Gallensteine – Symptome, Ursachen und Therapie

Gallensteine in der Blase- Behandlungen und Anzeichen

Die Gallenblase ist ein Reservoir, in dem sich Gallenflüssigkeit ansammelt, welche beispielsweise beim Verzehr großer Mengen fettigen Fleisches benötigt wird, damit das Essen verdaut werden kann. In der Gallenblase können sich jedoch Gallensteine bilden, welche mitunter in den Gallengang wandern und diesen verstopfen können. Als Folge dessen kann dies einen Ikterus, extrem schmerzhafte Koliken sowie Gallenschmerzen auslösen. Tritt dieser Fall ein, empfehlen Ärzte und Ärztinnen die gesamte Gallenblase zu entfernen.


Gallensteine – Eine Übersicht

  • Die Gallenblase ist vermutlich ein Relikt aus Zeiten der Jäger und Sammler. Sie speichert Gallenflüssigkeit, damit diese beim Verzehr großer Mengen fettreicher Kost zur Verfügung steht, um die Verdauung zu beschleunigen.
  • In der Gallenblase können sich sogenannte Gallensteine bilden, welchen von einigen Menschen unbemerkt bleiben, jedoch besteht die Gefahr, dass diese Steine aus der Galle herauswandern können. Setzen sie sich in den Gallenkanälen oder in anderen Stellen des Bauchraumes fest, kann dies zu krampfartigen Schmerzen führen – sogenannten Koliken.
  • Haben sich Gallensteine gebildet und/oder bereits zu Koliken geführt, rät die Medizin zur umgehenden operativen Entfernung der Gallenblase.
  • Sofern das Organ nicht entzündet ist, erfolgt diese Operation heute minimalinvasiv, was äußerst sicher und mittlerweile Routine ist. Bei schweren Entzündungen der Gallenblase hilft hingegen nur eine konventionelle Operation mit einem langen Schnitt quer über die Bauchdecke. Diese erfordert einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus sowie eine längerfristige Wundheilung.
Circa acht Prozent aller Menschen haben Steine in Ihrer Gallenblase, welche meist aus Cholesterin bestehen. Gefährlich wird es, wenn die Steine in die Gallenwege gelangen, da dies Schmerzen und Entzündungen nach sich ziehen kann. (Bild: brudertack69/fotolia.com)

Funktion der Gallenblase

Die Gallenblase produziert keine Gallenflüssigkeit, sondern speichert sie, was evolutionär gut verständlich ist. Über zehntausende von Jahren lebten unsere Vorfahren als Jäger und Sammler. Bei erfolgreicher Jagd stand sehr viel Fleisch auf einmal zum Verzehr bereit, im Falle einer gescheiterten Jagd gab es mehrere Wochen kaum Fleisch. Viel Gallenflüssigkeit braucht der Körper insbesondere dann, wenn viel fettes Fleisch verdaut werden muss. Es war also wichtig, wenn die Jäger kiloweise Hirsch, Bison oder Wildschwein verschlangen, die Gallenflüssigkeit nicht erst produzieren zu müssen, sondern auf Vorrat zu haben.

Heute können Menschen durchaus auf das Organ verzichten. Treten Gallensteine auf, muss die Ernährung angepasst werden, um Koliken und einen Ikterus zu vermeiden. Somit besteht kein zwingender Grund die Gallenblase zu entfernen, um die Gefahr aus der Welt zu schaffen.

Steine in der Gallenblase

In der Gallenblase können, wie in der Niere, sogenannte Steine entstehen. Die Größe des „Gries“ reicht dabei von der Größe von Sandkörnern bis hin zu bräunlichen Klumpen in der Größe von Kichererbsen. Manche Menschen merken davon gar nichts, dringen diese Gebilde jedoch aus der Gallenblase und verstopfen Gefäße oder Transportwege im Körper, lösen sie schlimme, krampfartige Schmerzen aus, sogenannte Koliken. Bei Betroffenen löst dies das Gefühl aus, keine Luft mehr zu bekommen. Zusätzlich wandern die Schmerzen in den Oberbauch und die rechte Schulter. In diesem Fall gilt es umgehend einen Arzt aufzusuchen, damit dieser zeitnah die Gallenblase entfernen kann.

