Übelkeit und Erbrechen

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Fabian Peters

Übelkeit mit gleichzeitigem Erbrechen

Kaum ein Beschwerdebild kann durch derart viele Ursachen bedingt werde wie Übelkeit und Erbrechen. Von psychosomatischen Leiden über akute Lebensmittelvergiftungen und chronische Erkrankungen des Magens oder anderer Verdauungsorgane, bis hin zu akuten Herz-Kreislauferkrankungen oder einem Hirntumor reichen die potenziellen Auslöser. In den folgenden Abschnitten wird eine Erläuterung der Begrifflichkeiten sowie eine grobe Übersicht zu den Ursachen und möglichen Gegenmaßnahmen bei Übelkeit und Erbrechen geboten.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Beschwerdebild
Ursachen
Übelkeit und Erbrechen bei Infektionskrankheiten
Erkrankungen der inneren Organe
Vergiftungen als Ursache
Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
Weitere Ursachen für Übelkeit und Erbrechen
Diagnose
Behandlung
Naturheilkunde

Definition

Erbrechen ist ein im sogenannten Brechzentrum des Gehirns ausgelöster Reflex, durch den der Mageninhalt plötzlich oral entleert wird. In der medizinischen Fachliteratur ist auch von Emesis oder der Vomitus die Rede. Übelkeit (auch Nausea) bezeichnet die Vorstufe beziehungsweise das Gefühl des Erbrechens.

Young woman vomiting into the toilet bowl in the early stages of pregnancy or after a night of partying and drinking.
Übelkeit und Erbrechen ist eine Begleitsymptom bei zahlreichen Erkrankungen. (Bild: VadimGuzhva/fotolia.com)

Beschwerdebild

Ausgelöst wird Übelkeit und Erbrechen durch einen reflexartigen Mechanismus des Brechzentrums im Gehirn. Das im Hirnstamm befindliche Brechzentrum steht in ständiger Kommunikation mit dem Magen-Darm-Trakt (über den Nervus vagus), dem Kleinhirn, den Gleichgewichtsorganen und der Großhirnrinde (zuständig zum Beispiel für den Geruchssinn und das psychische Befinden). Auch erhält das Brechzentrum über die sogenannte Area postrema Informationen zu den Blutwerten beziehungsweise den Giftstoffen im Blut. Senden die verbundenen Sinnesorgane entsprechende Alarmsignale an das Brechzentrum, wird hier über bislang noch nicht gänzlich ergründete neuronale Prozesse zunächst ein Gefühl der Übelkeit und anschließend der Brechreflex ausgelöst.

Bekannt ist, dass der Brechreflex mit einer Aktivierung des neunten und zehnten Hirnnervs, bestimmter Nerven der Atemwege, Bauchmuskeln und des Zwerchfells einhergeht. Im Vorfeld des Erbrechens zeigen sich Körperreaktionen wie eine erhöhte Speichelproduktion, starkes Schwitzen und ein Abfallen des Blutdrucks. Beim Brechakt selbst wird durch die abgestimmte Bewegung beziehungsweise Kontraktion und Entspannung von Zwerchfell, Bauch- und Atemmuskulatur eine Druckwelle im Körperinneren erzeugt, die mit Unterstützung durch die Speiseröhre zur oralen Entleerung des Magens führt. Wiederholtes starkes Erbrechen führt zu Reizungen und möglicherweise Entzündungen der Speiseröhre in Folge des Kontakts mit der Magensäure. Auch tritt in sehr seltenen Fällen ein Riss der Speiseröhre ein, die sogenannte spontane Ösophagusperforation. Unbehandelt kann eine solche Speiseröhrenperforation, wie sie beispielsweise im Zuge des Boerhaave-Syndroms auftrtitt, schnell zum Tod der Patienten führen.

Entsprechend den unterschiedlichen Ursachen für Übelkeit und Erbrechen sind zahlreiche begleitende Symptome möglich, die anschließend jeweils im Zusammenhang mit den Auslösern der Beschwerden näher ausgeführt werden.

