Diabetes bekämpfen: Künstliche Bauchspeicheldrüse kann Insulin produzieren

Alfred Domke

Durchbruch in der Diabetes-Forschung: Künstliche Bauchspeicheldrüse produziert Insulin

Weltweit leiden Millionen Menschen an Typ-1-Diabetes, in Deutschland sind es rund 400.000. Betroffene müssen sich regelmäßig Insulin spritzen, da ihr Körper dieses Hormon nicht mehr selbst produziert. Doch Forschern in Dresden ist es nun gelungen, im Tiermodell eine künstliche Bauchspeicheldrüse einzusetzen, die selbstständig Insulin produziert. Möglicherweise könnte dies in Zukunft auch Menschen helfen.

Blutzuckerspiegel messen und Insulin-Dosis berechnen

Allein in Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an Typ-1-Diabetes. Bei diesen Patienten stoppt die Bauchspeicheldrüse die Herstellung von Insulin. Betroffene müssen daher immer wieder den Blutzuckerspiegel messen und berechnen, wie viel Insulin sie sich verabreichen müssen. Deutsche Wissenschaftler haben zwar vor einigen Jahren berichtet, erste Erfolge auf dem Weg zu einer Impfung zum Schutz vor Diabetes Typ 1 erzielt zu haben, doch es sei noch wesentlich mehr Forschung nötig. Nun bereitet eine Meldung aus Sachsen Hoffnung: Forschern in Dresden ist es gelungen, im Tiermodell eine künstliche Bauchspeicheldrüse einzusetzen, die selbstständig Insulin produziert.

Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen sich immer wider Insulin spritzen, weil ihr Körper dieses Hormon nicht mehr selbst produziert. Nun ist es Forschern jedoch im Tiermodell gelungen, eine künstliche Bauchspeicheldrüse einzusetzen, die selbstständig Insulin produziert. Dies könnte künftig auch Menschen helfen. (Bild: 6okean/fotolia.com)

Künstliches Organ mit Schweinezellen

Laut einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ (SZ-Online) ist es Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Dresden weltweit erstmals gelungen, Rhesusaffen ein künstliches Organ mit Schweinezellen einzupflanzen.

Den Angaben zufolge ersetzt das fünf Zentimeter große Gerät im Affen die Insulin-produzierende Bauchspeicheldrüse.

Wie es in dem Zeitungsbericht heißt, funktionierten die im Kunst-Organ eingeschlossenen Spenderzellen auch noch einem halben Jahr. Demnach fingen sie an, Insulin zu produzieren, wenn der Zuckerspiegel im Blut stieg.

Bioreaktor übernimmt Insulinproduktion

Herzstück des Systems ist ein Bioreaktor, der die Insulinproduktion übernimmt. Entwickelt wurde dieser gemeinsam mit einer Biotech-Firma aus Israel.

Laut SZ-Online werden in die kleine Kammer „insulinproduzierende Spenderzellen eingeschlossen und durch Sauerstoff am Leben erhalten. Rundherum ist eine Membran.“

„Ähnlich dem Prinzip einer Regenjacke kommt Insulin nach draußen, die Immunzellen aber nicht von außen an die fremden Zellen heran“, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter.

Menschliche Spenderzellen nicht ausreichend vorhanden

Bereits 2013 hatte ein Wissenschaftlerteam um Professor Dr. Stefan R. Bornstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden einem Patienten zeitweise solch ein künstliches Organ unter die Haut implantiert.

Der implantierte Bioreaktor mit menschlichen Zellen produzierte dort rund ein Jahr lang zuverlässig Insulin, berichtete das Universitätsklinikum damals in einer Mitteilung, in der Professor Bornstein meinte:

„Wir schätzen, dass das System in fünf Jahren eine Therapieoption in der Behandlung des Diabetes sein wird.“

Nun kamen sie diesem Ziel ein gutes Stück näher. „Das Problem bleibt aber, dass menschliche Spenderzellen nicht im benötigten Maß zur Verfügung stehen“, erklärte Studienleiter Bornstein laut SZ-Online.

Doch schon vor Jahren wiesen die Experten darauf hin, dass bei ihrem Verfahren theoretisch „auch insulinproduzierende Zellen vom Schwein eingesetzt werden“ könnten, „ohne vom menschlichen Organismus abgestoßen zu werden“, heißt es in der älteren Mitteilung.

Bald eine Therapieoption in der Behandlung von Diabetes

Die aktuellen Versuche wurden von der Dresdner Medizinerin Barbara Ludwig am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen mit menschenähnlichen Rhesusaffen durchgeführt.

Unterstützung gab es vom King’s College in London. Die Forscher wollen nun herausfinden, ob die Ergebnisse auch auf den Menschen übertragbar sind.

Laut SZ-Online soll die Studie durch das Paul-Ehrlich-Institut, das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, geprüft werden. Dann wird sich zeigen, ob klinische Versuche mit Patienten zugelassen werden.

„Schweinezellen im Menschen sind Neuland für die Behörden“, erklärte Professor Bornstein gegenüber der Zeitung. Doch er ist zuversichtlich, dass der Bioreaktor Erkrankten in einigen Jahren helfen kann. (ad)