DNA-Analysen zeigen schneller resistente Keime

Heilpraxisnet

Schnelle DNA-Analysen im Kampf gegen resistente Keime

03.06.2014

Bis zu 15.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr, weil sie sich in Klinken mit gefährlichen Erregern infizieren. Neue DNA-Analysen sollen nun dazu beitragen, dass die Behandlung beschleunigt werden kann. Bereits in vier Stunden können damit resistente Keime bestimmt werden.

Vier Stunden für die Analyse
Der Kampf gegen antibiotikaresistente Klinikkeime soll künftig durch eine Plastikkartusche in der Größe einer Zigarrenkiste beschleunigt werden. Diese Boxen kommen dann in ein Analysegerät, worin die DNA der Erreger kopiert, vervielfacht und der Keimtyp und seine Widerstandsfähigkeit gegen Medikamente bestimmt wird. Wie der Geschäftsführer der Herstellerfirma Curetis AG in Holzgerlingen (Kreis Böblingen), Oliver Schacht, sagte, brauche dieses Minilabor für seine Analyse lediglich gut vier Stunden. „Das System ist so einfach, dass eine Krankenhausschwester es auch nachts um drei benutzen kann“, so Schacht. Bis zu drei Tage dauerte die Analyse mit der üblichen Methode (Nährboden, Petrischale, Wachsenlassen, Begutachten).

Jährlich bis zu 15.000 Tote durch Krankenhauskeime
Prof. Udo Reischl vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene am Uniklinikum Regensburg, erklärte: „Das ist für Krankenhäuser unpraktisch. Ärzte müssen oft schnell wissen, ob ein Patient mit hochresistenten Bakterien besiedelt ist.“ Die Infektionsfälle in deutschen Krankenhäusern werden von Experten auf eine sechsstellige Zahl pro Jahr geschätzt. Je nach Angaben ist von 20.000 bis zu 40.000 Todesfällen die Rede, wobei das Bundesgesundheitsministerium 7.500 bis 15.000 Fälle nennt. Experten sprechen von einer globalen Zunahme multiresistenter Bakterienstämme. Die widerstandsfähigen Erreger verbreiten sich durch den Einsatz unspezifischer Breitbandantibiotika immer mehr. Schacht nennt das „Evolution im Schnelldurchlauf.“

Hohe Kosten
Das Kartuschensystem soll es Medizinern nun auch ermöglichen, Arzneimittel präziser einzusetzen. Nach Angaben von Schacht kosten die Diagnose-Geräte bis zu 55.000 Euro. Derzeit würden sie den Krankenhäusern, die sie testen, gestellt. Die Einwegkartuschen kosten 192 bis 262 Euro und pro Intensivstation liege der Bedarf bei etwa 200 Tests im Jahr. Reischl zufolge gibt es auch deutlich günstigere DNA-Analysen. Doch er meinte: „Krankenkassen wollen neue Technologie nur einführen, wenn sie kostenneutral ist.“ Da ein Tag auf der Intensivstation 2.000 bis 2.500 Euro kosten könnte, lasse sich laut Schacht mit zügigeren und gezielteren Behandlungen Geld sparen. „Jede Stunde, die ich früher behandeln kann, verkürzt Liegezeit“, erläuterte Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Er sieht in der schnellen Diagnostik jedoch auch eine Gefahr: „Die medizinische Realität ist komplex. Mal eben am Bett eine Probe zu nehmen und zu entscheiden, ist davon weit entfernt. Der reine Nachweis sagt oft wenig.“

Senioren sind besonders gefährdet
Für die meisten Infektionen ist der sogenannte MRSA-Keim („Methicillin-resistente Staphylococcus aureus“) verantwortlich. Dabei handelt es sich um Erreger, die gegen sämtliche gängigen marktverfügbaren Beta-Lactam-Antibiotika wie beispielsweise Penicillin resistent sind und nur noch auf die Behandlung mit sogenannten „Reserve-Antibiotika“ ansprechen. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und Senioren sind besonders gefährdet. Im vergangenen Jahr seien zwei Drittel der Erkrankten 70 Jahre oder älter gewesen. Typische Symptome nach einer Infektion reichen von Entzündungen, Durchfall, Lungenentzündung, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu einer Blutvergiftung. Nicht nur der leichtfertige Einsatz von Antibiotika, sondern auch mangelnde Sterilität wird mit der Verbreitung solcher „Superkeime“ in Verbindung gebracht. (ad)

Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de