Ursachen

Das Erbrechen ist eigentlich ein Schutzreflex des Organismus, mit dessen Hilfe der Körper von schädlichen Substanzen und Keimen befreit werden soll. Doch kann auch extremer Ekel vor bestimmten Gerüchen und optischen Eindrücken den Brechreiz verursachen. Des Weiteren sind Belastungen des Gleichgewichtssinns, wie zum Beispiel bei Seegang auf einem Schiff oder in der Achterbahn, mitunter Auslöser von Übelkeit und Erbrechen. Auch psychosomatische Faktoren können hier eine Rolle spielen, wie beispielsweise bei einem sogenannten nervösen Magen, der durch Brechreiz bei extremer Aufregung beziehungsweise geistiger Anspannung gekennzeichnet ist. Liebeskummer und Trauer um Verstorbene sind ebenfalls gelegentlich mit einem unwohlen Gefühl in der Magengegend und Brechreiz verbunden. Übelkeit und Erbrechen sind des Weiteren häufig eine Folge von Operationen unter Narkose, wobei hier eine Selbstschutzreaktion des Organismus auf die eingesetzten Anästhetika als Ursache vermutet wird.

Ursache Infektionskrankheiten

Zahlreiche Infektionskrankheiten schlagen den Betroffenen auf den Magen, wobei zwischen Infektionen unmittelbar im Magen-Darm-Trakt, wie beispielsweise durch Salmonellen, Escheria Coli oder andere Viren und Bakterien, sowie allgemeinen Infektionskrankheiten, wie beispielsweise der durch Zecken übertragenen Borreliose, unterschieden werden kann. Anhand der Begleitsymptome lässt sich hier in der Regel recht einfach eine Einteilung treffen. Zeigen die Betroffenen überwiegend Beschwerden im unmittelbaren Magen-Darm-Bereich, wie Bauchschmerzen, Magenkrämpfe oder Durchfall, liegt der Verdacht auf eine virale oder bakterielle Magen-Darm-Infektion nahe. Die in der Regel oral aufgenommenen Krankheitserreger wandern dabei von oben nach unten durch den Verdauungstrakt. Übelkeit und Erbrechen stehen daher meist zu Beginn der Magen-Darm-Infektion, während Durchfall oft gegen Ende des Krankheitsverlaufs folgt.

Zwar sind auch bei den Magen-Darm-Infektionen unter Umständen begleitend zu Übelkeit und Erbrechen weitere Symptome, wie Kopfschmerzen, Fieber oder Gliederschmerzen zu beobachten, doch spielen sie angesichts der massiven Beschwerden im Magen-Darm-Bereich eher eine untergeordnete Rolle. Bei den allgemeinen Infektionskrankheiten ist hingegen Übelkeit und Erbrechen eher das Begleitsymptom und andere Beschwerden überwiegen. So leiden beispielsweise Borreliose-Patienten nur gelegentlich unter Übelkeit und Erbrechen. Hauptsymptome der Erkrankung sind indes ein runder rötlicher Juckender Hautausschlag und allgemeine Beschwerden, wie chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Sehstörungen und Schwindel. Sie sind oft derart ausgeprägt, dass Übelkeit und eventuelles Erbrechen hier eher die Nebenerscheinung darstellen. Dies gilt gleichermaßen für die ebenfalls durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis und andere Infektionskrankheiten , wie beispielsweise die Legionärskrankheit (Legionellose), das sogenannte Q-Fieber oder Diphtherie, welche ebenfalls mitunter von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Besteht chronische Übelkeit ohne Erbrechen und ohne schulmedizinischen Befund, kann das auf eine mangelnde Produktion von Verdauungssäften aber auch auf eine Verdauungsstörung (Dyspepsie) durch eine fehlbesiedelte Darmflora (Dysbiose, Darmmykose) hindeuten.

