Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – Symptome, Behandlung und Infektionsschutz

Zecke auf der Haut unter Lupe

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ICD-Codes für diese Krankheit: A24.1, Z24.1 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Virusinfektion durch Zeckenstich: FSME

Eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine von Zecken übertragene Viruserkrankung, die zu gefährlichen Entzündungen der Hirnhaut und des Gehirns führen kann. Die Ausprägungen der FSME Symptome sind sehr unterschiedlich. In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden neurologischen Ausfällen kommen, die schlimmstenfalls den Tod der infizierten Person herbeiführen. Eine erhöhte Gefahr besteht in den ausgezeichneten FSME-Risikogebieten, wo besondere Schutzmaßnahmen gegen Zeckenstiche und eine FSME-Impfung als Prophylaxe angeraten sind.


Kurzübersicht zur FSME

  • Was ist FSME? Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist nach der Lyme-Borreliose die zweithäufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit. Eine Erkrankung des Nervensystems kann die Folge sein.
  • FSME Symptome: Nach zunächst grippeähnlichen Symptomen in einer ersten kurzen Krankheitsphase können später langanhaltende neuronale Störungen auftreten.
  • Wahrscheinlichkeit für eine FSME Erkrankung: Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist insgesamt gering, aber in den FSME-Risikogebieten signifikant erhöht.
  • Infektionsursache: In der Regel wird das FSME-Virus durch den Stich einer infizierten Zecke übertragen. Sehr selten kommt es zu Infektionen über die Aufnahme von Rohmilch-Produkten.
  • Diagnose: Klinische Anzeichen und Laboranalysen zur Antikörperbestimmung sind neben differenzialdiagnostischen Aspekten die wichtigsten Diagnosekriterien.
  • Behandlung: Eine Behandlung kann nur die Symptome lindern, nicht aber die Erreger bekämpfen.
  • Ganzheitliche Medizin: Unterstützende Verfahren können körpereigene Abwehr- und Heilungskräfte stärken.
  • Wirksame Vorbeugung einer FSME-Erkrankung: Sich vor Zecken schützen, im Fall eines Stichs die Zecke schnell entfernen und eine Schutzimpfung für gefährdete Personen in Risikogebieten sind die wirkungsvollsten Maßnahmen, um einer FSME-Infektion vorzubeugen.
Zecke auf der Haut unter Lupe
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME genannt, wird in den allermeisten Fällen von Zecken übertragen, tritt aber relativ selten auf. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Definition: Was ist FSME?

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch das gleichnamige FSME-Virus aus der Gattung der Flaviviren verursacht wird. Während es weltweit verschiedene Infektionstypen gibt, kommt in Deutschland der zentraleuropäische Subtyp vor. Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich über Zecken.

Die Folge der Infektion ist eine Erkrankung des Nervensystems, welche sich meist als Entzündung der Hirnhaut (Meningitis) und des Gehirns (Enzephalitis) manifestiert. Seltener kommt es auch zu einer Rückenmarkentzündung (Myelitis).

FSME Symptome

Der Krankheitsverlauf einer FSME-Erkankung ist typischerweise durch zwei Krankheitsphasen gekennzeichnet. Die erste Phase beginnt nach einer Inkubationszeit von sieben bis vierzehn Tagen nach einem Zeckenstich; selten erst nach vier Wochen. Nach einigen Tagen klingen dann die ersten Anzeichen ab und es folgt in der Regel ein symptomfreies Intervall von bis zu einer Woche. Dann setzt die zweite Krankheitsphase ein. Die meisten Infizierten (siebzig bis fünfundneunzig Prozent) zeigen allerdings keine Beschwerden oder die schwerwiegendere zweite Phase bleibt häufig aus.

Erste Krankheitsphase

Phase eins ist gekennzeichnet durch unspezifische, grippeähnliche Symptome wie etwa Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Da die eher leichten Beschwerden schon nach einigen Tagen abklingen, werden diese ersten Anzeichen oftmals als Erkältung oder als Sommergrippe fehlgedeutet. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Zeckenstich unbemerkt bleibt.

Zweite Krankheitsphase

Die wesentlich länger andauernde zweite Phase ist durch einen Befall des neuronalen Systems und vorwiegend die Symptome einer Entzündung von Gehirn und Hirnhaut (Meningoenzephalitis) gekennzeichnet. Neben den bereits genannten ersten Anzeichen kommen Übelkeit und Erbrechen sowie verschiedene Störungen des Nervensystems hinzu.

