Übersäuerung

Eine Person hält in gekrümmter Haltung die Hände vor den Bauch.

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Mit Übersäuerung ist nicht saures aufstoßen oder Sodbrennen gemeint, sondern ein Übermaß an Säure im Blut. Der menschliche Organismus benötigt ständig Energie. Diese gewinnt er aus der Nahrung. Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße spielen bei der Energiegewinnung eine wesentliche Rolle. Ebenso dabei beteiligt ist der Sauerstoff, den wir einatmen. Der Prozess der Energiegewinnung ist ein Verbrennungsvorgang, bei dem auch Stoffwechselendprodukte entstehen. Dieses sind Stoffe, die der Körper nicht braucht und die daher ausgeschieden werden müssen. Ausscheidungsorgane sind in diesem Fall Niere, Darm, Haut und die Lunge. Viele dieser Abfallprodukte sind sauer. Um sie ausscheiden zu können müssen sie vorher neutralisiert werden.


Ab wann spricht man von einer Übersäuerung?

Im Normalfall hat das Blut einen leicht basischen pH-Wert, der zwischen 7,35 und 7,45 liegt. Sinkt dieser Wert unter 7,35 beginnt der Körper zu übersäuern. Der Wert schwankt je nach Tagezeit. Eine zeitweise kurze Abweichung in den sauren Bereich ist nicht weiter tragisch. Bleibt der Wert aber dauerhaft oder überwiegend in diesem Bereich, spricht man von einer Übersäuerung. Eine chronische Übersäuerung (Azidose) ist häufig auf eine Grunderkrankung zurückzuführen und mit einer Stoffwechselstörung verbunden. Dieser Artikel beschäftigt sich vorwiegend mit den Formen der Übersäuerung, die auf falsche Ernährung, Stress und ungesunde Lebensstile zurückzuführen sind. Informationen über die pathogene Übersäuerung finden Sie in dem Artikel: Übersäuerung des Körpers (Azidose).

Saure Soffwechselprodukte

Es ist lebensnotwendig, dass die Wasserstoffionen-Konzentration, also der, durch den pH-Wert gekennzeichnete Säuregrad, keine Abweichungen erfährt. Der Körper verfügt deshalb über verschiedene Mechanismen, um einer Übersäuerung entgegen zu steuern. Die Regelung erfolgt durch Pufferung, durch die Nierentätigkeit und die Aufgaben der Lunge. Das geschieht einmal durch Pufferung der Säuren im Blut mithilfe basischer Mineralien. Im Magen wird Bikarbonat gebildet, an das Säure gebunden wird. Die Niere löst das Bikarbonat wieder aus der Verbindung heraus und gibt sie dem Körper zurück. Die Säure wird ausgeschieden. Ebenso ist die Lunge an dem Regelmechanismus beteiligt. Dort werden Säuren mit der Ausatemluft abgegeben.

Im Körper sind sowohl saure als auch basische Mineralien vorhanden, um einen Ausgleich zwischen Basen und Säuren halten zu können. Saure Mineralien sind Schwefel, Phosphor, Chlor, Fluor, Jod und Silizium. Zu den basischen Mineralien gehören Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Diese basischen Mineralien werden auch als Entsäuerungsmineralien bezeichnet. Sie sind Bestandteile einer natürlichen Kost und müssen in jeder Zelle vorhanden sein, da sie für die Neutralisation von Säuren gebraucht werden. Bei einer Übersäuerung werden dem Organismus Mineralstoffe entzogen, wie zum Beispiel beim sauren Regen dem Boden. Dadurch kommt es langsam zu einem Auslaugen des Körpers und der Mineralstoffgehalt nimmt stetig ab.

Übersäuerung: Symptome

Eine Übersäuerung führt im Laufe der Zeit, nicht von heute auf morgen, zu Erschöpfung der Pufferkapazität des Blutes. Daraus resultieren Stoffwechselstörungen und verschiedene Beschwerden bis hin zu manifesten Krankheiten wie beispielsweise

Organe werden sauer

Während einer Übersäuerung ist im Normalfall der Blut-pH-Wert im Normbereich. Die Pufferkapazität des Blutes nimmt langsam ab. Um aber den Blut-pH-Wert konstant zu halten, werden basische Stoffe dem Gewebe entzogen. So wird sogar das Kalzium der Knochen entnommen, um als Pufferstoff zu dienen. Der Stoffwechsel findet immer mehr unter erschwerten Bedingungen statt. Darunter leiden vor allem Organe, wie Nieren, Leber, Haut und Darm.

Eine Person hält in gekrümmter Haltung die Hände vor den Bauch.
Übersäuertes Blut schädigt im Laufe der Zeit vor allem Knochen, Nieren, Leber, Haut, Darm und Muskeln. (Bild: ipopba/fotolia.com)

Jedes Organ reagiert anders auf die Übersäuerung. Die Knochen entkalken, eine sogenannte Osteoporose entsteht. In der Muskulatur bilden sich Verhärtungen, sogenannte Myogelosen, die sehr schmerzhaft sein können. Beim Herzen entstehen Rhythmusstörungen und in der sauren Mundflora entwickelt sich Karies. In Organen wie Niere und Galle können sich Steine bilden.

Wie eine Übersäuerung entsteht

Eine Übersäuerung beginnt schleichend, anfangs völlig ohne Symptome. Eine Ernährung mit zu viel tierischem Eiweiß, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Alkohol ist die Hauptursache. Hinzu kommen Umweltgifte, Leistungssport, Medikamente, Nikotin und Stress. Zu wenig Bewegung, zu wenig frische Luft und ein Mangel an Flüssigkeit, in Form von reinem Wasser, können ebenso zur Übersäuerung führen. Eine gestörte Darmflora ist nicht in der Lage Mineralien aus der Nahrung aufzunehmen. Daraus resultiert ein Mineralstoffmangel. Dies beeinflusst auch den Säuren-Basen-Haushalt und kann einen Überschuss an Säure bedingen. Fallen zu viele Säuren im Körper an und ist die Möglichkeit ausgeschöpft, diese abzupuffern, werden die Säuren in den verschiedensten Geweben eingelagert und der Stoffwechsel wird massiv behindert. Dies führt zu den vielfältigsten Beschwerden.