Erkrankungen der inneren Organe

Verschiedene Erkrankungen der Verdauungsorgane sind mit Übelkeit und Erbrechen verbunden, wobei hier häufig entzündliche Prozesse eine Rolle spielen. So gelten beispielsweise eine Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis), ebenso wie eine Magenschleimhautentzündung, ein Magengeschwür, ein Zwölffingerdarmgeschwür, eine Blinddarmentzündung und eine Bauchfellentzündung als mögliche Ursachen für Übelkeit und Erbrechen. Auch Erkrankungen der Nieren, Leber oder Gallenwege können zu Übelkeit und Erbrechen führen. Die begleitenden Beschwerden sind bei den verschiedenen Krankheiten der inneren Organe äußerst unterschiedlich, wobei einige kritische Alarmsignale bestehen, die in jedem Fall umgehend einer ärztlichen Überprüfung bedürfen. Hierzu zählt zum Beispiel Bluterbrechen, das sogenannte Kaffeesatz-Erbrechen und schwarzer Stuhlgang (auch Teerstuhl genannt). Wenn das Erbrochene nach Fäkalien riecht, kann dies ebenfalls auf einen medizinischen Notfall hinweisen.

Vergiftungen als Ursache

Nicht selten ist Übelkeit und anschließendes Erbrechen Folge einer Vergiftung, wobei deren Ursachen von übermäßigem Alkoholkonsum, über den Verzehr giftiger Pilze oder eine Lebensmittelvergiftung bis hin zu dem Kontakt mit toxischen Chemikalien reichen können. Neben den Brechattacken nach exzessivem Alkoholkonsum zählen vor allem Lebensmittelvergiftungen hierzulande zu den relativ verbreiteten Auslösern für Übelkeit und Erbrechen. Treten die Beschwerden unmittelbar nach dem Essen auf, sollte daher dringen an eine mögliche Lebensmittelvergiftung gedacht werden, zumal diese unter Umständen einen tödlichen Verlauf nehmen kann. Der Kontakt mit hochgiftigen Chemikalien ist heutzutage in Deutschland glücklicherweise auch in der Arbeitswelt relativ selten, so das Übelkeit und Erbrechen nur noch relativ selten auf eine Vergiftung mit entsprechenden Chemikalien zurückgehen.

Abzugrenzen gegenüber den Lebensmittelvergiftungen sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien, wie beispielsweise die Laktoseintoleranz oder eine Nussallergie, die ebenfalls unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme Übelkeit und Erbrechen verursachen können. Hier sind begleitend häufig starke Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfälle zu beobachten.

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Übelkeit und Erbrechen sind häufig auch bei akuten Herz-Kreislaufbeschwerden, wie einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall, zu beobachten. Der Brechreiz bildet bei diesen lebensbedrohlichen Ereignissen jedoch keinesfalls das Leitsymptom. Vielmehr ist ein Herzinfarkt durch massive Brustschmerzen beziehungsweise Herzschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in den Armen und im Oberbauch sowie ein Engegefühl im Brustkorb, Atemnot und Todesangst gekennzeichnet. Bei einem Schlaganfall bilden massive Kopfschmerzen, halbseitige Lähmungen, Sprachstörungen und Wahrnehmungsstörungen die auffälligsten Symptome.

Zu den Herz-Kreislaufbeschwerden, die Übelkeit und Erbrechen auslösen können, zählt auch eine plötzliche Erhöhung des Blutdrucks im Rahmen einer sogenannten Hypertensiven Krise (Bluthochdruckkrise). Oftmals ist eine entsprechende Entgleisung des Blutdruck zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Patienten zu beobachten, die eigenmächtig ihre blutdrucksenkende Arzneien absetzten. Die Hypertensive Krise kann jedoch ebenso durch psychische Faktoren, wie zum Beispiel eine Panikattacke, ausgelöst werden. In eher seltenen Fällen steht die Bluthochdruckkrise auch im Zusammenhang mit akuten Nierenerkrankungen. Neben dem plötzlichen Anstieg des Blutdrucks zeigen die Betroffenen unter Umständen Symptome wie Kopfschmerzen, Nasenbluten und Schwindel.

