DAK verlangt auch 2011 einen Zusatzbeitrag

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DAK Zusatzbeitrag auch 2011

Die Krankenkasse DAK verlangt allen Anschein nach auch kommenden Jahr 2011 einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten.

Die gesetzliche Krankenkasse DAK wird aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten verlangen. Und das, obwohl Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine stabile gesetzliche Krankenversicherung im Zuge der Gesundheitsreform versprochen hatte.

Zusatzbeiträge von acht Euro auch 2011
Nach Informationen der „Frankfurter Rundschau“ wird die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) auch im nächsten Jahr einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Informationen des DAK-Verwaltungsrates. Hierbei zitierte die Rundschau einen „Insider“ der DAK: „Wir werden auch 2011 einen Zusatzbeitrag brauchen“. Die DAK erhebt derzeit zusätzlich zu dem regulären Krankenversicherungsbeitrag einen pauschalen Zusatzbeitrag von acht Euro pro Monat pro Mitglied. Das sind ungefähr 100 Euro mehr im Jahr.

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Viele wechselten die Krankenkasse und machten von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch
Natürlich weiß man bei der DAK, dass Zusatzbeiträge keine neuen Versicherten locken und eher abschrecken. Nach offiziellen Angaben wechselten bis Mitte des Jahres rund 241 000 DAK-Versicherte die Krankenkasse. Rechnet man die beitragsfreien Mitversicherten dazu, so verließen sogar rund 307.000 Menschen die DAK. Wie eine Sprecherin der Krankenkasse damals sagte, hätte die DAK allerdings 60.000 Versicherte durch Todesfälle oder Wechsel in die beitragsfreie Familienversicherung verloren. Denn wenn eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten verlangt, können Kassenmitglieder von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Allen Anschein nach, nahmen viele dieses Kündigungsrecht in Anspruch. Nach Schätzungen wechselten 2010 etwa eine halbe Million Menschen aufgrund von Zusatzbeiträgen ihre Krankenversicherung.

Der Haushalt der Kasse soll erst am 15 Dezember verabschiedet werden. Dann soll auch endgültig feststehen, ob die DAK auch 2011 pauschale Zusatzbeiträge benötigt. „Natürlich diskutieren wir intern über diese Frage, aber es gibt dazu keine Entscheidung.“, sagte ein DAK-Sprecher. Noch sei zudem nicht klar, wie viel die Krankenkasse im letzten Jahr aus dem Finanzausgleich des Gesundheitsfonds erhalten habe. „Es ist noch unklar, was uns erwartet.“.

Mit rund 4,7 Millionen Versicherten ist die DAK die drittgrößte Krankenkasse in Deutschland. Die DAK war mit einer der ersten Kassen, die im Februar 2010 einen zusätzlich Pauschalbetrag von 8 Euro verlangten. Die Kasse muss deshalb zusätzliche Beiträge verlangen, weil die finanziellen Mittel, die sie aus dem Gesundheitsfond erhält, nicht für die Gesundheitsleistungen ihrer Mitglieder ausreichte. Laut der Frankfurter Rundschau deutet alles daraufhin, dass die Kasse auch im kommenden Jahr einen Zusatzbeitrag erheben muss.

Steigende Ausgaben bei der gesetzlichen Krankenversicherung
Nach Schätzungen von Gesundheitsökonomen steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2011 von 172,4 auf 178,9 Milliarden Euro. Die Einnahmen der Kassen steigen von 170,3 Milliarden Euro auf die für die Ausgaben benötigte Summe. Im Verlauf des Jahres müssen alle Krankenkassen 2,1 Milliarden Euro selbst aufbringen, entweder durch Einsparungen im eigenen System oder eben durch zusätzliche Beiträge. Die meisten Krankenkassen gehen davon aus, dass die Mehrausgaben durch die Beitragserhöhungen von 14,9 auf 15,5 Prozent aufgefangen werden können. Allerdings hat der Bundesgesundheitsminister in „weiser Voraussicht“ die Möglichkeit geschaffen, dass Kassen im Zuge der Gesundheitsreform die Höhe der Zusatzbeiträge ab 2011 selbst bestimmen können.

In Zukunft flächendeckende Zusatzbeiträge?
Nach Berechnungen des DGB bleiben im kommenden Jahr die meisten Versicherten von Zusatzbeiträgen verschont, allerdings rechnet der Gewerkschaftsbund damit, dass in den nächsten 5 bis 10 Jahren die zusätzlichen Beitrage massiv ansteigen werden, weil die Kosten im Gesundheitssystem kontinuierlich nach oben schnellen. Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sagt hierzu: „Wenn ich als Krankenkasse viele Versicherte in teuren Regionen habe, wo es teure Krankenhäuser gibt, oder in einer Region, in der Ärzte teure Arzneimittel verordnen, kann es schon sein, dass ich Probleme habe, ohne Defizit davonzukommen.“ Das bedeutet: Trotz oder aufgrund der Gesundheitsreform werden in Zukunft Krankenversicherte nicht von zusätzlichen Beiträgen verschont bleiben. (sb, 03.11.2010)

Erheben Krankenkassen einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten, können Mitglieder durch die Veränderungen von ihren Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Die Kündigungsfrist beträgt bei einer Sonderkündigung zwei Monate zum Monatsende. Der Zusatzbeitrag oder auch der erhöhte Zusatzbeitrag muss von dem Versicherten während der Kündigungsfrist nicht gezahlt werden. Allerdings besteht eine Krankenversicherungspflicht, das bedeutet, man muss sich innerhalb der Kündigungsfrist eine neue Krankenkasse suchen. Doch Vorsicht, man sollte genau schauen, welche Krankenkassen nicht schon einen Zusatzbeitrag angekündigt hat, ansonsten muss man nach nur einer kurzen Zeit erneut wechseln. Fusioniert eine Kasse, so kann man allerdings keinen Gebrauch von seinem Sonderkündigungsrecht machen.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll im Zuge der Gesundheitsreform die Begrenzung Obergrenze der Zusatzbeiträge wegfallen. Ab dem kommenden Jahr 2011 sollen die Krankenkassen die Obergrenze für Zusatzbeiträge selbstständig festlegen dürfen. Momentan ist der Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen auf maximal 1 Prozent vom Bruttolohn des Arbeitnehmers beschränkt. Der maximale Zusatzbeitrag liegt bei 37,50 Euro pro Monat.