Körper entsäuern

An erster Stelle zur Vermeidung einer Übersäuerung steht die Ernährung und ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und ausreichend Erholung. In der täglichen Nahrung ist das Verhältnis Basen zu Säuren von drei zu eins oder noch besser vier zu eins anzustreben. Tierische Eiweiße, enthalten in Milchprodukten, Fleisch, Wurst, und Fisch werden sauer, verstoffwechselt. Hingegen tragen Gemüse und Obst zu einer basischen Ernährung bei. So braucht ein Säureüberschuss aus 200 Gramm Rindfleisch zum Beispiel 250 Gramm Kohlrabi oder 400 Gramm Blumenkohl zur Neutralisation. Eine reichliche Flüssigkeitszufuhr, in Form von Wasser ohne Kohlensäure, steuert der Übersäuerung ebenfalls entgegen.

Viele Gewürze haben eine hohe basische Wirkung wie zum Beispiel Zimt, Lorbeerblätter, Mohnsamen, weißer Pfeffer, Vanille, Majoran, Dill, Zwiebel, weißer Senf, Kümmel, schwarzer Senf, schwarzer Pfeffer und Paprika. Diese Aufzählung ist nach basischem Auswirkungsgrad sortiert, begonnen mit dem Gewürz, das den höchsten Basenanteil hat. Trockenbürsten, Basenbäder mit Natriumbicarbonat und wöchentliche Saunagänge unterstützen den Körper bei der Abgabe von Säuren. Auch werden die verschiedensten Basenpulver und Basentabletten im Handel angeboten. Hiermit werden Basen oral zugeführt, die bei der Abpufferung der Säuren im Körper helfen sollen. Diese dienen jedoch nicht zur Dauermedikation. Wichtiger ist hier eine konsequente Umstellung der Ernährung, die jedoch anfangs mit Basenpräparaten durchaus unterstützt werden kann.

Eine Kur mit Brottrunk wirkt ebenso gegen die Übersäuerung. Brottrunk schmeckt zwar sauer, wird aber im Körper basisch verstoffwechselt, und wirkt auch durch seinen Gehalt an Milchsäurebakterien äußerst gut auf die Darmflora. (Siehe: Basische Lebensmittel)

Zusammen mit einer gesunden, Ernährung, die arm an tierischem Eiweiß ist, kann außerdem die Schüssler Salz Therapie bei einer Übersäuerung Hilfe bringen. Basenteemischungen runden das ganze noch ab. Diese enthalten zum Beispiel Fenchel, Anis, Kümmel, Koriander, Himbeerblätter, Löwenzahn und Brennnessel. Das tägliche Anreichern der Nahrung mit Bitterstoffen ist bei einer Störung des Säuren-Basen-Haushaltes zu empfehlen. Bitterstoffe sind enthalten in bitteren Gemüsesorten, wie Chicorée, Rucola, Endivien und Löwenzahn. Auch der tägliche Genuss von grünem Tee oder Rotbuschtee trägt zur Gesundung bei. (sw)

Wichtig: Eine starke und lange anhaltende Übersäuerung des Körpers ist häufig nicht allein durch die Ernährung bedingt, sondern auf eine Grunderkrankung der Lunge oder der Nieren zurückzuführen und sollte unbedingt von einem Arzt überprüft werden.



Weitere Informationen zum Thema:
Übersäuerung des Körpers (Azidose)
Säure Basen Haushalt
Basische Lebensmittel

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Sigrid Jehle, Antonella Zanetti, Jürgen Muser, u.a.: Partial Neutralization of the Acidogenic Western Diet with Potassium Citrate Increases Bone Mass in Postmenopausal Women with Osteopenia, Journal of the American Society of Nephrology, November 2006, jasn.asnjournals.org
  • Rina So, Sihan Song, Jung Eun Lee, u.a.: The Association between Renal Hyperfiltration and the Sources of Habitual Protein Intake and Dietary Acid Load in a General Population with Preserved Renal Function: The KoGES Study, Plos One, 2016, journals.plos.org
  • Eugene Han, Gyuri Kim, Namki Hong, u.a.: Association between dietary acid load and the risk of cardiovascular disease: nationwide surveys (KNHANES 2008–2011), BMC Cardiovascular Diabetology, 2016, cardiab.biomedcentral.com
  • Julia J. Scialla , Cheryl A.M. Anderson: Dietary Acid Load: A Novel Nutritional Target in Chronic Kidney Disease? Advances in Chronic Kidney Disease, 2013, ackdjournal.org
  • Tanushree Banerjee, Deidra C Crews, Donald E Wesson, u.a.: Dietary acid load and chronic kidney disease among adults in the United States, BMC Nephrology, 2014, bmcnephrol.biomedcentral.com
  • H. Lambert, L. Frassetto, J. B. Moore, u.a.: The effect of supplementation with alkaline potassium salts on bone metabolism: a meta-analysis, Osteoporosis International, 2015, link.springer.com
  • Gerry K. Schwalfenberg: The Alkaline Diet: Is There Evidence That an Alkaline pH Diet Benefits Health? Journal of Environmental and Public Health, 2012, hindawi.com
  • James L. Lewis: Azidose, MSD Manual, Mai 2018, msdmanuals.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.