Fällt der Blutdruck, wie beispielsweise im Rahmen eines sogenannten Kreislaufkollapses (Synkope) plötzlich ab, so ist dies ebenfalls unter Umständen mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Die mangelnde Blutversorgung des Gehirns kann dabei eine kurzfristige Bewusstlosigkeit der Betroffenen bedingen. Schwindel, Ohrensausen und Schweißschübe sind als häufige Begleitsymptome eines plötzliche absackenden Blutdrucks zu nennen.

Weitere Ursachen für Übelkeit und Erbrechen

Neben den bisher genannten Ursachen für Übelkeit und Erbrechen besteht eine breites Spektrum weiterer möglicher Auslöser eines plötzlichen Brechreizes. Dies reicht von Schwangerschaften und Menstruationsbeschwerden über einen Hitzestich, Migräne und Erkrankungen des Innenohrs bis hin zu psychisch-bedingten Essstörungen. Anschließend werden einige dieser Beschwerden jeweils kurz dargestellt.

Migräne
Viele Migräne-Patienten zeigen begleitend zu den anfallartigen extremen Kopfschmerzen weitere Symptome, wie Sehstörungen oder auch Übelkeit und Erbrechen. Als Aurasymptome sind bei Migräneanfällen des Weiteren Sensibilitätsstörungen (Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Gliedern), Gleichgewichtsstörungen und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit bekannt. Auch Geräusche und Gerüche werden von den Betroffenen unter Umständen deutlich intensiver und als extrem unangenehm wahrgenommen. Einige Migräne-Patienten haben zudem Sprachschwierigkeiten.

Sonnenstich, Hitzeschaden
Übelkeit und Erbrechen kann auch als Folge eines Sonnenstichs auftreten. Dieser wird durch eine zu starke Sonneneinstrahlung im Kopfbereich bedingt und führt zu weiteren Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, einem erhöhten Pulsschlag, Benommenheit und schlimmstenfalls einem Kreislaufkollaps. Auch ein steifer Nacken ist in Verbindung mit einem Sonnenstich zu beobachten. Die Folgen einer allgemeinen Überhitzung des Organismus sind denen eines Sonnenstichs in der Regel recht ähnlich, allerdings ist die Ursache nicht eine zu starke Sonneneinstrahlung im Kopf- und Nackenbereich, sondern meist eine Überanstrengung des Körpers bei hohen Temperaturen. Auch der lange Aufenthalt in geschlossenen, stark aufgewärmten Räumen (beispielsweise ein in der Sonne geparktes Auto) kann die körpereigene Temperaturregulation überfordern und eine Überhitzung zur Folge haben, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergeht.

Gehirnerschütterungen
Als leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas sind Gehirnerschütterungen nach einem Sturz auf den Kopf relativ häufig und können dabei neben kurzfristiger Bewusstlosigkeit unmittelbar im Anschluss an das Ereignis, Kopfschmerzen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Erbrechen auslösen. Mitunter beginnen die Betroffenen eines Schädel-Hirn-Traumas auch zu Schielen oder zeigen unterschiedlich große Pupillen. Treten nach einiger Zeit zunehmende Bewusstseinsstörung auf, so ist dies als Hinweis auf ein schwereres Schädel-Hirn-Trauma und möglicherweise vorliegende Blutungen im Schädel zu bewerten.

Tumorerkrankungen
Im Gehirn können sich unterschiedliche Formen von bösartigen Tumoren bilden (zum Beispiel Plexuskarzinom, Glioblastom), die den Hirndruck erhöhen, das sensible neuronale Netzwerk des Brechzentrums stören und auf diese Weise wiederholt Übelkeit und Erbrechen verursachen. Neben Kopfschmerzen, Sprachschwierigkeiten, Sehstörungen und eventuellen Lähmungserscheinungen zeigen sich im Zuge der Tumorerkrankungen des Gehirns gelegentlich auch epileptische Anfälle als weitere Symptome.

