Bisher unerkannte Lebensgefahr: Mediziner warnt vor Risiken durch die Kriebelmücke

Nina Reese
Ein Allergologe und Hautarzt aus Passau warnt aktuell vor der sogenannten Kriebelmücke. Werde man von dieser gestochen, könnten die Folgen dem dem Mediziner nach „schwerwiegend bis lebensbedrohlich“ sein, da die Mücke beim Biss blutverdünnende und allergisierende Substanzen abgebe. Das Gesundheitsamt stuft die Gefahr jedoch weit weniger bedrohlich ein, berichtet die „Passauer Neue Presse“.

Kriebelmücken beißen unbemerkt
Kriebelmücken sind weltweit verbreitete, fliegenähnliche Insekten, von denen hierzulande derzeit etwa 50 Arten bekannt sind. Anders als Stechmücken, fliegen sie nicht in Wohnungen, sondern greifen grundsätzlich draußen an, vor allem an warm bis schwülen und schwach-windigen Tagen. Der Anflug erfolgt geräuschlos und man merkt nicht, wenn die Mücke auf der Haut landet. Die Mücken stechen nicht, sie beißen – denn im Unterschied zu „Stichsaugern“ erzeugen sie mit ihren scharfen Mundwerkzeugen zuerst eine Wunde, aus der sie dann das Blut aufsaugen.

Ein Passauer Arzt macht auf die möglichen Gefahren durch einen Kriebelmücken-Biss aufmerksam. (Bild: corlaffra/fotolia.com)

Patienten mit massiven körperlichen Reaktionen
Ein Biss der Kriebelmücke bleibt erst schmerzlos, kann aber jedoch offenbar böse Folgen haben. Der Mediziner Dr. Claus Gruß aus Passau hat nun bei der Stadt und dem Gesundheitsamt vor den Gefahren durch die Kriebelmücke gewarnt. Wie die „Passauer Neue Presse“ berichtet, hätten in den letzten Wochen immer wieder Patienten mit massiven körperlichen Reaktionen nach einem Mückenangriff die Praxis des Allergologen und Hautarztes aufgesucht.

Die Befunde seien demnach „schwerwiegend bis lebensbedrohlich“, mittelfristig könnten die Bisse sogar tödliche Folgen haben, so Gruss. Die heftigen Auswirkungen würden daher rühren, dass die Kriebelmücke dabei blutverdünnende und allergisierende Substanzen abgebe.

Erst tritt nur Juckreiz auf
Zu Beginn würden die Gebissenen kaum etwas merken, denn außer Juckreiz seien zunächst keine Beschwerden spürbar. Später entstehen jedoch Blutergüsse, die drei bis fünf Zentimeter groß werden und Schwellungen, welche sogar bis zu 10 Zentimeter Durchmesser haben könnten. Durch Wassereinlagerungen entwickele sich bei vielen Patienten zudem ein Ödem. „Und das erfolgt alles unabhängig davon, ob man nun allergisch ist oder nicht“, berichtet der Hautarzt.

Neue Unterart aus Südosteuropa könnte die Ursache sein
Zur Behandlung könne zwar Kortison mit Antiseptikum eingesetzt werden, doch vor allem bei Kindern oder Patienten, die mehrmals gebissen wurden, könnte es unter Umständen eines Tages gefährlich werden, warnt der Mediziner. Aus Sicht des Gesundheitsamtes sei die Kriebelmücke hingegen weit weniger bedrohlich. Dennoch würden die Verantwortlichen die Situation vor Ort weiter beobachten, um nötigenfalls Maßnahmen zu ergreifen, berichtet die Zeitung.

Obwohl Kriebelmücken in Passau nicht unüblich seien, könne es laut Gruss sein, dass die massiven Auswirkungen der Bisse in diesem Jahr auf eine neu eingewanderte bzw. eingeschleppte Mückenunterart aus Südosteuropa zurückzuführen seien.

Was tun bei einem Biss?
Tritt nach dem Biss keine starke Schwellung auf, reicht es meist, den betroffenen Bereich zu kühlen (zum Beispiel mit kalten Lappen oder Coolpacks) und die Stelle zu desinfizieren. Wichtig: Trotz des starken Juckreizes sollten Mückenstiche aufgrund der Infektionsgefahr generell nie aufgekratzt werden.

Dringen doch Erreger in die Wunde ein und verursachen eine Entzündung, können starke Schwellungen und Fieber auftreten. Gelangen die Keime in den Blutkreislauf, kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen, welche im schlimmsten Fall zu schweren Komplikationen und sogar zum Tod führen kann. Entzündet sich die Bissstelle sollte daher immer vorsichthalber ein Arzt aufgesucht werden. Gleiches gilt, wenn stärkere Schwellungen oder Verfärbungen auftreten.

Die besten Schutzmaßnahmen
Das einfachste und sicherste Hausmittel gegen Mücken ist langärmelige Kleidung, denn da die Kriebelmücken keinen Saugrüssel haben, können sie nicht die Kleidung durchstechen. Wer sich in Regionen mit hohem Aufkommen häufig im Freien aufhält, sollte daher möglichst den ganzen Tag über so viel Haut wie möglich bedecken. Empfehlenswert ist dabei helle, weite Kleidung aus festem Gewebe (z.B. Leinen).

Hilfe gegen die Plagegeister bieten auch Abwehrmittel mit Wirkstoffen wie DEET oder Icaridin. Diese halten je nach Höhe der Konzentration etwa vier bis fünf Stunden, dann sollte der Schutz erneuert werden. In der Wohnung sind in der Regel keine besonderen Schutzmaßnahmen notwendig, da die Kriebelmücke normalerweise nicht ins Haus fliegt. (nr)