Brechreiz – Definition, Ursachen und Behandlung

Heilpraxisnet
Der Brechreiz gehört zu den häufigen, meist aber unspezifischen Begleitsymptomen vieler Krankheiten. Ein unangenehmes Gefühl, das meist schon durch sein bloßes Vorhandensein zum tatsächlichen Erbrechen führt. Allerdings dient der Brechreiz dem Körper aber auch als Schutzmechanismus, beispielsweise, wenn man Gefahr läuft, ungenießbare oder auch gesundheitsgefährdende Stoffe aufzunehmen. Auch wenn entsprechende Stoffe bereits verzehrt wurden und angefangen haben, im Körper Schaden anzurichten, ist der Brechreiz ein wichtiges Alarmsignal, das vermittelt, dass etwas nicht stimmt. Der nachstehende Ratgeber bietet Ihnen ausführliche Informationen über krankheitsbedingte und physiologische Ursachen für Brechreiz sowie mögliche Behandlungsstrategien.


Definition

Unter Brechreiz versteht man das schlecht unterdrückbare Gefühl beziehungsweise auch eine Art Reflex, sich übergeben zu müssen, also seinen Mageninhalt auf schnellstem Weg wieder nach außen zu befördern. Nicht immer schließt sich daran auch das tatsächliche Erbrechen an, denn oft bleibt es einfach bei dem dumpfen Gefühl des „Sich-erbrechen-Müssens“. Allerdings wird Brechreiz auch häufig mit Erbrechen gleichgesetzt, wohingegen für das Gefühl, sich übergeben zu müssen, der Begriff Übelkeit (Nausea) verwendet wird. Folglich liest und hört man Übelkeit und Erbrechen in der Regel gemeinsam. Und auch der Entstehungsweg für Übelkeit und Erbrechen im Körper ist derselbe.

Unter Brechreiz versteht man das schlecht unterdrückbare Gefühl beziehungsweise auch eine Art Reflex, sich übergeben zu müssen, also seinen Mageninhalt auf schnellstem Weg wieder nach außen befördern zu wollen. Nicht immer schließt sich daran auch das tatsächliche Erbrechen an. (Bild: leszekglasner/fotolia.com)

Ausgangspunkt für Brechreiz und Erbrechen ist nämlich das sogenannte Brechzentrum. Dieses liegt im Hirnstamm (Truncus cerebri) lokalisiert und setzt sich aus Anteilen folgender Gehirnelemente zusammen:

  • Area postrema – Dieses zirkumventrikuläre Organ liegt im Gehirn vor der sogenannten Blut-Hirn-Schranke, welche eine natürliche Barriere zwischen dem Blutkreislauf des Gehirns und dem zentralen Nervensystem darstellt. Es handelt sich bei der Area postrema also um eine gehirneigene Vorrichtung zur Signalleitung zwischen Blut und Gehirn. In diesem Zusammenhang ist es Aufgabe dieses Organs, toxische Stoffe im Blut zu erkennen und entsprechende Informationen schnellstmöglich an die Nerveneinheiten des Brechzentrums, den sogenannten Nucleus tractus solitarii, weiterzuleiten.
  • Nucleus tractus solitarii – Diese Region des Markhirns ist mit sogenannter grauer Substanz gefüllt, von der Wissenschaftler bis heute noch nicht genau wissen, was sie eigentlich tut. Allerdings lässt der Name Nucleus tractus solitarii, oder auch kurz Nucleus solitarius, was übersetzt so viel wie „Geschmackskern“ heißt, bereits erahnen, welche Funktion dieser Gehirnregion zukommt. Im Geschmackskern laufen nämlich Geschmacksfasern zusammen, welche nicht nur für das Erkennen von Geschmackseindrücken verantwortlich sind, sondern durch entsprechende Impulse auch den Speichelfluss und die Kau- und Schluckbewegungen anregen. Des Weiteren werden im Nucleus tractus solitarii auch Impulse der Area postrema sowie des Magen-Darm-Trakts interpretiert, die einen Brechreiz notwendig machen. Wer vor dem Erbrechen also schon einmal einen kurzfristig erhöhten Speichelfluss in Kombination mit dem Drang häufigen Schluckens bemerkt hat, der hat den Geschmackskern bei der Arbeit beobachtet.
  • Formatio reticularis – Dieses Neuronennetzwerk erstreckt sich vom verlängerten Mark bis zum Zwischenhirn und koordiniert eine ganze Fülle von nervenbasierten Gehirnmechanismen. Neben Atmung, Herz-Kreislauf-System, Gefühlswelt und Schmerzempfinden ist die auch als Retikulärformation bekannte Formatio reticularis dabei ebenfalls für die Koordination von Brechreiz und Erbrechen zuständig.