Häufig ist Übelkeit und Erbrechen im Rahmen der Krebstherapie beziehungsweise als Folge einer Chemotherapie zu beobachten. Die Beschwerden gehen dabei nicht auf die Krebserkrankung an sich zurück, sondern werden durch die Chemotherapeutika (auch Zytostatika) ausgelöst. Vereinfacht dargestellt, vergiften die Arzneien gezielt den Organismus, um den Krebs zu eliminieren. Das Gehirn erkennt die Vergiftung und reagiert mit entsprechendem Brechreiz. Übelkeit und Erbrechen stellen einen erheblichen, bis heute nicht überwundenen Nachteil der Chemotherapie dar, weil die ohnehin geschwächten Patienten durch den Flüssigkeits- und Nährstoffverlust weitere Kräfte einbüßen.

Schwangerschaftsübelkeit
Viele Frauen leiden im Zuge einer Schwangerschaft vermehrt unter Übelkeit und Erbrechen, wobei sich die Schweregrade dieser sogenannten Schwangerschaftsübelkeit deutlich unterscheiden können. Während einige lediglich morgens nach dem Aufwachen ein leicht flaues Gefühl im Magen plagt, müssen andere sich mehrmals täglich erbrechen, fühlen sich anhalten übel und können kaum Nahrung bei sich behalten. Gesellt sich zu einer schweren Schwangerschaftsübelkeit ein stetiger Gewichtsverlust, ist dringend ein Arztbesuch angeraten. Denn schlimmstenfalls droht eine Unterversorgung mit Nährstoffen, die auch eine nachteilige Wirkung auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes haben kann.

Menstruationsbeschwerden
Übelkeit und Erbrechen sind manchen Frauen auch als Begleiterscheinung ihres Monatszyklus bekannt. Während der Menstruation erleiden sie neben krampfartigen Unterleibsschmerzen (Regelschmerzen) ein Völlegefühl, das sich zu Übelkeit und Erbrechen steigern kann. Die betroffenen Frauen werden hierdurch in ihrem Alltag oftmals deutlich eingeschränkt.

Reisekrankheit
Die Reisekrankheit (Kinetose) beziehungsweise deren bekannteste Form, die Seekrankheit, basiert auf einem Konflikt zwischen den gemeldeten Informationen des Gleichgewichtssinns und der Augen. Das Gehirn ist nicht dazu in der Lage, diese übereinander zu bringen und reagiert mit der vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen. Die Betroffenen zeigen zunächst häufig Schwindel, kalte Schweißschübe und im späteren Verlauf einen starken Brechreiz, der auch nach dem Erbrechen nur kurzfristig nachlässt. Unter Umständen können die Beschwerden in schwächerer Form mehrere Tag nach dem eigentlichen Ereignis anhalten. Als häufige Auslöser sind neben Schifffahrten bei Wellengang auch Flugzeugreisen, Busreisen und ungewohnte Bewegungen wie beispielsweise in einem Karussell oder einer Achterbahn bekannt. Allerdings kann die Kinetose durch unzählige weitere Faktoren bedingt werden, wobei Bewegungen des Untergrundes (z. B. schwankende, sehr hohe Gebäude) oftmals – aber nicht immer – eine Rolle spielen. Ein Gegenbeispiel ist die Kinetose verursacht durch virtuelle Eindrücke, wie beispielsweise bei einem Computerspiel oder im 3D-Kino.

Morbus Menière
Morbus Menière beschreibt eine Erkrankung des Innenohres, die mit starken Schwindelanfällen, Tinnitus und einem einseitigen Verlust des Hörvermögens verbunden ist. Die Schwindelattacken halten oftmals für einige Zeit an und können Übelkeit und Erbrechen auslösen. Häufig müssen sich die Betroffenen zunächst hinsetzen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Besonders häufig betroffen sind Menschen im Alter zwischen 40. und 60. Jahren, Frauen tendenziell öfter als Männer.

Strahlenkrankheit
Die sogenannte Strahlenkrankheit (ausgelöst durch radioaktive Strahlung) ist ebenfalls als mögliche, jedoch glücklicherweise seltene, Ursache für Übelkeit und Erbrechen zu nennen. Begleitend zeigen sich hier weitere Symptome, wie ein Juckender Hautausschlag, Haarausfall, Geschwüre, Störungen des Nervensystem, Blutarmut und zahlreiche eher unspezifische Beschwerden. Je höher die Strahlendosis, der die Patienten ausgesetzt waren, desto schwerwiegender und langanhaltender sind in der Regel die Symptome der Strahlenkrankheit.

