Doch kein Hirntod: Organspende abgebrochen

Heilpraxisnet

Abgebrochene Organspende: Schwerer Fehler bei Hirntod-Diagnose

12.01.2015

In einem Krankenhaus in Norddeutschland musste einem Medienbericht zufolge eine Organspende abgebrochen werden, weil bei der Hirntod-Diagnose Fehler gemacht worden waren. Der Spender lag bereits mit aufgeschnittenem Bauch auf dem Operationstisch.

Bauch des Spenders war bereits aufgeschnitten
Einem Bericht zufolge haben Ärzte "bei der Feststellung des Hirntods im Rahmen einer Organspende abermals Fehler gemacht". Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa sei "Anfang Dezember in einem Krankenhaus im Raum Bremen/Bremerhaven eine Organspende abgebrochen worden, da der Hirntod des Spenders nicht nach den dafür vorgesehenen Regeln diagnostiziert worden sei". Zu diesem Zeitpunkt "hätten die Operateure bereits den Bauchraum geöffnet", wie die SZ in ihrer Montagsausgabe berichtet.

„Unklarheiten in Bezug auf die Hirntoddiagnostik“
Der Zeitung zufolge bestätigte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) „Unklarheiten in Bezug auf die Hirntoddiagnostik bzw. ihre Dokumentation“. Wie es heißt, sei die bei der Bundesärztekammer (BÄK) angesiedelte Überwachungskommission informiert worden. Laut SZ teilte die Ärztekammer mit, dass „zu laufenden Verfahren in konkreten Einzelfällen keine Auskünfte gegeben werden können“. Den Angaben zufolge werde sich die Überwachungskommission in Kürze „mit der Überprüfung bestimmter Hirntod-Untersuchungen und -Diagnosen befassen“.

Totenscheine im Nachhinein korrigiert
Bereits vor einem Jahr war bekanntgeworden, dass Mediziner innerhalb von drei Jahren insgesamt zehn Patienten abweichend von den Richtlinien für hirntot erklärt hatten. Nach DSO-Angaben wurden aber keine Organe an noch Lebenden entnommen. Damals hatte die SZ berichtet, dass sogar Totenscheine im Nachhinein korrigiert werden mussten. Der Zeitung zufolge liege die Ursache in einer unzureichenden Ausbildung der Ärzte im Bereich der Hirntod-Diagnostik. Der Vorstand der DSO, Rainer Hess bestätigte im vergangenen Jahr, dass Mediziner teilweise uneins darüber seien, wie genau der Hirntod zu bestimmen sei.

Klare Richtlinien für Hirntod-Diagnose
Eigentlich gibt es aber für eine Hirntod-Diagnose in Deutschland klare Richtlinien. Unter anderem gehöre dazu, dass zwei qualifizierte Ärzte unabhängig von einander die Diagnose stellen und dabei über übereinstimmen müssen, wie die SZ berichtete. Des weiteren müssten alle Umstände ausgeschlossen werden, die das Gehirn nur betäuben wie Medikamente, Koma, eine zu niedrige Körpertemperatur oder Vergiftung. Derzeit warten bundesweit rund 11.000 schwer kranke Patienten auf ein Spenderorgan, das ihnen möglicherweise das Leben retten könnte. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Nachrichten über den Fall in Norddeutschland bei potentiellen Spendern keine ernsthaften Zweifel an Organspenden wecken. In der Vergangenheit war es aufgrund von Transplantationsskandalen zu einem enormen Rückgang der Spenderzahlen gekommen. (ad)

Bild: Martin Jäger / pixelio.de