Anhand dieses komplexen Prozesses aus Impulsen lässt sich erkennen, dass der Brechreiz durch ein Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren zustande kommt. Beispielsweise können unterschiedliche kritische Geschmäcker oder Substanzen im Blutkreislauf für Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sein. Doch auch Nervenimpulse, wie sie bei Angst, Schwindel oder einem gereizten Magen-Darm-Trakt zustande kommen, sind als Auslöser nicht auszuschließen.

Brechreiz kann nicht nur durch Substanzen im Körper ausgelöst werden – auch Nervenimpulse, wie sie bei Angst, Schwindel oder einem gereizten Magen-Darm-Trakt zustande kommen, sind als Ursache nicht auszuschließen. (Bild: zinkevych/fotolia.com)

Krankheiten als Hauptursache für Brechreiz

Am häufigsten gehen Übelkeit und Erbrechen bekanntlich mit einer zugrundeliegenden Vorerkrankung einher. Gerade bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes ist Brechreiz ein Kardinalssymptom. Dies gilt insbesondere für

  • Magen-Darm-Infekte,
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • und Lebensmittelvergiftungen,

die sich bekanntlich zuallererst auf den Verdauungstrakt auswirken. Der Körper versucht hierbei, das erkrankte Organsystem vor Überlastung oder vor Giftstoffen zu schützen, die durch Krankheitserreger bzw. Lebensmitteltoxine in Magen und Darm gelangen oder dort entstehen. Fernab dieser typischen, magen-darm-basierten Krankheitsauslöser von Brechreiz gibt es aber noch einige weitere Organsysteme, die im Falle einer Erkrankung mit Brechreiz reagieren. Zu nennen wären hier insbesondere:

  • Erkrankungen des Gehirns,
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems,
  • Erkrankungen des Innenohrs,
  • Erkrankungen der Augen,
  • Erkrankungen des Stoffwechselsystems,
  • Erkrankungen des Hormonsystems
  • und psychische Erkrankungen.

Erkrankungen des Gehirns und zentralen Nervensystems

Viele Eltern kennen den Hinweis des Arztes, auf Brechreiz und Erbrechen zu achten, wenn der Sprössling auf den Kopf gefallen ist. Hinter dieser Information steckt das reflektorische Erbrechen als Zeichen für steigenden Hirndruck infolge einer durch den Sturz ausgelösten Hirnschwellung. Der erhöhte Hirndruck bewirkt eine Reizung des Brechzentrums durch raumfordernde Prozesse, die insbesondere den Gehirnnerven stark zu schaffen machen. Eine gestörte Signalleitung im Bereich des Brechzentrums ist dabei durchaus möglich.

Viele Eltern kennen den Hinweis des Arztes, auf Brechreiz und Erbrechen zu achten, wenn der Sprössling auf den Kopf gefallen ist. Hinter dieser Information steckt das reflektorische Erbrechen als Zeichen für steigenden Hirndruck infolge einer durch den Sturz ausgelösten Hirnschwellung. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Ursachen für einen erhöhten Hirndruck gibt es viele. Zum Beispiel ist es denkbar, dass durch eine sturzbedingte Gefäßverletzung eine Gehirnblutung entsteht, die dann die störenden Druckverhältnisse verursacht. Diesbezüglich seien auch gehirninterne Gefäßerkrankungen wie Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Bluthochdruck als mögliche Ursachen der Blutung erwähnt. Im schlimmsten Fall rufen besagte Krankheiten im fortgeschrittenen Stadium eine lebensbedrohliche Hirnblutung hervor. Ebenso kann der erhöhte Hirndruck durch eine Hirnentzündung, einen Gehirntumor oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten.

Achtung: Treten Übelkeit und Erbrechen bis zu 24 Stunden nach einem Sturz oder Stoß auf den Kopf auf, sollte immer an eine mögliche Komplikation wie z.B. eine schwere Gehirnerschütterung gedacht werden. Suchen Sie in solch einem Fall bitte umgehend einen Arzt auf oder rufen sie einen Notarzt!