Letztendlich könne zahlreiche weitere Faktoren ebenfalls zu Übelkeit und Erbrechen führen, wobei die individuelle Wahrnehmung häufig eine entscheidenden Rolle spielt. Da wiederholtes Erbrechen nicht nur Ausdruck möglicherweise vorliegender Krankheiten ist, sondern stets auch ein Gesundheitsrisiko mit sich bringt, sollte hier spätestens nach dem zweiten Tag in jedem Fall eine ärztliche Kontrolle erfolgen.

Diagnose

Oft lassen sich die Ursachen anhand einer Befragung der Patienten zu dem Auftreten der Beschwerden und möglichen Begleitsymptomen bereits deutlich eingrenzen. Eine erste körperliche Untersuchung (Abtasten, Abhorchen) kann weitere wichtige Hinweise zur Diagnosestellung liefern. Darüber hinaus bieten labortechnische Untersuchungen des Blutes, Stuhlgangs und Urins oftmals bereits recht eindeutige Anhaltspunkte zu möglicherweise vorliegenden Infektionskrankheiten oder Entzündung im Bereich des Verdauungstraktes. Auch Vergiftungen lassen sich im Zuge der Laboruntersuchungen bestimmen.

Ultraschalluntersuchungen bilden bei der Diagnose von Erkrankungen der Verdauungsorgane allgemein ein wichtiges Element. Dies gilt ebenso für die übrigen sogenannten bildgebenden Verfahren, wie beispielsweise die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT), welche zudem zur Diagnose von möglicherweise vorliegenden Schädel-Hirn-Trauma beziehungsweise Blutungen im Schädel und dem Aufspüren von Tumoren eingesetzt werden. Um vorliegende Herz-Kreislauferkrankungen zu erkennen, können außerdem sogenannte Elektrokardiogramme (EKG) erstellt werden. Bei Verdacht auf Morbus Menière sind des Weiteren Hörprüfungen und optische Untersuchungen im Inneren des Ohres (Otoskopie) angebracht. Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist insbesondere bei Übelkeit und Erbrechen ohne weitere Begleitsymptome auch die Möglichkeit einer Schwangerschaftsübelkeit zu bedenken. Hier bringt ein Schwangerschaftstest schnell und unkompliziert Aufschluss.

In vielen Fällen ist die Ursache für Übelkeit und Erbrechen den Betroffenen durchaus bewusst, da der kausale Zusammenhang sich auch medizinischen Laien erschließt. Dies gilt zum Beispiel bei der Reisekrankheit oder dem Erbrechen nach übermäßigem Alkoholkonsum. Aber auch bei einem Sonnenstich wird den Betroffenen oft ohne ärztlichen Rat klar, wodurch ihre Beschwerden bedingt wurden.

Behandlung

Grundsätzlich ist die Behandlung bei Übelkeit und Erbrechen an den jeweiligen Ursachen zu orientieren. Ein ausführliche Darstellung sämtlicher Therapieansätze gegen die möglicherweise vorliegenden Infektionskrankheiten, Herz-Kreislaufbeschwerden, Erkrankungen der inneren Organe, Tumorerkrankungen, Vergiftungen und psychischen Auslöser würde hier jedoch deutlich den Rahmen sprengen. Daher beziehen sich die anschließenden Ausführungen ausschließlich auf Therapieansätze, die direkt auf den Brechreiz einwirken beziehungsweise diesen vermeiden oder die unmittelbaren Folgen des Erbrechens, wie beispielsweise den massiven Flüssigkeitsverlust, beheben sollen.

