untersuchung zufolge machen TV-Köche durchschnittlich alle 50 Sekunden einen Hygienefehler. Das kann auch auf die Zuschauer abfärben.(Bild: imagox/fotolia.com)

TV-Köche machen alle 50 Sekunden einen Hygienefehler

Fernsehkochsendungen erfreuen sich sowohl in Deutschland als auch international großer Beliebtheit.

Im deutschen Fernsehen wurden im Zeitraum März 2015 bis März 2016 mindestens 60 verschiedene Kochsendungen ausgestrahlt, mehrheitlich auf öffentlich-rechtlichen Sendern.

„Bedenklich ist jedoch, dass die in TV-Kochsendungen gezeigte Küchenhygiene häufig nicht einwandfrei ist“, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seiner neuen Broschüre „Küchenhygiene im Scheinwerferlicht“.

Die Experten haben insgesamt 100 Folgen verschiedener Koch-Sendungen analysiert und sich dabei auf das Thema Hygiene konzentriert. Dabei stellten sie fest, dass die Protagonisten im Schnitt alle 50 Sekunden einen Hygienefehler machen.

Nach dem Husten und Niesen Hände waschen

Laut BfR werden überwiegend mittelschwere Fehler begangen. „Konkret handelt es sich dabei um Hygienefehler, bei denen eine Verbreitung von Krankheitserregern möglich ist und Kreuzkontaminationen auftreten können“, berichten die Experten.

Die häufigsten Küchenhygienefehler in den analysierten TV-Kochsendungen sind demnach:
– Dreckige Hände am Geschirrtuch abwischen.
– Keine gründliche Zwischenreinigung des Schneidebretts.
– Mit den Fingern salzen oder würzen.
– Kein Händewaschen unter anderem nach Kratzen, Niesen, Husten, Naseputzen oder Kontakt mit Kopfhaaren und Augen.

Dem BfR zufolge kann die schlechte Hygiene im TV auf den Zuschauer abfärben: „Personen, die Kochvideos mit einwandfreier Küchenhygiene sehen, machen beim Nachkochen weniger Hygienefehler als diejenigen, die fehlerhafte Kochvideos sehen.“

Lebensmittelhygiene zu Hause wird unterschätzt

„Viele Menschen haben Angst vor Chemie in der Nahrung, aber tatsächlich krank wird man von Bakterien, Pilzen oder Viren im Essen,“ so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel in einer Mitteilung.

„Nur jeder Fünfte sorgt sich um die Lebensmittelhygiene zu Hause, dabei ist der richtige Umgang mit Lebensmitteln in der eigenen Küche das beste Mittel, um Infektionen vorzubeugen. Wir alle müssen unser Bewusstsein für gesundheitliche Risiken bei der Zubereitung von Essen schärfen.“

Laut BfR werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Erkrankungen gemeldet, die wahrscheinlich auf lebensmittelbedingte Infektionen mit Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Parasiten zurückzuführen sind.

Dazu gehören vor allem Infektionen mit Campylobacter-Bakterien, Salmonellen und Noroviren. Die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher.

In den meisten Fällen sind die Erkrankungen mit Symptomen wie Magenkrämpfen, Durchfall oder Erbrechen verbunden und nach ein paar Tagen überstanden.

Bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt oder nicht vollständig ausgebildet ist, kann eine Lebensmittelinfektion jedoch sehr schwer verlaufen und im Extremfall sogar tödlich sein.

Tipps für eine bessere Küchenhygiene

Damit es gar nicht so weit kommt, sollte:
– die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Krankheitserregern vermieden,
– die Vermehrung von Krankheitserregern in Lebensmitteln reduziert und
– das Überleben von Krankheitserregern in Lebensmitteln verhindert werden, schreibt das BfR auf seiner Webseite.

In der aktuellen Broschüre erklären die Experten, welche Maßnahmen „zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen wichtig“ sind:

Vor dem Kochen gründlich die Hände mit Seife waschen.

Um eine Kreuzkontamination zu vermeiden, sollten rohe Lebensmittel auf separaten Arbeitsflächen zubereitet sowie die Hände, Arbeitsflächen und -geräte auch zwischen den Arbeitsschritten gründlich gereinigt werden.

Lebensmittel stets gut durchgaren: mindestens 70 Grad für zwei Minuten im Inneren des Lebensmittels.

Lebensmittel, die roh verzehrt werden, wie Salate, Kräuter, Gemüse und Obst, sollten gründlich gewaschen werden, um Keime zu entfernen.

Küchenhandtücher, -lappen und -schwämme regelmäßig in die Wäsche geben beziehungsweise ersetzen. (ad)