Abgesehen von einem erhöhten Hirndruck gibt es natürlich noch weitere neurologische Erkrankungen, die als Urheber von Brechreiz in Frage kommen. Vor allem verschiedene Formen von Gehirninfektionen und Gehirnentzündungen, wie etwa die Meningitis oder die Enzephalitis, kündigen sich immer wieder durch Übelkeit und Erbrechen an. Ebenso kann es im Zuge einer Migräne oder eines epileptischen Anfalls zu Brechreiz kommen. Bei letzterem ist dies besonders gefährlich, da Patienten während einem akuten Anfall keine Kontrolle über ihre Körperfunktionen haben und deshalb die Gefahr besteht, dass sie an ihrem Erbrochenen ersticken.

Psychische Erkrankungen

Eng mit einer gestörten Impulsleitung im Gehirn in Verbindung stehen auch psychische Ursachen für Übelkeit und Erbrechen. Allerdings sind es hier häufig die Sinne, die verrückt spielen und infolge das Brechzentrum auf den Plan rufen. Angefangen bei Phobien, die nur allzu gerne übersteigerte Reizreaktionen im Nervensystem auslösen, über Essstörungen, bei denen ein krankhaftes Zwangsverhalten das Brechzentrum fehlkonditioniert, bis hin zu Suchterkrankungen, die im Gehirn Störimpulse durch körperfremde Rausch- und Genussmittel provozieren, gibt es im Bereich der psychischen Erkrankungen zahlreiche Szenarien, die für das Entstehen von Brechreiz verantwortlich sein können. Meist handelt es sich dabei um ein multifaktorielles Geschehen, welches infolge des ansteigenden Stresses zu einer Aktivierung des vegetativen Nervensystems und damit auch zu einer Reizung des Brechzentrums im Gehirn führt.

Phobien, die nur allzu gerne übersteigerte Reizreaktionen im Nervensystem auslösen, können ebenso wie Essstörungen oder Suchterkrankung als psychische Ursache für das Entstehen von Brechreiz verantwortlich sein. (Bild: andriano_cz/fotolia.com)

Erkrankungen des Innenohrs und der Augen

Mit einer gestörten Signalleitung im Gehirn assoziierte Ursachen bilden Situationen, in denen Brechreiz an einem bestimmten Standort auftritt. Gut bekannt ist hier die sogenannte Reisekrankheit (Kinetose), bei der es während dem Aufenthalt auf einem Schiff oder bei Mitfahrern im Auto, Bus oder Flugzeug zum Auftreten von Übelkeit und Erbrechen kommt. Die Symptomatik erschwert sich hier meist noch zusätzlich, wenn während der Reise bestimmte Tätigkeiten wie Lesen oder Schreiben ausgeführt werden.

Ursächlich für diese Form von Brechreiz sind widersprüchliche Wahrnehmungseindrücke. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei der Gleichgewichtssinn, bzw. das im Innenohr befindliche Gleichgewichtsorgan. Während der Gleichgewichtssinn nämlich eine deutliche Lageveränderung während der Reise registriert, haben die Augen den Eindruck einer sich kaum bis gar nicht verändernden Lage, was durch einen Blick in ein Buch oder an die Wand einer Schiffskabine weiter verstärkt wird. Hierdurch kommt es zu Fehlwahrnehmungen im Gehirn, das infolge überfordert mit den Sinnesreizen ist und deshalb mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel reagiert.

Wichtig: Auch wenn die Symptome der Reisekrankheit eher harmlos erscheinen und in der Regel schnell verschwinden, wenn der Betroffene wieder festen Boden unter den Füßen spürt, sollten sie dennoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Der Körper reagiert in dieser Situation als befände er sich in einem Vergiftungszustand und damit besteht immer die Gefahr eines ausgeprägten Kreislaufzusammenbruchs!

Gewarnt sei an dieser Stelle aber auch vor Krankheitsursachen im Innenohr, die den Gleichgewichtssinn dauerhaft beeinträchtigen. Gerade eine fortgeschrittene Innenohrentzündung (Otitis interna) ist diesbezüglich besonders gefürchtet, da sie unbehandelt zu bleibenden Schäden an den im Innenohr befindlichen Strukturen und damit auch am Gleichgewichtsorgan führen kann. Daneben sind auch Fehlbildungen des Innenohrs als Auslöser gestörter Gleichgewichtswahrnehmungen und daraus resultierenden Brechreizes nicht zu unterschätzen.

