Zwölffingerdarmentzündung – Symptome, Behandlung und Hausmittel

Susanne Waschke
Eine Zwölffingerdarmentzündung wird in der Fachsprache Duodenitis genannt. Das Duodenum ist der Zwölffingerdarm und Alles, was in der Medizin mit „itis“ endet, bedeutet Entzündung. Der Name Zwölffingerdarm rührt daher, dass dieser circa 25 bis 30 Zentimeter lang ist, was in etwa der Breite von zwölf Fingern entspricht. Bei der Duodenitis, die sowohl akut als auch chronisch auftritt, bestehen entzündliche Veränderungen in der Schleimhaut, entweder im gesamten Duodenum oder aber nur in einzelnen Bereichen.


Anatomie

Dem Magen schließt sich der obere Teil des Dünndarms an. Dies ist der Zwölffingerdarm. Er ist C-förmig und umschließt den Kopf der Bauchspeicheldrüse. Deren Ausführungsgang und auch der Gallengang münden zusammen in der sogenannten Papilla vateri in den Zwölffingerdarm.

Eine Zwölffingerdarmentzündung geht häufig auf Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori zurück, kann jedoch auch durch zahlreiche andere Faktoren bedingt werden. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Aufgaben des Zwölffingerdarms

Die Verdauung beginnt bereits im Mund und wird dann im Magen fortgesetzt. Der nächste Schauplatz ist dann der Dünndarm und davon als Erstes der Zwölffingerdarm. Hier hinein gibt die Gallenblase ihr Sekret und die Bauchspeicheldrüse ihre Enzyme ab. Aus der Bauchspeicheldrüse kommt noch eine alkalische Flüssigkeit hinzu, um den Speisebrei zu neutralisieren, da dieser durch die Magensäure ziemlich sauer ist. Die Verdauung geht weiter ihren Gang.

Entzündung – akut oder chronisch

Eine Zwölffingerdarmentzündung kann sowohl akut, als auch chronisch sein. Oft wird sie von den Betroffenen gar nicht bemerkt. Die Entzündung tritt primär oder sekundär auf. Primär bedeutet, dass dafür zum Beispiel ein Erreger (häufig Helicobacter pylori) zuständig ist. Sekundär sagt aus, dass die Zwölffingerdarmentzündung eine Begleiterkrankung zu anderen bereits vorliegenden Erkrankungen im Verdauungstrakt darstellt.

Ursachen

Zu den Ursachen für das Entstehen einer Zwölffingerdarmentzündung gehören Infektionen des Magen-Darm-Traktes durch Viren, Bakterien und andere Erreger. Der Hauptübeltäter ist hierbei, wie bereits erwähnt, das Bakterium Helicobacter pylori. Weitere Auslöser einer Zwölffingerdarmentzündung sind Medikamente – vor allem die längere Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Naproxen und Ibuprofen. Für die sekundäre Duodenitis kommen Ursachen wie zum Beispiel ein Duodenalulcus (Zwölffingerdarmgeschwür), Gallenwegs – und Magenerkrankungen in Betracht.

Formen

In der Medizin wird die Duodenitis in verschiedene Formen unterteilt. Da ist zum Beispiel eine erosive Duodenitis, was bedeutet, dass die Entzündung mit einem oberflächlichen Gewebeverlust vergesellschaftet ist. Bei der fibrinösen Form bilden sich sogenannte Fibrinbeläge. Diese entstehen durch das Verkleben von Thrombozyten (Blutplättchen) bei der Wundheilung. Die ödematöse Form geht mit angeschwollener Schleimhaut einher, die phlegmonöse mit Eiterbildung, bei der polypoiden Form entwickeln sich Polypen und die stenosierende Form zeigt verengte Stellen.

Symptome

Häufig macht sich eine Zwölffingerdarmentzündung bei den Betroffenen gar nicht bemerkbar. Hier bringt eine Zufallsdiagnose das Ganze ans Licht. Typische Symptome für eine Duodenitis können jedoch

Bei Beschwerden, wie Blut im Stuhl, Bluterbrechen und/oder starken Schmerzen ist so schnell wie möglich ein Arzt aufzusuchen.

Schmerzen im Bereich des unteren Rippenbogens sind ein typisches Anzeichen der Zwölffingerdarmentzündung. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Diagnose, Untersuchungsmöglichkeiten

Bei Verdacht auf eine Zwölffingerdarmentzündung macht sich der Arzt zuerst durch eine ausführliche Anamnese ein Gesamtbild des Patienten. Dabei werden Vorerkrankungen, Medikamente, Ernährungsgewohnheiten, Art der Schmerzen und weitere Beschwerden abgefragt. Dem folgen ein Abtasten des Bauches, eine Sonographie, eventuell Röntgenuntersuchungen und/oder eine Duodenalendoskopie mit Biopsie.

Bei der Endoskopie gelangt ein dünner Schlauch mit einer Kamera über die Speiseröhre und den Magen in den Zwölffingerdarm. So werden Aufnahmen gemacht und gleichzeitig kann mit Hilfe eines kleines Instrumentes, das ebenso an dem Schlauch angebracht ist, bei Bedarf (zum Beispiel, wenn Polypen vorhanden sind) etwas Gewebe entnommen werden. Die Patienten können während der Untersuchung wach bleiben. Meistens wird diese jedoch unter einer Kurznarkose vorgenommen.

Helicobacter pylori

Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das den Magen-Darm-Trakt besiedeln und vielfältige Erkrankungen auslösen kann. So zum Beispiel eine chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung) oder auch eine Zwölffingerdarmentzündung. Wie dieses Bakterien in den Körper gelangt, ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert wird die Übertragung durch mit Fäkalien verunreinigte Lebensmittel und durch verunreinigtes Wasser. Unsicher bleibt bisher, ob eine Mund-zu-Mund Ansteckung möglich ist.