Zur medikamentösen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen stehen verschiedene übelkeitsmindernde Arzneien (Antiemetika) zur Verfügung, wie beispielsweise das Kortikosteroid, Dexamethason, das Neuroleptikum Droperidol oder das Antihistaminikum Dimenhydrinat. Auch wirken bestimmte sogenannte Prokinetika, welche die Muskeltätigkeit der Hohlorgane (Peristaltik) im Verdauungstrakt beeinflussen, gegen den Brechreiz. Weitere Arzneien setzten unmittelbar bei der Informationsverarbeitung im Brechzentrum des Gehirns an, wo sie die Serotonin-Rezeptoren blockieren und auf diese Weise den Brechreiz unterbinden. Da die orale Einnahme angesichts des Erbrechens mitunter kaum möglich ist, werden die Arzneien nicht selten als Zäpfchen verabreicht oder direkt in die Blutbahn injiziert.

Der Nährstoff- und Flüssigkeitsverlust stellt beim Erbrechen ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko dar, dem mittels des Trinkens von Elektrolytlösungen oder der Verabreichung einer solchen über einen Tropf entgegengewirkt werden kann. Insbesondere bei Anzeichen auf einen akuten Flüssigkeitsmangel (trockener Mund, auffallend geringe Urinabgabe) sollte hier schnell gehandelt werden. Bei starkem Schwangerschaftserbrechen empfiehlt sich ebenfalls in der Regel die Gabe von Elektrolytlösungen, um die Entwicklung des ungeborenen Kindes nicht zu gefährden. Eine erhöhte Aufmerksamkeit sollte dem Ausgleich des Flüssigkeits-, Mineral-, und Nährstoffverlustes auch bei Babys und Kleinkindern gelten.

Naturheilkunde bei Übelkeit und Erbrechen

Die Naturheilkunde bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Behandlung, wobei zwischen äußeren Anwendungen und der Einnahme bestimmter übelkeitsmindernder Substanzen unterschieden werden kann. Zu den äußeren Anwendungen der Naturheilkunde, die eine Linderung des Brechreizes bewirken sollen, zählen zum Beispiel spezielle Formen der Akupunktur und Akupressur.

Zur inneren Anwendung bei Übelkeit und Erbrechen eignen sich Homöopathika, wie Arsenicum album, Ipecacuanha, Sepia oder Nux vomica. Die Auswahl der geeigneten Mittel und ihrer Potenzen sollte jedoch stets erfahrenen Therapeuten überlassen werden. Gegen die Reisekrankheit hat sich in der Homöopathie der Wirkstoff Cocculus bewährt. Auch Schüssler Salze können im Rahmen der naturheilkundlichen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen, wobei hier vor allem das Schüssler Salz Nr. 3 Ferrum phosphoricum, Nr. 5. Kalium Phosphoricum, Nr. 8 Natrium chloratum und Nr. 10. Natrium Sulfuricum eingesetzt werden. Das Schüssler Salz Nr. 9 Natrium Phosphoricum findet gegen die Reisekrankheit Anwendung.

Im Bereich der pflanzenheilkundlichen Behandlung hat sich vor allem Ingwer einen Namen gemacht, aber auch Kamille wird hier eine äußerst positive Wirkung zugesprochen. Die Einnahme erfolgt in der Regel als Tee, wobei dies für Patienten aufgrund des Brechreizes jedoch durchaus mit Schwierigkeiten verbunden sein kann. Wenn bei sporadisch auftretender Übelkeit ein Zusammenhang mit der Darmflora vermutet wird, kann auch eine Darmsanierung durchgeführt werden. Ein Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt beziehungsweise eine Übersäuerung des Organismus wird in der Naturheilkunde gelegentlich ebenfalls in Verbindung mit dem Gefühl der Übelkeit und einem vermehrten Brechreiz gebracht, weshalb gegebenenfalls entsprechende regulatorische Maßnahmen eingeleitet werden. Allgemein empfiehlt sich bei Übelkeit und Erbrechen eine vorübergehende Umstellung der Ernährung auf leichte, gut verdauliche Kost, die in mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt eingenommen wird. Begleitend ist auf ausreichend Flüssigkeitsaufnahme zu achten. (fp)

Bild1: Benjamin Thorn / pixelio.de