Außerdem sind Übelkeit und Erbrechen Begleitsymptome zahlreicher Augenerkrankungen, bei denen das normale Sehen durch Sehstörungen erschwert ist. Begleitsymptome sind hier neben Brechreiz meist auch Schwindel und Kopfschmerzen. Typische Erkrankungen der Augen, die mit entsprechenden Beschwerden einhergehen, sind in diesem Zusammenhang:

  • Augeninfarkt (Optikomalazie),
  • Grauer Star (Katarakt),
  • Grüner Star (Glaukom),
  • Netzhautentzündung (Retinitis),
  • Schielen (Strabismus)
  • und Sehnerventzündung (Neuritis nervi optici).
Mit einer gestörten Signalleitung im Gehirn assoziierte Ursachen bilden Situationen, in denen Brechreiz an einem bestimmten Standort auftritt. Gut bekannt ist hier die sogenannte Reisekrankheit. (Bild: Maridav/fotolia.com)

Erkrankungen des Stoffwechsel- und Hormonsystems

Einige hormonbasierte Krankheiten gehen ebenfalls mit Brechreiz einher. Am häufigsten handelt es sich dabei um Prozesse an den hormonbildenden Organen der Nebennieren oder Nebenschilddrüsen. Es ist kein Geheimnis, dass Hormone entscheidend in die Gehirnfunktionen miteinspielen. Dies gilt insbesondere für die Signalleitung im Hirnstamm. Beispiele für signalstörende Erkrankungen wären diesbezüglich

  • Nebenniereninsuffizienz,
  • Morbus Addison
  • und Hyperparathyreoidismus.

Aber auch die Diabetes mellitus kann bei Blutzuckerentgleisungen zu Brechreiz und Erbrechen führen.

Mit Blick auf einen gestörten Stoffwechsel sind es dagegen eher Verdauungsorgane, die den Brechreiz induzieren. Sind beispielsweise die Leber oder die Nieren durch Krankheiten geschädigt, können sie ihrer Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend nachkommen. Die Folge ist eine vermehrte Anreicherung von Giftstoffen im Blut, welche dann durch die Area postrema registriert und als Grund für das Auslösen von Brechreiz interpretiert werden.

Typische Erkrankungen, die auf diesem Wege zu einer Stoffwechselstörung und im nächsten Schritt zu Übelkeit und Erbrechen führen können, sind

Weitere Ursachen für Brechreiz

Zusätzlich zu krankheitsbedingten Faktoren gibt es noch eine Reihe weiterer Faktoren und Situationen, die ganz ohne wirklichen Krankheitswert zu einem reflektorischen Brechreiz führen können. Zu nennen wäre hier unter anderem der reflektorische Brech- und Würgereiz, mit dem der Körper versucht zu verhindern, dass Gegenstände oder zu große Speisenstücke versehentlich in die Luftröhre gelangen. Hierbei wird der Reflexbogen über eine Druckwahrnehmung des hinteren Zungenbereichs und des weichen, hinteren Gaumens ausgelöst. Ein verdeutlichendes Beispiel ist hier der Würge- und Brechreiz während zahnärztlichen Behandlungen.

Neben krankheitsbedingten Ursachen gibt es noch andere Faktoren, die zu Brechreiz führen. Ein Beispiel ist der Würge- und Brechreiz während zahnärztlichen Behandlungen. (Bild: JackF/fotolia.com)

Zum anderen soll der reflektorische Brechreiz als Schutzstrategie dienen, um den Körper vor (potentiellen) Vergiftungen zu schützen. Ein sehr bekanntes Beispiel dafür ist das Ekelgefühl und der oft damit verbundene Würgereiz, der entsteht, wenn man verdorbene Speisen oder giftige Substanzen sieht oder riecht. Dieser Mechanismus dient dem Körper als Warnhinweis, diese Stoffe nicht aufzunehmen, beziehungsweise sich bei giftigen Gasen und Dämpfen auch aus dem Wirkungsbereich zu entfernen. Sind die giftigen Substanzen dennoch in den Körper gelangt, wird vom Körper die zweite Stufe dieser Schutzstrategie eingeleitet, indem es dann tatsächlich zum häufig schwallartigen Erbrechen kommt.