Je nach Erkrankungsschwere fallen die neurologischen Erscheinungen unterschiedlich aus. Mit besonders schweren Fällen können epileptische Anfälle, Lähmungserscheinungen, Schluck- und Sprechstörungen sowie eine deutlich erhöhte Schläfrigkeit und Wesensveränderungen (Gefühlsschwankungen) einhergehen. Die Symptome können über eine lange Zeit (Monate) bestehen; meist kommt es aber auch nach diesen schweren Verläufen zu einer vollständigen Heilung.

Bleibende Spätfolgen sind sehr selten und kommen in der Regel nur bei Erwachsenen vor, wenn sich die Entzündung im Hirn ausbreitet und auch das Kleinhirn und der Hypothalamus befallen werden. Dennoch: Bei etwa einem Prozent der Schwererkrankten führt die Infektion zum Tod.

Warnschild Zecke, Familie geht im Zeckengebiet spazieren
In bestimmten ausgewiesenen FSME-Risikogebieten wird Personen, die sich häufig im Freien aufhalten, eine Schutzimpfung empfohlen. (Bild: Heiko Barth/fotolia.com)

Infektionsursache

Der Erreger ist das FSME-Virus, das zu den Flaviviren gehört. Diese Virengattung löst neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis Krankheiten wie Dengue-Fieber oder Gelbfieber aus. In erster Linie werden die Viren durch Stiche der – in Deutschland am häufigsten vorkommenden – Schildzecke (Ixodes ricinus, gemeiner Holzbock) auf den Menschen übertragen. In seltenen Fällen treten Erkrankungen auch durch virusinfizierte Rohmilchprodukte (vor allem von Ziegen und Schafen) auf. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Wahrscheinlichkeit für eine FSME-Infektion

Zecken können auch andere Krankheiten übertragen. Die beiden häufigsten Infektionskrankheiten, die bei einem Zeckenstich übertragen werden können, sind jedoch die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Wobei die Wahrscheinlichkeit nach einem Zeckenstich an einer bakteriellen Borreliose-Infektion zu erkranken immer noch deutlich höher ist, als die einer FSME-Infektion.

Die Gefahr für Borreliose besteht im gesamten Bundesgebiet, während sich das Risiko für eine FSME-Erkrankung in Deutschland vor allem auf ausgezeichnete FSME-Endemiegebiete konzentriert. Diese werden auf Basis dokumentierter Krankheitsfälle definiert und laufend aktualisiert. Die wesentlichen Risikogebiete befinden sich in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen sowie im südlichen Hessen und Thüringen. Detaillierte Informationen und aktuelle Karten sind auf den FSME-Informationsseiten des Robert-Koch Instituts zu finden.

In den FSME-Verbreitungsgebieten sind etwa 0,1 bis fünf Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert. Bakterien der Lyme-Borreliose kommen etwa bei zehn bis fünfunddreißig Prozent der Zecken vor. Aber weitaus nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt auch zu einer Infektion oder einer symptomatischen Erkrankung. So wird die Wahrscheinlichkeit hierzulande nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken auf unter 1,5 Prozent geschätzt. Für FSME besteht ein noch geringeres Risiko. In den letzten Jahren (2002 -2018) lag die jährliche Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen in Deutschland zwischen zwei- und knapp sechshundert.

Diagnose

Treten nach einem Zeckenstich Krankheitssymptome auf, werden zunächst auch die häufigste Zeckenerkrankung, die Lyme-Borreliose, sowie andere Infektionsmöglichkeiten abgeklärt, die nicht im Zusammenhang mit dem Zeckenstich stehen. Alle Möglichkeiten müssen detailliert untersucht werden. Schwieriger ist die Diagnosestellung, wenn der Zeckenstich nicht bemerkt wird.

Laboranalysen von Blutproben
Um eine sichere Diagnose stellen zu können, müssen bei einem typischen oder verdächtigen Krankheitsbild auch Blut- oder Liquor-Proben durchgeführt werden. (Bild: salomonus_/fotolia.com)

Dem Verdacht aufgrund der klinischen Anzeichen folgen verschiedene Laboruntersuchen. Dabei werden zunächst bestimmte Entzündungswerte ermittelt und das Blutserum oder die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) auf spezifische Antikörper (Immunglobuline M und G) untersucht. Die Interpretation der Ergebnisse ist nicht immer einfach. So sind beispielsweise Untersuchungszeitpunkte und eine vorliegende Schutzimpfung zu berücksichtigen.

