Übermäßige Fettpolster im Bauchbereich und Vitamin-D-Mangel haben in Kombination offenbar besonders nachteilige gesundheitliche Effekte. So unterliegen Personen, die sowohl an abdominaler Adipositas als auch an einem Vitamin-D-Mangel leiden, einem deutlich erhöhten frühzeitigen Sterberisiko.
Inwiefern das Zusammenspiel von abdominaler Adipositas und Vitamin-D-Mangel das frühzeitige Sterberisiko beeinflusst, haben Forschende der Federal University of Sao Carlos (Brasilien) und des University College London (UK) in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Diabetes, Obesity and Metabolism“ veröffentlicht.
Zwei bekannte Risikofaktoren
Dass Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) die Gesundheit belasten, ist hinlänglich belegt, und bereits vor einigen Jahren kamen Forschende in einer Studie zu dem Schluss, dass ab einem BMI von 30 das Risiko für einen vorzeitigen Tod deutlich steigt.
Auch Vitamin-D-Mangel wurde seinerseits bereits mit verschiedenen Gesundheitsrisiken in Zusammenhang gebracht und erst vor wenigen Monaten berichtete ein japanisches Forschungsteam, in dem „British Journal of Nutrition“, dass schon leichter Vitamin-D-Mangel unsere Lebenserwartung signifikant verkürzt.
Vitamin-D-Mangel & Adipositas in Kombination
So lag die Vermutung nahe, dass die Kombination aus abdominaler Adipositas und Vitamin-D-Mangel das frühzeitige Sterberisiko besonders drastisch erhöht, was die Forschenden nun anhand der Daten von 5.520 Teilnehmenden der „English Longitudinal Study of Ageing“ (ELSA) überprüften.
Alle Teilnehmenden waren zu Beginn des Beobachtungszeitraums mindestens 50 Jahre alt und es lagen Daten für sechs Jahre vor, wobei auch der Taillenumfang und der Vitamin-D-Spiegel (gemessen anhand der 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentrationen im Blut) ermittelt wurden, berichtet das Team.
Bei den Vitamin-D-Werten unterschieden die Forschenden zwischen einer ausreichenden Versorgung (≥ 50 nmol/L), einer unzureichenden Versorgung und (30–50 nmol/L) und einem Vitamin-D-Mangel (< 30 nmol/L). Als abdominale Adipositas wurde ein Bauchumfang von über 102 cm bei Männern und 88 cm bei Frauen definiert.
Frühzeitiges Sterberisiko verdoppelt
Die Datenauswertung ergab, dass ein Vitamin-D-Mangel (unter 30 nmol/l) für sich betrachtet mit einem um 91 Prozent erhöhten Sterberisiko innerhalb des Beobachtungszeitraums verbunden war, während die abdominale Adipositas das Sterberisiko um 47 Prozent erhöhte, so das Forschungsteam.
Bei gleichzeitigem Auftreten beider Faktoren sei das frühzeitige Sterberisiko um 123 Prozent gestiegen und habe sich damit mehr als verdoppelt – jeweils im Vergleich zu Teilnehmenden mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung und ohne Adipositas.
Die abdominale Adipositas bilde einen Risikofaktor, da Entzündungen und Stoffwechselprobleme mögliche Folgen seien. Vitamin D hingegen beeinflusse als Hormon verschiedene Organe und ein Mangel daran könne diverse Körperfunktionen beeinträchtigen.
Gegenseitige Verstärkung
„Treten beide Zustände gemeinsam auf, verstärken sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung, was das Sterberisiko weiter erhöht“, betont der Studienautor Professor Tiago Silva Alexandre von der Federal University of Sao Carlos.
Demnach seien die Überwachung des Vitamin-D-Spiegels und die Behandlung von überschüssigem Bauchfett wesentliche Maßnahmen, um das frühzeitige Sterberisiko zu senken und die Lebenserwartung zu erhöhen – insbesondere ab einem Alter von 50 Jahren.
Die Kombination von Vitamin-D-Mangel und abdominaler Adipositas kann sich laut den Forschenden zudem ungünstig verstärken, da das Bauchfett zirkulierendes Vitamin D bindet und es in den Adipozyten (Fettzellen) speichert, so dass das Vitamin nicht in den Blutkreislauf gelangt.
Dieses gespeichert Vitamin D stehe im Blut nicht frei zur Verfügung und könne daher seine wichtigen Funktionen in anderen Organen und Systemen nicht erfüllen. Den stark übergewichtigen Menschen fehle es zudem oftmals an Enzymen, die für den Vitamin-D-Stoffwechsel notwendig sind, was die Verfügbarkeit des Vitamins weiter einschränke.
Verstärkte Entzündungen, geschwächtes Immunsystem
„Bauchfettleibigkeit reduziert den Vitamin-D-Spiegel im Blut; dieser Mangel schwächt das Immunsystem, verschlimmert die durch überschüssiges Fett verursachten chronischen Entzündungen und erhöht das Sterberisiko drastisch“, betont Professor Alexandre.
Bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel und gleichzeitigem Überschuss an Bauchfett entstehe ein ungünstiges systemisches Milieu, das Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie den Muskelabbau im Alter beschleunige. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Joyce da Silva Milliati, Thaís Barros Pereira da Silva, Roberta de Oliveira Máximo, Mariane Marques Luiz, Sara Souza Lima, Andrew Steptoe, Cesar de Oliveira, Tiago da Silva Alexandre: Does the Combination of Abdominal Obesity and Vitamin D Deficiency Increase the Risk of Death in Individuals Aged 50 or Older? Evidence From the ELSA Study; in Diabetes, Obesity and Metabolism (veröffentlicht 06.05.2026), literatumonline.com
- Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de São Paulo: Combination of abdominal obesity and vitamin D deficiency more than doubles the risk of death in people over 50 (veröffentlicht 04.08.2026), eurekalert.org
- Mika Kivimäki, Timo Strandberg, Jaana Pentti, et al.: Body-mass index and risk of obesity-related complex multimorbidity: an observational multicohort study; in: The Lancet Diabetes & Endocrinology (veröffentlicht 03.03.2022), thelancet.com
- Plasma 25-hydroxyvitamin D concentrations, vitamin D deficiency, and mortality in community-dwelling Japanese adults; in: British Journal of Nutrition (veröffentlicht 09.10.2025), cambridge.org
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