Dieser Effekt kommt im Übrigen auch dann zum Einsatz, wenn man seinem Körper bewusst Giftstoffe zum Beispiel in Form von Drogen, Anästhetika und übermäßigem Alkohol zuführt. Das darauffolgende Erbrechen ist dann nämlich einfach nur die Lösung des Körpers, die Giftstoffe schnellstmöglich loszuwerden beziehungsweise die aufgenommene Menge so gering wie möglich zu halten.

Apropos Substanzeinfluss: Einige Medikamente, die den betroffenen Patienten eigentlich bei der Genesung unterstützen sollen, lösen als unerwünschte Nebenwirkung Brechreiz, Übelkeit und Erbrechen aus. Sehr bekanntes Beispiel ist die Versorgung mit Eisenpräparaten, die orale Antibiotikatherapie oder die Anwendung von Zytostatika bei Krebserkrankungen. Und auch bei Antidepressiva wie Citalopram sind Übelkeit und Erbrechen häufig als mögliche Nebenwirkungen aufgeführt. Hier muss im Kontakt mit dem behandelnden Arzt unbedingt abgewogen werden, wie hoch der Nutzen der Therapie im Vergleich zu den unerwünschten Nebenwirkungen ist.

Auch in der Schwangerschaft werden viele Frauen von immer wiederkehrender Übelkeit und Erbrechen gequält. Diese sogenannte Schwangerschaftsübelkeit ist hier unter gewissen Rahmenbedingungen auch als ungefährlich einzustufen und wird von den meisten Frauen mit viel Fassung ertragen. Die Ursachen sind medizinisch erstaunlicherweise noch nicht abschließend geklärt. Man vermutet jedoch ein Zusammenspiel der folgenden Faktoren:

  • veränderte Hormonlage,
  • gesteigerte Geruchsempfindlichkeit,
  • erhöhter Druck im Bauchraum,
  • verminderte Muskelspannung im Mageneingang
  • und Stress durch die Mehrbelastung.

Achtung: Nimmt die werdende Mutter allerdings infolge der Schwangerschaftsübelkeit kaum noch ausreichend Nährstoffe zu sich und nimmt an Gewicht ab, ist es unbedingt ratsam, die Problematik mit einem Arzt zu besprechen. Denn in solch einem Fall ist sowohl die Gesundheit der werdenden Mutter als auch die des ungeborenen Kindes gefährdet.

Auch in der Schwangerschaft werden viele Frauen von immer wiederkehrender Übelkeit und Erbrechen gequält. Diese sogenannte Schwangerschaftsübelkeit ist hier unter gewissen Rahmenbedingungen auch als ungefährlich einzustufen und wird von den meisten Frauen mit viel Fassung ertragen. (Bild: Drobot Dean/fotolia.com)

Diagnose

Übelkeit und Erbrechen werden freilich zuallererst vom Patienten selbst festgestellt. Bei einem Gang zum Arzt ist dann im Weiteren eine ausführliche Befragung des Patienten zu Begleitsymptomen und möglichen Grunderkrankungen, aber auch zu Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil wichtig. Die anschließende körperliche Untersuchung erfolgt dann in der Regel nach dem Ausschlussverfahren. Zum Einsatz kommen können hier zum Beispiel Blut-, Urin- und Stuhlproben, um in den Proben befindliche Giftstoffe oder Infektionserreger ausfindig zu machen. Bluttests im speziellen verraten diesbezüglich auch wichtige Einzelheiten zu den Leber- und Zuckerwerten des Patienten. Bei Verdacht auf eine Lebensmittelunverträglichkeit sind darüber hinaus Allergietests denkbar. Im Falle einer möglichen Schwangerschaft ist natürlich auch ein Schwangerschaftstest relevant.

Um die Gesundheit der inneren Organe und insbesondere des Gehirns beurteilen zu können, lassen sich ferner bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT anwenden. Besteht Grund zur Annahme, dass ein steigender Hirndruck vorliegt, werden hier neben einer weiterführenden Blutdruckmessung zum Ausschluss von Gefäßkrankheiten, die mit Bluthochdruck einhergehen, umgehend notfallmedizinische Maßnahmen zur Senkung des Gehirndrucks eingeleitet.