Studien zufolge sind solche Gallensteine zu 25 % genetisch bedingt. Frühere Theorien, nach denen Gallensteine durch psychische Belastung und/oder durch fettreiche Ernährung und mangelnde Bewegung entstehen, sind wissenschaftlich widerlegt. Junge schlanke Frauen, die sich kalorienarm ernähren, nicht rauchen und keinen Alkohol trinken, bekommen ebenso Gallensteine wie alte Männer mit Übergewicht, die an Alkoholismus leiden und kaum vom Sofa kommen.

Überkommene Theorien über die vermeintlichen Ursachen können sogar gefährlich sein. So berichtet eine Frau, die in den 1980er Jahren unter wiederkehrenden Koliken litt und deswegen mehrfach einen Arzt aufsuchte, dass Sie dem Arzt sagte, dass Sie vermutet, dass ihre Schmerzen an Gallensteinen liegen würden. Der Arzt schüttelte darauf den Kopf und sagte, dass eine Frau in dem Alter und mit dem Gewicht keine Gallensteine bekommen könnte. Monate später kam sie mit extremen krampfartigen Schmerzen in die Notaufnahme. Die Gallenblase hatte sich gefährlich entzündet, einzig und allein die Durchführung einer Not-OP rettete ihr das Leben.

Gallensäure und Lecithin bilden normalerweise ein Gleichgewicht zwischen der wasserlöslichen Gallenflüssigkeit und dem nicht wasserlöslichen Cholesterin. Gallensteine können auch durch das Halten von Extremdiäten entstehen, da das Gleichgewicht gestört wird und sich ein Cholesterinstein bilden kann. Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme spielt hingegen für die Bildung von Gallensteinen ebenso wie Alkohol (im Unterschied zu Nierensteinen) keine Rolle.

Wann werden Gallensteine zum Problem?

Kleinere Steine können in den Gallengang wandern, dort stecken bleiben und dabei eine Infektion verursachen. Sie müssen endoskopisch über den Darm entfernt werden. Wenn Steine den Ausgang der Gallenblase blockieren, rufen sie meist Koliken mit krampfartigen Schmerzen hervor, die in den Oberbauch und sogar bis in die rechte Schulter ausstrahlen können. Die Betroffenen sollten sofort zum Arzt gebracht werden, damit die Steine im Rahmen einer Gallenspiegelung zertrümmert werden können. Die Medizin rät in solchen Fällen, umgehend die Gallenblase zu entfernen.

Aufgestaute Gallenflüssigkeit löst einen sogenannten Ikterus aus – Symptome einer Gelbsucht. Die Betroffenen sind chronisch erschöpft, das Weiß in den Augen verfärbt sich ebenso wie die Haut gelb. Nun besteht die Gefahr, dass sich die Gallenblase entzündet, was schnell gefährlich werden kann.

Entzündung der Gallenblase

Kommt es infolge der Gallensteine zu einer Stauung der Gallenflüssigkeit und zu einer Entzündung, muss umgehend eine Klinik aufgesucht werden. Symptome dafür sind chronische Erschöpfungserscheinungen und die besagte Gelbfärbung von Haut und Augen. Suchen Sie sofort die Notaufnahme eines Krankenhauses auf, wenn diese Symptome auftreten, da innerhalb weniger Tage eine Sepsis entstehen kann, was oftmals unbemerkt bleibt. Ihre Haut färbt sich weiter gelb, Sie werden immer erschöpfter, an Schmerzen leiden Sie meist jedoch nicht, dennoch tritt der Tod nach kurzer Zeit ein.

