China: Kliniken verweigern Aids-Patienten

Sebastian

China: Kliniken verweigern Aids-Patienten Behandlung

18.05.2011

In China werden regelmäßig Patienten mit einer HI-Virus-Infektion die Behandlung in Kliniken verwehrt. Das ergeht aus einem Untersuchungsbericht der Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der UN. Demnach würden die meisten Aidskranken aufgrund ihrer Infektion in Krankenhäuser nicht behandelt, sondern oft einfach wieder weggeschickt.

Mehr zum Thema:

Kliniken weisen Aidskranke ab
Nach offiziellen Angaben sind 740.000 Menschen in der Volksrepublik China mit dem HI-Virus infiziert. Werden sie krank oder bricht die Infektionskrankheit AIDS aus, müssen sich die meisten Betroffenen davor fürchten, in einem Krankenhaus nicht behandelt zu werden. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verweigern die meisten Kliniken regelmäßig die Behandlung von Aids-Patienten. Die UN-Sonderorganisation erklärte, sie habe mit mehr als 100 betroffenen Patienten, 23 Klinikchefs und einer weiteren Anzahl von Klinikbediensteten gesprochen. Die Interviews belegen eindeutig eine Diskriminierung der HIV-Infizierten. So schilderte beispielsweise ein 37jähriger Mann aus der chinesischen Provinz Shaanxi, wie schwierig es für ihn war, wegen eines Magenknotens operiert zu werden. "Jede Klinik hat mir geraten, mich sofort für einen Eingriff einweisen zu lassen, aber als sie hörten, ich bin HIV-positiv, wollte mich keine aufnehmen", sagte er gegenüber der ILO. Auch eine spezielle Klinik habe die Behandlung abgelehnt. Auf die Frage, warum der Patient abgelehnt wurde, sagte ein Manager, der „Ruf könne geschädigt werden“, wenn andere Patienten hiervon erfahren. Aus Unwissenheit fürchten viele Menschen in China die Ansteckung. So meinen viele, die Operation im OP-Saal eines Aids-Kranken reiche aus, um sich später anzustecken. So sagte ein Verantwortlicher: „Der Ruf wäre ruiniert, viele Patienten würden eine Weiterbehandlung bei uns versagen und in eine andere Klinik gehen“.

Krankenhäuser sorgen sich um reiche Patienten
Obwohl China sich als „sozialistisches Land“ präsentiert, arbeiten die meisten Krankenhäuser in erster Linie profitorientiert. Die Sorge vieler Kliniken ist, dass sie voranging reiche Patienten verlieren, wenn zutage kommt, dass sie auch Aids-Kranke Menschen behandeln. Die chinesische Regierung in Peking hatte bereits zu Beginn des Jahres striktere Regeln aufgestellt, um das benannte Problem zu beenden. Diese Regularien seien aber nach Meinung der UN-Vertreter noch unzureichend, um HIV-Betroffenen vor Diskriminierungen durch Kliniken zu schützen. Nach wie vor finden eklatante Diskriminierungen statt.

Aids und Homosexualität Jahrzehntelange Tabuthemen
Genauso wie Homosexualität war die Immunschwächekrankheit Aids in China vor einer nicht allzu langer Zeit ein staatlich verordnetes Tabu-Thema. In Zeiten des kalten Krieges und noch lange danach verbot die chinesische Regierung jede Diskussion oder öffentliche Debatte über das Thema. Erst in den letzten drei Jahren vollzog sich eine Öffnung. Dennoch bestehen in der Bevölkerung große Wissenslücken zu den Übertragungswegen der Infektionskrankheit. Viele Menschen denken, dass ein Hautkontakt bereits ausreichen könnte, um sich zu infizieren. Nach offiziellen Angaben leben in China rund 740.000 Menschen mit dem Virus, darunter 10.000 Kinder. Offiziell starben laut chinesischem Gesundheitsministerium 35. 000 Menschen an Aids. Unabhängige Gesundheitsexperten schätzen jedoch die Zahlen weitaus höher ein. In einigen Provinzen soll der Anteil der HIV-Betroffenen bei 70 Prozent liegen, weil Geschäftemacher Anfang der 90er Jahre Menschen auf dem Land gegen wenig Geld Blutabnahmen und die Spritzen erst dann wechselten, wenn sie schon vollkommen stumpf waren. (sb)