Therapie

Brechreiz erfordert nicht immer eine therapeutische Behandlung. Wenn Übelkeit einmalig und ohne Erbrechen auftritt und sich klar emotionale Ausnahmezustände, eine bereits diagnostizierte Schwangerschaft oder kurzfristige Wahrnehmungsstörungen als Ursache ausmachen lassen, kann man häufig von einer Therapie absehen. Anders sieht es dagegen aus, wenn das Erbrechen tatsächlich einsetzt und Grund zur Annahme besteht, dass eine ernste Gesundheitsbeschwerde vorliegt. Je nach Befund stehen dann neben der Behandlung der Grunderkrankung folgende Maßnahmen zur Verfügung, um dem Brechreiz beizukommen.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie von Brechreiz erfolgt mit sogenannten Antiemetika. Sie können einerseits im Magen-Darm-Trakt wirken, indem sie die hier befindliche Muskulatur entspannen und damit eine Abschwächung der angespannten Muskelreize an das Gehirn erreichen. Andererseits setzen viele Antiemetika auch direkt am Gehirn an und beeinflussen das Brechzentrum, wodurch der Brechreiz abgemildert wird. Zur Anwendung kommen entsprechende Medikamente für gewöhnlich in Tablettenform, als Zäpfchen oder Lutschtablette.

Die medikamentöse Therapie von Brechreiz erfolgt mit sogenannten Antiemetika.Zur Anwendung kommen entsprechende Medikamente für gewöhnlich in Tablettenform, als Zäpfchen oder Lutschtablette. (Bild: sebra/fotolia.com)

Hausmittel

Brechreiz ist in seiner milden Ausprägung auch gut mit einfachen Hausmitteln in den Griff zu bekommen. Generell hilft es oft, einfach für kurze Zeit an die frische Luft zu gehen und ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen. Bei Reiseübelkeit ist es zum Beispiel sinnvoll, eine kurze Pause an der Frischluft einzulegen. Um das Innenohr und die Augen wieder in Einklang zu bringen, kann es zusätzlich helfen, die Augen zu schließen oder in ruhiger Position einen festen Fernpunkt zu fixieren.

Morgenübelkeit kann mit einem leichten Snack, nach Möglichkeit schon vor dem Aufstehen, bekämpft werden. Hier bieten sich Kekse, Salzstangen oder ein Müsliriegel an. Da Brechreiz häufig auch mit einem hohen Stresspotential verbunden ist, ist es bei wiederkehrenden Symptomen ferner sinnvoll, stresslösende Maßnahmen im Tagesablauf zu etablieren. Hier wären Meditation, Yoga-Übungen und Atemübungen denkbar.

Als Akutmaßnahme kann man darüber hinaus auch probieren, ob die Akkupressurtherapie nach den Ansätzen der Traditionellen Chinesischen Medizin Linderung verschafft. Hierbei werden bestimmte Punkte durch Druck von außen mithilfe der Finger stimuliert und sollen dabei das Brechzentrum im Gehirn positiv beeinflussen. Markante und erfolgreiche Akkupressurpunkte zur Behandlung von Brechreiz befinden sich an:

  • den Innenseiten der Handgelenke,
  • unterhalb der Kniescheiben
  • und oberhalb der Augenbrauen.

Der Druck durch die Finger kann dabei variiert werden, sollte aber immer im aushaltbaren Rahmen sein.

Naturheilkundliche Therapie

Aus dem Reich der Heilpflanzen stehen auch einige Kräuter zur Verfügung, die beispielsweise als Tee oder Aromatherapie angewendet Brechreiz und Übelkeit abmildern können. Hierzu zählen unter anderem:

  • Ingwer,
  • Pfefferminze,
  • Kamille,
  • Fenchel
  • und Anis.

Dabei führt Ingwer nicht ohne Grund die Auflistung an, denn dieses Knollengewächs hat sich in der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Vergangenheit einen besonderen Namen gemacht. Er wird auch gerade von Schwangeren gern genommen, da bei seiner Anwendung keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Bei der Anwendung homöopathischer Präparate werden vor allem Nux vomica, Arsenicum album und Pulsatilla sehr erfolgreich eingesetzt. (ma)