Anfangs kann das Immunsystem durch ein „Bombardement“ mit weißen Blutkörperchen die Entzündung noch fixieren. Es bildet sich ein Abszess aus abgestorbenen Leukozyten. Steigen nun aber die Entzündungswerte, kann die Immunabwehr die Entzündung nicht mehr begrenzen, sodass zu einer Sepsis im Bauchraum kommt. Zwar lässt sich eine solche Blutvergiftung im Anfangsstadium heutzutage mit hoch dosierten Antibiotika bekämpfen, im fortschreitenden Stadium führt sie jedoch zum Tod. Eine sofortige konventionelle Operation, um den Abszess abfließen zu lassen und die Gallenblase zu entnehmen, ist notwendig.

War es früher noch notwendig, einen größeren Schnitt in der Bauchdecke vorzunehmen, um die Gallenblase zu entfernen, lassen sich heutzutage vielfältige Eingriffe über einen kleinen Schnitt unter Zuhilfenahme von Gas und eines Endoskops vornehmen. (Bild: Gorodenkoff/fotolia.com)

Gallenblase entfernen – althergebrachte Methoden

Die älteren Methoden, die Gallenblase zu entfernen, laufen als chirurgischer Eingriff – durch einen großen Schnitt in die Haut, was man als „Cholecystectomie“ bezeichnet. Die zweite Methode ist die „laparoskopische Cholecystectomie“ und bedarf vieler kleinerer Hauteinschnitte. Als Werkzeug kommt ein Endoskop zum Einsatz und beide Operationen werden unter Vollnarkose durchgeführt.

Die zweite Methode hat den Vorteil, dass die Erholungsphase wesentlich kürzer ist und die Patienten deshalb schneller das Krankenhaus verlassen können. Jedoch eignet sich diese Methode nicht bei allen Personen, insbesondere bei denen nicht, die bereits am Bauch operiert wurden.

Bei dem offenen Eingriff wird die Haut des Oberbauchs eingeschnitten, sodass die Bauchhöhle erreicht werden kann, um die Galle zu entfernen. Dabei werden bisweilen Röntgenbilder betrachtet, um festzustellen, ob sich Steine im Hauptgallengang „verstecken“. Ist dies der Fall, wird der Gang geöffnet und die Steine werden entfernt. Die Gallenflüssigkeit fließt dabei über einen Katheter ab, welcher erst Tage oder Wochen nach der Operation wieder entnommen wird.

Bei einem laparoskopischen Eingriff lässt das medizinische Personal ein bestimmtes Gas in die Bauchhöhle. Anschließend lassen sich mit dem Endoskop, welches zuvor durch einen einzigen Schnitt eingeführt wurde, verschiedene Eingriffe unternehmen. Die Gallenblase wird mit dem Endoskop vom Gallengang getrennt und entfernt. Steine im Hauptgallengang lassen sich mit den laparoskopischen Instrumenten ebenfalls entnehmen.

Risiken und Komplikationen

Beide Verfahren sind sehr sicher. Risiken wie z.B. Schlaganfälle Nierenversagen, Lungenentzündungen und Thrombosen in den Beinen, entstehen üblicherweise bei der Vollnarkose. Bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es typische Risiken, die mit dem Eindringen in den Körper verbunden sind. Dazu zählen mögliche Infektionen in der Bauchhöhle oder am Einschnitt am Bauch. Die Betroffenen müssen in einem solche Fall über längere Zeit Antibiotika nehmen bzw. eventuell sogar erneut operiert werden.

Im Zuge möglicher Blutungen kann es notwendig sein, dass man Bluttransfusionen verabreichen oder ebenfalls operieren muss. In extrem seltenen Fällen können Leber, Darm und Magen sowie der Gallengang beschädigt werden. Die Notwendigkeit einer weiteren Operation kann auch durch Bauchwanddurchbrüche, bei denen sich der Darm gegen die schwache innere Bauchwand drückt, ausgelöst werden.

Was passiert nach dem Eingriff?

