Dermatologen können Hautkrankheiten per Smartphone-Fotos feststellen

Volker Blasek

Studienteam in Philadelphia testet die Ferndiagnose

Ein Forschungsteam des Kinderkrankenhauses von Philadelphia fand in einer aktuellen Studie heraus, dass die Qualität von Smartphone-Fotos ausreicht, um eine zuverlässige Diagnose über Hautkrankheiten zu stellen. In Gebieten, in denen es an pädiatrischen Dermatologen mangelt, könnte diese Ferndiagnose in Zukunft nützlich sein. Mit Hilfe von Smartphone-Kameras nahmen teilnehmende Eltern qualitativ hochwertige Fotos des Hautzustandes ihres Kindes auf und sendeten die Bilder an einen Dermatologen. Dieser stellte dann anhand der Fotos eine Diagnose. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Ärzte in der Lage sind, mit dieser Methode zuverlässige Diagnosen zu stellen.


Vierzig Patientenfamilien nahmen an der Studie teil, die zwischen März und September 2016 stattfand. Die Hälfte der Probanden erhielt genaue Anweisungen, wie sie die Fotos aufnehmen sollen. Die andere Hälfte erhielt keine Anweisungen. Jeder Proband wurde persönlich von einem Dermatologen untersucht und zusätzlich per Ferndiagnose anhand der Fotos von einem anderen Dermatologen begutachtet. Die Forscher verglichen nun die Diagnosen. Insgesamt fanden die Wissenschaftler heraus, dass in 83 Prozent der Fälle die fotografische Diagnose mit der persönlichen Diagnose übereinstimmte. Lediglich drei Fotos hatten eine ungenügende Qualität für eine Diagnose. Nimmt man diese aus der Wertung, lag die Übereinstimmung sogar bei 89 Prozent.

Neue Studie bestätigt, dass Ferndiagnosen bei Hautkrankheiten durch hochauflösende Smartphone-Aufnahmen möglich sind. (Bild: rocketclips/fotolia.com)

Die Ergebnisse der Studie sind positiv

„Unsere Studie zeigt, dass Eltern in den meisten Fällen Fotos von ausreichender Qualität machen können, um eine genaue Teledermatologiediagnose bei pädiatrischen Hauterkrankungen zu ermöglichen“, erläutert Patrick McMahon, Kinder-Dermatologe und leitender Autor der Studie. Dies sei wichtig, um eine Versorgung durch pädiatrische Dermatologie sicherzustellen. Laut McMahon stehen derzeit in den USA weniger als 300 zertifizierte Ärzte für 75 Millionen Kinder zur Verfügung. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Telemedizin den Zugang für Patientenfamilien verbessern könnte, die geographische, terminliche oder finanzielle Einschränkungen haben, und die Wartezeiten reduziert“, fasst McMahon zusammen. Die Studie, die im Fachmagazin JAMA Dermatology veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass Smartphone-Fotos, die Eltern vom Hautbild ihrer Kinder machen, als eine Methode zur pädiatrischen dermatologischen Versorgung verwendet werden können.

Diskussion über Telediagnose auch in Deutschland

Derzeit ist die Ferndiagnose auch hierzulande in der Diskussion, doch bleibt sie in Deutschland bislang verboten. Lediglich Folgebehandlungen bekannter Patienten dürfen per Videosprechstunde vollzogen werden und nur wenige Ärzte bieten bereits eine Videosprechstunde an. Laut Ärztekammer liegt der Hauptgrund der geringen Verbreitung bei den Krankenkassen, die zu wenig für diesen Service bezahlen. Die monatlichen Kosten für eine Software, die für Videosprechstunden geeignet ist, belaufen sich auf 30 bis 70 Euro pro Monat. Der Arzt könne für diese Form der Sprechstunde aber nur 800 Euro pro Jahr geltend machen und auch nur, wenn es sich um vergleichsweise günstigere Folgebehandlungen handelt. Eine Expertengruppe der Ärztekammer setzt sich dafür ein, zukünftige Diagnosen zumindest in Ausnahmefällen per Videochat zu erlauben. Voraussichtlich soll beim nächsten Deutschen Ärztetag, der im Mai 2018 in Erfurt stattfindet, offiziell darüber entschieden werden. Erste Pilotprojekte fanden bereits in Nordrhein-Westfalen und Berlin statt. (fp)