Wer raucht, häufig Alkohol trinkt, eine Immunschwäche aufweist und/oder unter massivem Stress steht, kann sich leichter mit Helicobacter pylori infizieren. Auch können Medikamente wie zum Beispiel nichtsteroidale Antirheumatika (s. Ursachen) die Gefahr erhöhen, dass sich dieses Bakterium ansiedelt. Festgestellt wird eine Infektion zum Beispiel im Rahmen einer Gastroskopie, einer Duodenalendoskopie, durch Blut– oder Stuhluntersuchungen und mit Hilfe eines sogenannten Atemtests.

Therapie Helicobacter

Die übliche Therapie einer Helicobacter Infektion sieht folgendermaßen aus: Es wird ein eine Kombination aus Antibiotika und einem Magenschutz verabreicht. Diese Therapie wird häufig als Eradikationstherapie bezeichnet, was soviel wie „ausrotten, vollständig beseitigen“ heißt. Dies dauert bis zu vierzehn Tage lang. Danach wird erneut untersucht, um abzuklären, ob das Bakterium wirklich verschwunden ist.

Auf schwer verdauliche, fettreiche und zu süße Nahrung gilt es bei einer Duodenitis dringend zu verzichten. (Bild: happy_lark/fotolia.com)

Therapie Zwölffingerdarmentzündung

Sind Medikamente an der Zwölffingerdarmentzündung schuld, sollten diese natürlich abgesetzt beziehungsweise durch andere Arzneien ersetzt werden. Ist eine Helicobacter pylori Infektion die Ursache, wird das Bakterium bekämpft (s. Therapie Helicobacter). In manchen Fällen reicht schon ein Magensäureblocker aus, der für eine kurze Zeit verschrieben wird. Die Ernährung ist auf jeden Fall zu überdenken. Schwer verdauliche, fettreiche und zu süße Nahrung ist unbedingt zu meiden.

Die Ernährung sollte auf alle Fälle basisch sein. Scharfe Gewürze, Blähendes und Rohkost gehören nicht auf den Speiseplan. Hausmittel wie Haferschleim oder der Absud aus Leinsamen haben eine heilende Komponente. Für den Leinsamensud werden zwei bis drei Esslöffel geschroteter Leinsamen in einem halben Liter Wasser über Nacht eingeweicht, am nächsten Tag kurz aufgekocht und dann abgeseiht. Die schleimige Flüssigkeit wird über den Tag verteilt getrunken.

Große Mahlzeiten sind auf jeden Fall zu meiden. Kauen Sie jeden Bissen ausgiebig und lassen Sie sich Zeit beim Essen. Kalte Getränke sind untersagt. Besser ist lauwarmes Wasser oder Kräutertee.

Da Stress mit als Ursache für eine Zwölffingerdarmentzündung verantwortlich gemacht wird, sind Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation oder Autogenes Training zu empfehlen.

Bitterkräuter wie Löwenzahn, Wermut, Galgant, Zimt und Ingwer können die Behandlung der Zwölffingerdarmentzündung unterstützen. (Bild: creativefamily/fotolia.com)

Hilfe aus der Naturheilkunde

Selbst wenn die Zwölffingerdarmentzündung schulmedizinisch behandelt wird, kann gleichzeitig die Naturheilkunde gute Dienste leisten. Pflanzen wie Kamille, Süßholz, Myrrhe oder Spitzwegerich, als Tee oder als Tinktur, sind hier zu empfehlen. Was sich positiv auf die Schleimhaut auswirkt ist Johanniskrautöl. Hier ist allerdings nicht jedes Öl geeignet. Dies sollte unbedingt für die orale Applikation vorgesehen sein. Das Johanniskrautöl kleidet die Schleimhaut aus, heilt und schützt.

Auch Bitterkräuter wie zum Beispiel Wermut, Galgant, Zimt, Ingwer, Löwenzahn, Nelke, Schafgarbe, Kalmus können helfen. Sie sind basisch und wirken somit einer Übersäuerung entgegen. Zudem hilft die Einnahme eines Basenpulvers.

Von den Schüßler Salzen sind die Nr. 3 Ferrum phosphoricum, Nr. 4 Kalium chloratum, Nr. 5 Kalium phosphoricum, Nr. 9 Natrium phosphoricum, Nr. 10 Natrium sulfuricum und Nr. 20 Kalium aluminium sulfuricum zu empfehlen.

Auch Akupunktur und Fußreflexzonenmassage sind Therapieformen, die bei der Duodenitis durchaus Erleichterung verschaffen können. Zudem wird Kartoffelsaft gerne bei einer Magenschleimhautentzündung und auch bei einem Magengeschwür verordnet. Dieser ist hier ebenso zu empfehlen. Den Kartoffelsaft können Sie in einem Reformhaus erwerben. Antibakteriell wirkt die Einnahme von Grapefruitkernextrakt, Aloe Vera, Manuka Honig und Zistrosentee.

Auf Basis einer Zwöffingerdarmentzündung können sich Geschwüre bilden und auch ein Übergreifen der Entzündung auf andere Organe droht. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Komplikationen

Aus einer unbehandelten Duodenitis kann ein Duodenalulcus (Zwölffingerdarmgeschwür) entstehen. Des Weiteren ist das Übergreifen der Entzündung auf andere Organe möglich. Bei den genannten Beschwerden sollte daher unbedingt ein Arzt aufgesucht und die Erkrankung auskuriert und behandelt werden. (sw)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)