Chinesische Medizin kann bei zahlreichen Volkskrankheiten helfen

Sebastian
Wie die alternative Medizin bei den großen Volkskrankheiten hilft
Chinesische Medizin gewinnt auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung und Einfluss. Vor allem die Akupunktur hat ihren festen Platz im Gesundheitswesen. Doch die Chinesische Medizin entfaltet ihr vollständiges Potenzial erst durch den Einsatz der naturheilkundlichen Arzneitherapie. Die fernöstliche Medizinlehre beruht auf einer ganzheitlichen Betrachtungsweise. Sie kennt kein starres Therapieschema. Bei Patienten mit demselben Krankheitsbild, können ganz verschiedene Ursachen zugrundeliegen. Aber es gibt Erklärungsmodelle für Krankheiten, die für die meisten Patienten zutreffen. Dr. Christian Schmincke, TCM-Experte und Leiter der Klinik am Steigerwald, stellt die großen Volkskrankheiten mit chinesischem Blick vor:

Rückenschmerzen: Aus Sicht der Chinesischen Medizin kommen neben Fehlbelastungen vor allem Zirkulationsstörungen oder Verschlackung als mögliche Ursachen für Rückenschmerzen infrage. Denn durch eine gestörte Ver- und Entsorgung von Muskeln und Bindegewebe verliert das Gewebe seine Festigkeit, Elastizität und Anpassungsfähigkeit. Auch nicht ausgeheilte Erkältungen können hartnäckige Rückenschmerzen bewirken. Hier hilft vor allem die chinesische Arzneitherapie, wichtige Ausleitungsprozesse in Gang zu bringen. So sorgen für die Ausleitung entzündlicher Stoffe beispielsweise Arzneien, die auch Besenbeifuß und die Wurzeln des chinesischen Schnurbaums enthalten. Zudem verordnen TCM-Experten ergänzend schmerzlindernde Verfahren wie Akupunktur. Sie löst Spannungszustände und belebt den Muskeltonus.

TCM-Arzneien: Ist die Herkunft entscheidend? Bild: Syda Productions - fotolia
TCM-Arzneien:  Bild: Syda Productions – fotolia

Kopfschmerzen & Migräne: Kopfschmerzen haben oft vielfältige Ursachen. Daher steht zunächst eine umfassende Anamnese und Diagnostik im Mittelpunkt. Diese helfen, auslösende Faktoren und kleine Körpersignale zu erkennen. So sieht die Chinesische Medizin beispielsweise in einer ungünstigen Spannungsverarbeitung oder in gestörten Bauch- und Unterbauch-Vorgängen einen ursächlichen Zusammenhang mit Kopfschmerzen. Wollen TCM-Experten in der Akutphase Blockaden zwischen Kopf und Bauch lösen, setzen sie auf Bambus als Bestandteil in chinesischen Arzneirezepturen. Als weitere wichtige Pfeiler gelten auch Akupunktur und Moxibustion – die Stimulierung von Akupunkturpunkten mittels Erwärmung. Sie helfen insbesondere bei Schmerzanfällen, die häufig während der Absetzphase migränebezogener Medikamente auftreten.

Bluthochdruck: Die bekannteste Säule der Chinesischen Medizin ist Akupunktur. Auch bei Bluthochdruck bestätigen Studien positive Wirkungen. Über Akupunktur lassen sich je nach Patient sehr gut entlastende und spannungsregulierende Punkte auswählen, die im Einzelfall Erfolge erzielen. Um jedoch eine größere Regenerations- und Schwingungsfähigkeit des Blutdrucksystems zu erreichen, wird die chinesische Arzneitherapie eingesetzt. Sanfte Körpertherapien und Qi-Gong lösen Spannungen und stärken die Klärungsfunktion des Körpers, sodass sich die Durchblutung verbessert. Auch eine bedachte Auswahl an Lebensmitteln beugt Bluthochdruck vor. Auf ein Übermaß an tierischen Eiweißen sollte verzichtet werden.

Mehr zum Thema:

Diabetes: Beim Diabetes Typ 1 zeigt sich, wie gut sich chinesische Medizin und Schulmedizin ergänzen. Ohne das pharmakologisch hergestellte Insulin sind diese Patienten in früheren Zeiten gestorben. Insulin ist also zuerst einmal ein Segen für jeden insulinpflichtigen Diabetiker. Mit entsprechender Lebensordnung haben Patienten eine gute Prognose für ein langes Leben. Dennoch können auch sie den täglichen Insulinbedarf mithilfe Chinesischer Medizin senken. Beim Typ-2-Diabetes ist die Ansprechbarkeit der Zellen für Insulin gestört. Um diese auszugleichen, produzieren die Inselzellen immer mehr Insulin und erschöpfen sich auf Dauer.

Wenn die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse ihre Insulinproduktion noch nicht ganz aufgegeben haben, ist durch eine Behandlung nach chinesischen Grundsätzen ein Absetzen der Antidiabetika möglich. Auch wenn der Diabetes 2 insulinpflichtig geworden ist, lassen sich Verbesserungen teils sogar unter Verzicht auf Insulingabe bei gleichzeitiger Glättung der Blutzuckerprofile erzielen. Aus Sicht der Chinesischen Medizin ist beim Diabetes häufig der Organismus durch Nahrung, Gefühle und Information überfordert, es gibt einen Stau, der vor allem die Versorgungs- und Entsorgungswege verstellt. Die Blutzuckerentgleisung ist also Folge einer allgemeineren Unordnung, die Körper und Seele schlägt. Beim Diabetes versuchen TCM-Ärzte die Klärungsfunktionen des Körpers mit Werkzeugen wie chinesischen Arzneipflanzen, Akupunktur, Körpertherapien und Qi Gong zu stärken. Eine Ernährungsumstellung ist für die Nachhaltigkeit des Erfolgs aber unabdingbar.

Völlegefühl. Im Bauch sitzt, nach chinesischem Denken, das sogenannte Mitte-Organ. Es ist die Sortier-Station des Körpers. Neben dem Ort der Verdauung ist der Bauch zugleich eine Art Umschlagplatz für Informationen und Gefühle. In Zeiten ständiger Überforderung durch die Fülle des Angebots reagiert die Mitte daher immer häufiger mit Verstopfung, Durchfall oder schmerzhaften Blähungen. Um energetische und stoffliche Entgleisungen zu korrigieren, greifen TCM-Experten auf Arzneirezepturen zurück, welche die natürlichen Klärungsfunktionen des Organismus stärken. So können Erdsprosse der Mittsommerpflanze oder die Fiederweißdornbeere als Rezeptur-Bestandteil die Verdauungskraft fördern. Um dauerhaft Magen-Darm-Beschwerden zu vermeiden, gilt es bestimmte Grundsätze der chinesischen Ernährungslehre zu berücksichtigen. So berichten beispielsweise vom Reizdarm Betroffene, dem colon irritable, von Erfolgen bei der Behandlung ihrer Krankheit durch gemüsebetonte Kost, mit möglichst wenig tierischem Eiweiß.