Behandlung bei FSME

Eine spezielle Behandlung gegen die FSME-Erkrankung und zur Erregerbekämpfung gibt es nicht, daher können ausschließlich die Symptome behandelt werden. So werden vor allem mögliche Schmerzen und Krampfanfälle medikamentös gelindert.

Generell gilt, dass die Erkrankten Bettruhe einhalten sollen. Bei schweren Krankheitsverläufen ist ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig, unter Umständen sogar intensivmedizinisch. Nach einer einmalig überstandenen FSME-Infektion besteht in der Regel eine Immunität.

Ganzheitliche Medizin bei FSME

Seit 2001 besteht laut des Infektionsschutzgesetz (IfsG § 7) eine Meldepflicht für eine akute FSME-Infektion und gemäß § 24 ein Behandlungsverbot für Heilpraktiker.

Eine komplementäre Behandlung aus Sicht der ganzheitlichen Medizin – und in Abstimmung mit der Schulmedizin – wird dennoch als sinnvoll betrachtet, um die körpereigenen Heilungskräfte zu aktivieren und zu stärken. Dabei können Verfahren wie beispielsweise die Homöopathie durchaus auch als Vorbeugung gegen diese und andere Infektionen angewandt werden.

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Vorbeugung: Wie kann ich mich vor FSME schützen?

Als wichtigste Maßnahme, um FSME und anderen von Zecken übertragenen Erkrankungen vorzubeugen, gilt die Expositionsprophylaxe. Das heißt, jede/r Einzelne sollte sich möglichst wirksam vor möglichen Zeckenstichen schützen. Dazu zählen unter anderem eine angemessene Kleidung zur Hautbedeckung, Insektenschutzmittel und eine besondere Vorsicht beim Aufenthalt in den Risikogebieten. Wird man dennoch gestochen gilt: schnellstmöglich die Zecke entfernen.

Eine schnelle Entfernung von Zecken beugt Infektionskrankheiten vor, die zumeist erst nach mehreren Stunden übertragen werden. (Bild: Daniel Berkmann/fotolia.com; eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt außerdem allen Menschen, die sich in FSME-Risikogebieten häufig in der freien Natur aufhalten (und bei denen Kontakt mit Zecken daher wahrscheinlich ist), eine Impfung gegen FSME als sichersten Schutz vor der Krankheit. Die Schutzimpfung kann ab dem ersten Geburtstag verabreicht werden.

Kinder zeigen etwas häufiger als Jugendliche oder Erwachsene bei der Impfung leichte Nebenwirkungen. Bei bis zu fünfzehn Prozent der Ein- bis Dreijährigen kommt es zu einer Fieberreaktion. Leichte Allgemeinsymptome und vorübergehende Gelenk- und Muskelschmerzen sind relativ häufig nach der ersten Impfung. Sehr selten kommt es zu zeitweiligen Missempfindungen.

Ein Impfschutz besteht nach drei Impfungen. Auffrischungen sollten nach drei beziehungsweise fünf Jahren erfolgen, insofern das Risiko weiterhin besteht. Die Impfempfehlung gilt auch für Personen, die bereits einmal an FSME erkrankt waren, da kein ausreichendes Wissen zur Dauer der erworbenen Immunität nach Krankheit besteht. (ay, cs)

Autor:
Dr. rer. nat. Corinna Schultheis
Quellen:
  • Robert Koch-Institut (Hrsg.): RKI-Ratgeber Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Stand: Februar 2018, Abruf: 05.09.2019, rki.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Erregersteckbriefe - FSME, Abruf: 05.09.2019 , infektionsschutz.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Impfempfehlungen – FSME-Impfung bei Erwachsenen, Abruf: 05.09.2019, impfen-info.de
  • Kaiser, Reinhard: Frühsommer-Meningoenzephalitis, in: DoctorConsult - The Journal. Wissen für Klinik und Praxis, Ausgabe 1/2 (2010), DoctorConsult
  • Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): S1-Leitlinie: FrühsommerMeningoenzephalitis (FSME). Stand Januar 2016. AWMF-Registernr: 030/035, awmf.org
  • Elfie Fust: Zeckenbisse. Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten. Grundlagen und Praxis, 2. Auflage, 2009

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.