Ist die Galle entfernt, kommen Sie in den Aufwachraum, später dann in einen normalen Raum. Bis Sie wieder eigenständig in der Lage sind zu essen und zu trinken, wird die Nahrung über eine Infusion verabreicht. Um Thrombosen vorzubeugen, sollen Patienten (gemeinsam mit Klinikpersonal) im Krankenhaus herumgehen, sobald sie dazu in der Lage sind. Die Entlassung erfolgt nach einigen Tagen. Bei folgenden Symptomen sollten Sie sofort Ihren Hausarzt aufsuchen: Fieber, starke Schmerzen im Bauchraum (ein leichtes Ziehen oder Kratzen nach dem Eingriff ist normal), Schwäche, Schwellungen oder Infektionen.

Bauchspiegelung ist „Goldstandard“

Der Arzt Konstantinos Zarras bezeichnet das Entfernen der Gallenblase mittels einer Bauchspiegelung heute als Goldstandard. In Deutschland erfolgt dieser Eingriff 170.000 Mal pro Jahr. Die Schnitte, über die die Tokare eingeführt werden, sind winzig. Das Laparoskop, als größtes Tokar, hat gerade einmal einen Durchmesser von zwölf Millimetern und wird (aus ästhetischen Gründen) über die Nabelgrube eingeführt. Über den Zugang im Bauchnabel wird der Bauchraum des Patienten mit Kohlendioxid aufgeblasen und mittels Tovar eine Kamera mit Beleuchtung eingeführt. Auf dem Kamerabild sehen die Chirurgen jetzt genau, wo die chirurgischen Instrumente angesetzt werden müssen. Diese brauchen maximal fünf mm dicke Schleusen. Die Steine werden entnommen, die Gallenblase wird zerteilt und automatisch in den Bergebeutel gesteckt.

Es gibt heutzutage keine allgemeingültigen Empfehlungen mehr dafür, wie sich Menschen ohne Gallenblase zu ernähren habe. Während einige Betroffen keinerlei Veränderungen merken, reagieren andere empfindlich auf einzelne Lebensmittel. (Bild: vaaseenaa/fotolia.com)

Ernährung ohne Gallenblase

Vorab gibt es eine bedingte Entwarnung: Das Entfernen einer Gallenblase legt keinesfalls wesentliche Funktionen der Verdauung brach, sodass Betroffene wie Diabetiker ein Leben lang nur ganz bestimmte Dinge essen dürfen, da man sich andernfalls in Lebensgefahr begibt. Dem ist nicht so. Die Medizin gibt heute keine allgemeingültigen Empfehlungen mehr, welche Ernährung für ein Leben ohne Gallenblase geeignet ist. Manche Betroffene merken überhaupt keine Veränderung und andere reagieren auf bestimmte Nahrung empfindlich, die Sie vorher ohne Probleme verzehren konnten.

Da das Organ ein Reservoir ist, dass Gallenflüssigkeit speichert, um sie dann zur Verfügung zu haben, wenn sie in größeren Mengen benötigt wird, um reichlich fette Nahrung zu verarbeiten, sollten Sie bei Pommes Frites, Gyros, gegrillter Haxe, Grillhähnchen und Ähnlichem darauf achten, wie Sie das Verzehrte vertragen. Manche Betroffene berichten, dass sie beim Essen solcher Speisen schneller und häufiger auf Toilette müssen als zuvor.

Der Körper kann also möglicherweise extrem große Mengen an Nahrung, die reich an Fett und Kohlenhydraten sind, nicht mehr so gut verdauen und braucht obendrein länger dafür. Insofern müssen sie nach dem Menü beim Griechen mit Gyros und Lammkotelett nicht damit rechnen, dass Sie sich mit Krämpfen auf dem Boden krümmen müssen, jedoch kann es sein, dass Sie für die Verdauung eventuell länger brauchen, als Personen, die sofort einen Nachschub an Gallensaft in petto haben. (Dr. Utz Anhalt)